Kategorie
Autor:innen
Jahr

Eine Piazza unter den Platanen

Er wollte «den Weiterbestand der Bäume feiern und uns etwas darüber freuen, dass der längste Alptraum der St. Galler Geschichte definitiv Vergangenheit ist». Daraus wird nun nichts: Hansueli Stettler hat sein für Freitag geplantes Platanenfest am St.Galler Union abgesagt. Dafür gibt es neue Ideen.
Von  Peter Surber , 
Zukunftstraum Schibenertor-Piazza, Visualisierung bei Tag...

Mit dem «längsten Alptraum» ist die Parkgarage Schibenertor, genannt Union+, gemeint. Sie ist nach jahrelangem Seilziehen bekanntlich vor den Sommerferien beerdigt worden. Hansueli Stettler und sein Komitee Vernünftiger Marktplatz gehörten zu den heftigsten Kritikern des Projekts. Bereits 2015 hatte Stettler zu einer Kundgebung aufgerufen; auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen um den Tiefgaragenplan traf man sich damals unter den Platanen und auf dem Blumenmarkt und brachte den Verkehr, wie das Bild unten dokumentiert, für kurze Zeit zumindest ein bisschen in Unordnung.

Bereits zuvor hatte Stettler eine alternative Nutzung der kleinen Platanenallee ins Spiel gebracht, die heute am Union die Fahrspuren teilt und als Parkplatz genutzt wird. Eine «Rambla» sollte entstehen, mehr dazu hier.

Und jetzt also, am Freitag 15. September, wollte Stettler die Rettung der Bäume feiern – ihr drohender Verlust war eines der ökologischen Argumente gegen die dort geplante Einfahrt der Parkgarage gewesen. Ende August fragte Stettler um eine Bewilligung an, inklusive Sperrung der beiden an die Bäume unmittelbar angrenzenden Fahrspuren, «um den zweifellos zahlreich erscheinenden St.GallerInnen genügend Platz zu geben», Musik zu machen und einen Film zu zeigen. Der Anlass sollte bis 23.30 Uhr dauern.

Querungsgefahren – Terrorgefahr

Die Antwort der Stadtpolizei, Amt für Bewilligungen, kam nach einer Woche und fiel negativ aus, wie Stettler mitteilt. An einem Freitagabend auf einer Hauptverkehrsachse zwei Spuren für eine private Veranstaltung zu sperren, lasse sich nicht rechtfertigen. Zudem gäbe es riskanten Querungsverkehr. Die Insel am Union eigne sich aus Sicherheitsgründen nicht für einen Event – aus alltäglichen ebenso wie aus speziellen: «Aufgrund der in Europa erhöhten Terrorgefahr müssten zusätzliche Anti-Terrormassnahmen zum Schutze der Besucher ergriffen werden, was an dieser Lage unrealistisch ist.»

Stettler und seine «Mitstreiter im öffentlichen Raum» erhoben gegen den ablehnenden Entscheid Rekurs an Stadträtin Maria Pappa. Der Querungsverkehr wäre gefahrlos lösbar, war ein Einwand. Ein anderer: Es sei nicht Sache der Polizei, einen solchen Anlass als «privat» zu qualifizieren. Denn jede Handlung im öffentlichen Raum sei politisch; mit der bevorstehenden Debatte um die sogenannte Mobilitätsinitiative sei die Aktualität des Themas erst recht gegeben.

Und schliesslich die Terrorgefahr: Mit diesem Argument könnte in St. Gallen ab sofort keine angekündigte Veranstaltung ohne Betonblöcke mehr stattfinden. «Wir teilen diesbezüglich Ihre Bedrohungswahrnehmung in keiner Weise, waren doch die in Europa bekannten Terrorziele immer solche mit internationaler Ausstrahlung und hoher Bekanntheit. Dies trifft für St.Gallen definitiv nicht zu», schrieb Stettler leicht ironisch.

Auf seinen Rekurs hin bestanden die Behörden darauf, dass das öffentliche Interesse bezüglich Verkehrssicherheit überwiege gegenüber den Interessen eines Veranstalters; bei der aktuellen Verkehrssituation am Schibenertor ein nachvollziehbarer Entscheid. Darüberhinaus bot die Polizei nach Absprache mit Stadträtin Pappa zwei alternative Veranstaltungsorte an: den Blumenmarkt oder den Gallusplatz. Stettler lehnte ab und begründet dies auf Nachfrage von Saiten damit, dass das Fest ausdrücklich «unter und mit den Bäumen» stattfinden sollte, und nicht sonst irgendwo.

…und bei Nacht.

Ein neuer zentraler städtischer Platz?

Vielleicht gebe es am Freitag trotz Absage individuelle Aktionen, fügt Stettler bei – «wenn das Wetter passt». Das Datum zumindest passt: Am 15. September ist internationaler Parking Day. Er ruft dazu auf, auf kreative Weise Parkplätze temporär in Beschlag zu nehmen.

Verkehrsspezialist und Mediendesigner Markus Tofalo sagt zum abgesagten Platanenfest: «Die Idee, den Parking Day zum Anlass für eine solche Probe-Autobefreiung dieser schönen Mittelinsel zu nehmen, war mir sehr sympathisch. Nach meiner Einschätzung sollten drei Fahrspuren auf der Union-Seite der Bäume Platz finden, so dass die andere Seite verkehrsbefreit sein könnte. Wir hätten so in St.Gallen einen schönen, zentralen, städtischen Platz, der aufgrund seiner rechteckigen Form, seiner Bedeutung und der umliegenden Fassaden auch als Platz wahrgenommen würde. Wie wäre erst seine Bedeutung, wenn hier tatsächlich die  Bibliothek untergebracht würde? Oder im Unter- und Erdgeschoss des Unions eine Markthalle? (siehe hier) Dass man auf die Idee der Bibliothek überhaupt gekommen ist, zeigt doch, dass man erkannt hat, dass das Union zusammen mit die Schibenertorplatz ein wichtiges Scharnier zwischen Altstadt und westlichem Zentrum darstellen.»

Mit anderen Worten: Das Nein zur Parkgarage macht den Weg frei für neue Stadt-Platz-Ideen.

Bilder und Visualisierungen: Markus Tofalo

 

 

 

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2