Ein erstes Vorbereitungstreffen hat Anfang März stattgefunden, mit rund 15 Beteiligten aus diversen Sparten, Regionen, kulturellen Zusammenhängen. Sie vertraten Institutionen, Vermittlungsangebote, Medien, sich selber. Und sie diskutierten intensiv und konstruktiv über das Projekt einer Interessengemeinschaft Kultur für die ganze Ostschweiz.
Eine gemeinsame Stimme
«Wenn freie Kulturschaffende aller Sparten und Institutionen zusammenspannen, hat das eine starke Signalwirkung.» Das war einer der motivierenden Sätze. Einwände gab es ebenfalls, unter anderem diesen: «Wie sollen unterschiedliche, manchmal auch gegensätzliche Interessen unter dem Dach einer IG zusammenkommen?» Insgesamt überwogen am Vorbereitungstreffen jedoch Sympathie für die Idee, Aufbruchstimmung und die Überzeugung, es brauche eine gemeinsame starke Stimme für die Anliegen der Kultur.
Dass diese Anliegen nicht ungefährdet sind, zeigen die wiederholten Spar-Übungen im Kanton St.Gallen, aber auch in der Hauptstadt oder im Thurgau. Jüngst: die unsägliche Weigerung des St.Galler Stadtrats, gerade einmal 25’000 zusätzliche Franken für das Sitterwerk und das Kulturlokal Palace zu bewilligen.
Andrerseits stehen kulturelle Grossprojekte an: Das Klanghaus Toggenburg kommt im Juni 2019 zur Volksabstimmung, die neue Kantons- und Stadtbibliothek steht vor dem definitiven Standortentscheid, das Kunstmuseum St.Gallen wartet seit langem auf einen Umbau. Nur um kulturelle Bauvorlagen, quasi um die Spitze des Eisbergs, soll es aber nicht gehen, ebenso wenig ums Geld allein – das wurde beim Vorbereitungstreffen ebenfalls betont.
Nicht Goodwill, sondern Service public
Vielmehr soll die IG Ausdruck einer Haltung sein. Und Trägerin einer Botschaft an die Öffentlichkeit: Eine demokratische Gesellschaft braucht ein kulturförderliches Klima, und zwar nicht aus Goodwill, sondern als Selbstverständlichkeit, so selbstverständlich wie Strassen- und Leitungsbau, Bildungsausgaben, Krankenpflege oder andere Leistungen. Kultur gehört zum Service public. Darum eine IG, die als Gesprächspartnerin für Kunstschaffende selber wie für die Behörden präsent ist.
Gründungsversammlung IG Kultur Ost: 6. April 16 Uhr im Kulturkonsulat, Frongartenstrasse 9 in St.Gallen.
Was genau ihre Aufgaben, Ziele, Massnahmen sind: Dazu sollen die Mitglieder sich einbringen können. Der Gründungsakt vom 6. April versteht sich daher als eine erste Zündung. Ein Gründungsvorstand nimmt anschliessend die Arbeit auf und soll der IG innerhalb eines Jahres im Dialog mit den Mitgliedern zu einer tauglichen Form und zur Präzisierung der Inhalte verhelfen.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.