, 3. März 2017
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Eine EM im Espenmoos

Teams aus ganz Europa tschutten im Sommer im Espenmoos-Stadion um den Titel an der 12. Alternative Fussballeuropameisterschaft AEM. Das Turnier nach St.Gallen geholt haben Mitglieder der noch ziemlich jungen Alternativen Fussball Liga St.Gallen. von Nina Rudnicki

Bilder: Alternative Fussballiga St.Gallen

Das letzte Wochenende im Juni ist normalerweise fix für das St.Galler Openair reserviert. In diesem Jahr allerdings könnte man statt ins Sittertobel auch ins Espenmoos pilgern. Dort kämpfen während drei Tagen, vom 30. Juni bis 2. Juli, Mannschaften aus ganz Europa um den Titel an der Alternativen Fussballeuropameisterschaft AEM. Parallel dazu soll auch ein Turnier für Frauen stattfinden – wenn sich genug Teams anmelden.

Schnell gewachsene St.Galler Liga

Die Alternative Europameisterschaft gibt es seit zwölf Jahren. Sie hat unter anderem in Berlin und in Galway in Irland stattgefunden. Dass sie jetzt nach St.Gallen kommt, ist eine Besonderheit, vor allem da es hier überhaupt erst seit vier Jahren eine Alternative Fussball Liga gibt. Dafür ist diese ziemlich schnell gewachsen. Mittlerweile kämpfen 23 Mannschaften in drei Stärkeklassen um den Gruppensieg. Bereits seit drei Jahren spielt auch eine St.Galler Delegation an der Alternativen Europameisterschaft AEM mit.

Letztes Jahr in Galway

«Als wir vor zwei Jahren in Berlin waren, fragte uns der Organisator, ob wir die AEM 2017 nicht nach St.Gallen holen wollen. Müde und dehydriert von der Hitze sagten wir spontan zu», sagt Roman Rutz, Gründungsmitglied der Alternativen Fussball Liga St.Gallen. Zusammen mit Pressechef Fynn Wohlgensinger und weiteren Freiwilligen hat er die Organisation der Alternativen Europameisterschaft übernommen. Beim Sportamt haben sie ein «rudimentäres Konzept» eingereicht und drei Plätze im Espenmoos reserviert.

Das kostet sie 1600 Franken. Die Stadt unterstützt die Alternative Europameisterschaft in St.Gallen mit 1000 Franken. Hinzu kommen die Einahmen aus den Teilnahmegebühren, 200 Franken bezahlt jedes Team. Zudem betreiben die Organisatoren im Espenmoos einen Stand, an dem sie Getränke und Würste verkaufen. Wenn noch ein oder zwei Sponsoren dazu kommen, könnten die Mannschaften mit günstigen, «subventionierten» Unterkünften unterstützt werden oder am Festabend ein paar Bier spendiert bekommen. So sieht zumindest der Plan aus.

Günstige Übernachtungsmöglichkeiten gesucht

«In der Schweiz zu spielen ist für die meisten ausländischen Teams ziemlich teuer», sagt Wohlgensinger. Am Mittag soll es daher Gratisverpflegung an einem Pasta-Stand geben. Ausserdem suchen Rutz und Wohlgensinger derzeit nach billigen Unterkunftsmöglichkeiten. 30 Plätze konnten sie bereits in einem Pfadiheim reservieren. «Vom Sportamt bekommen wir noch eine Liste von allen Orten, an denen man günstig übernachten kann», sagt Rutz. «Uns ist einfach wichtig, dass die Mannschaften, die nach St.Gallen kommen, nicht pleite gehen.»

Eine Übersicht über alle Teams und Infos rund um die Alternative Europameisterschaft findet sich hier.

Mit dem Gedanken, dass die Alternative EM ausgerechnet aufs Openair-Wochenende fällt, haben sich die Organisatoren mittlerweile angefreundet. Viele von ihnen sind selbst langjährige Openair-Gänger. Da das Sportamt die Fussballplätze in St.Gallen über den Sommer schliesst, blieb ihnen aber keine andere Wahl, als sie die AEM auf das letzte Juni Wochenende zu legen. «Wir sehen das jetzt einfach als Alternatives Programm für Erwachsene zum Openair», sagt Wohlgensinger. «Ausserdem kann wer will, in der freien Zeit ins Sittertobel gehen.» Am Samstagabend wird zudem ein Fest im Engel gefeiert, wo alle zusammenkommen, die mittschutten, mithelfen und das Openair-Programm umgehen wollen — wenn alles klappt mit, einem besonderen Überraschungsgast.

Ohne Schiedsrichter, Ranglisten, Trikots und Fussballschuhe

Für die Alternative Europameisterschaft angemeldet haben sich bislang Teams aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Irland. Alles Länder, in denen die Alternative Fussballliga eine Tradition hat. Da ein bisschen mehr Vielfalt erwünscht ist, schreiben die Organisatoren derzeit alle die Alternativen Ligen in Europa an. «Es ist aber gar nicht so einfach, diese zu finden und zu kontaktieren», sagt Wohlgensinger. «Denn das scheint vor allem ein Ding im deutschsprachigen Raum zu sein.» In der Schweiz gibt es seit den 1970er-Jahren Alternative Ligen. Die älteste ist jene in Zürich. Gegründet wurde sie 1976 von Linken und einer aktiven ausserparlamentarischen Opposition. Mit ihrem eigenen Fussballverband, dem FSFV (Fortschrittlicher Schweizerischer Fussball Verband), schafften sie schafften Schiedsrichter, Ranglisten, einheitliche Trikots und Fussballschuhe ab.

Im Gegensatz zu den Alternativ-Ligen in Zürich, Bern und Basel, die mittlerweile mit Schiedsrichtern und Linienrichtern spielen, verzichtet die Alternative Fussball Liga in St.Gallen darauf. Die Alternative Europameisterschaft wird eine Ausnahme sein, Schiris werden gestellt. «Im Prinzip spielen wir Strassenfussball, so wie früher am Mittwochnachmittag», sagt Rutz. «Es geht um den Spass am Fussball, ohne die Verpflichtungen, die man im Fussballklub hat.» Und Wohlgensinger ergänzt: «Es geht einfach um das Grundsätzliche, darum das Spiel zu spielen. Das heisst aber nicht, dass wir nicht ernst spielen.»

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