Der 30jährigen gebürtigen Appenzellerin wird die mit 15000 Euro dotierte Auszeichnung am 11. Oktober im Rahmen der Erich-Fried-Tage im Literaturhaus Wien von Kulturminister Josef Ostermayer überreicht. Elmiger schrieb die Romane Einladung an die Waghalsigen (2010) und Schlafgänger (2014); während zweier Jahre erschien zudem monatlich in Saiten ihre Kolumne «Bureau Elmiger». Ihre 1.August-Rede «Land der Anwesenden» ist im Septemberheft nachgedruckt.
Hochpolitisch, ohne zu predigen
«Dorothee Elmiger gelingt es, die brennenden Zeitfragen in eine poetische Prosa umzusetzen, die einen in der literarischen Welt neuen, unerhörten Klang anschlägt», begründet der alleinverantwortliche Juror Reto Hänny seine Wahl. «Ihre Bücher sind hochpolitisch, aber sie predigen nicht, sondern eröffnen mit einem Sturm nie zuvor gesehener Bilder Räume und überschreiten Grenzen, ohne ihr Geheimnis zu verraten.» Mit ihrer «gewollt artifiziellen Sprache» lasse die Schriftstellerin «das vermeintlich Vertraute bis zur Kenntlichkeit geschärft fremd erscheinen», wobei sich ihre Bücher vor allem durch «den unverwechselbar eigenständigen Ton» auszeichnen. «Dorothee Elmigers Werke lassen sich nicht zusammenfassen. Man muss sie lesen.»
Die Autorin wuchs in Appenzell auf und studierte nach der Matura zunächst Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Zürich, bevor sie ans Literaturinstitut in Biel wechselte und ein Gastsemester in Leipzig absolvierte. Danach nahm sie ihr Studium der Politikwissenschaft in Berlin und Luzern wieder auf. Für ihre Arbeit wurde Elmiger bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aspekte-Literaturpreis (2010), dem Rauriser Literaturpreis (2011) und dem Schweizer Literaturpreis (2015).
Lob des Zweifels
Der Erich-Fried-Preis wird seit 1990 in Erinnerung an den 1921 geborenen und 1988 gestorbenen Lyriker und Übersetzer vergeben. Bisher wurden unter anderen Christoph Hein, Robert Schindel, Paul Nizon, Gert Jonke, Oskar Pastior, Robert Menasse, Marcel Beyer, Peter Waterhouse, Alois Hotschnig, Thomas Stangl, Rainer Merkel und zuletzt Judith Hermann ausgezeichnet. Die Erich-Fried-Tage in Wien (6.-11.10.) behandeln dieses Jahr unter dem Titel «Facts and Figures» die literarische Reportage.
Gute Gelegenheit, mal wieder Erich Fried zur Hand zu nehmen. Und zu beherzigen.
Zum Beispiel dies (aus Gegengift, 1974):
Angst und Zweifel
Zweifle nicht an dem der dir sagt er hat Angst
Aber hab Angst vor dem der dir sagt er kennt keinen Zweifel
Oder das (aus dem Band Die Freiheit, den Mund aufzumachen, 1972):
Befreiung von den grossen Vorbildern
Kein Geringerer als Leonardo da Vinci lehrt uns «Wer immer nur Autoritäten zitiert macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch doch nicht von seinem Verstand.»
Prägt euch das endlich ein: Mit Leonardo los von den Autoritäten!
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
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