, 29. August 2022
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Entscheide. Dich. Jetzt.

«Ja Nein Vielleicht» – in den vergangenen zweieinhalb Jahren waren ungeahnte und weitreichende Entscheidungen fällig. Dies nimmt der Verein Kunsthalle[n] Toggenburg zum Anlass für seine Ausstellung in der Propstei St.Peterzell. Versammelt sind Werke von 21 Künstlerinnen und Künstlern.

Blick in den Ausstellungsraum im Dachstock der Propstei. (Bilder: Ueli Alder)

Rechts oder links? Stadt oder Agglo? Brust oder Keule? Hund oder Katze? Ja oder nein? Beim Einkaufen, unterwegs, auf dem Stimmzettel, bei der Impfung, beim Medienkonsum – ständig sind Entscheidungen fällig, das ganze Leben lang. Manchmal gibt es nur ein Ja oder ein Nein. Manchmal ist auch ein Vielleicht möglich.

Wann ist eine Auswahl freiwillig, wann ist sie notwendig? Ob Multioptionsgesellschaft oder die grossen Lebensfragen – vieles verlangt eine Entscheidung. Organspenden oder nicht? Wahrheit oder Fake? Reparieren oder wegschmeissen? Wo anfangen? Wo aufhören?

Alltäglich und politisch

Kann die Kunst weiterhelfen? Der Verein Kunsthalle[n] Toggenburg widmet sich mit der sechzehnten Ausgabe seines Ausstellungsformat namens arthur dem weiten Feld der Entscheidungen. Die nomadische Gruppe spannt diesmal zusammen mit dem Verein Ereignisse Propstei St. Peterzell. Fast zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstler, kuratiert von Ueli Alder, nähern sich dem Thema auf erwartungsgemäss sehr unterschiedliche Weise an.

Aramis Navarros Bank mit der Aufschrift THIS IS AN ARTWORK? PLEASE DON’T TOUCH IT.

Die Präsentation ist dicht, reicht von Objekten, Malerei, Zeichnung über Installationen bis hin zu Soundarbeiten. Sie beginnt vor dem Haus und führt bis in den Dachspitz hinein. Sie umfasst Neues, eigens Entwickeltes und Bestehendes und knüpft oft an Momente an, die kaum jemandem fremd sind, weil das Thema unseren Alltag prägt.

Anita Kuratle aus Basel beispielsweise stellt das Warten ins Zentrum ihrer Arbeit. Die aus Papier geschnittenen Korbstühle und die von Kritzeleien inspirierten Objekte rufen Situationen in Erinnerung, die jede und jeder kennt: Soll ich noch warten oder kommt er doch nicht mehr? Der Bus? Der Anruf? Der ersehnte Mensch?

Kleid von Ursula Anna Engeler, im Hintergrund das mit 3D-Technik bearbeitete Porträt des Flüchtlingshelfers Paul Grüninger von Domenic Lang.

Ursula Anna Engeler aus Romanshorn fokussiert auf Entscheidungen, deren Tragweite um den ganzen Globus reicht. Aus Etiketten in Bangladesh hergestellter Textilien hat sie ein Kleid zusammengenäht und spielt auf die Arbeitsbedingungen der Näherinnen ebenso an wie auf die Klimafolgen des ungezügelten Kleiderkonsums.

Wünschelruten, Wellenschläge

Der Liechtensteiner Martin Walch hat vielarmige Wünschelruten aus Christbaumspitzen geschnitzt und stellt damit die Schwierigkeit sich zu entscheiden in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Orientierung zu finden ist nicht immer und nicht für alle leicht, da geraten mitunter auch abwegige Entscheidungshilfen ins Visier.

Martin Walchs Wünschelruten.

In den Zeichnungen der Ausserrhoderin Harlis Schweizer Hadjidj spiegeln sich sehr anschaulich die künstlerischen Entscheidungen. Jeder Strich, jede Farbe, jede Fläche auf dem Format ist das Ergebnis einer bewussten Auswahl. Dabei testet die Künstlerin Grenzen aus, was notwendig ist, um ein Haus, einen Hügelzug oder eine Jahreszeit erkennbar machen zu können.

Propstei St.Peterzell, bis 25. September
Offen Mi und Sa 14-17 Uhr, So 10-17 Uhr
Kunsttalk: 3. September 15 Uhr und 11. September 11 Uhr

ereignisse-propstei.ch

Die Liechtensteinerin Barbara Geyer stellt in den Dachstock der Probstei ein stählernes Wasserbecken. Ein automatisch betriebener Arm erzeugt von Zeit zu Zeit Wellen und eine Lichtquelle sorgt für Reflexion der bewegten Oberfläche an der Dachschräge. Sie lassen sich nicht vorhersagen, sie entfalten ihre eigene Dynamik und Schönheit.

Die Künstlerin liefert damit ein schlüssiges Bild für die grosse Rolle des Zufalls inmitten aller Entscheidungsgewalt, oder wie es Wilhelm Busch auf den Punkt gebracht hat: «Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.»

Hans Jörg Geigers Vitrine mit Druckvorlagen die er über längere Zeiträume in einen Bach legte, damit sich die Oberfläche nach und nach abträgt.

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