, 18. Januar 2020
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Es braucht einen sicheren Ort

In St.Gallen ist seit einem Jahr die IG Sans-Papiers am Werk – Ziel ist der Aufbau einer Anlauf- und Beratungsstelle. Der Gastbeitrag aus unserem Januarheft von Laura Cutolo und Gianluca Cavelti von der IG Sans-Papiers St.Gallen.

Schätzungen zufolge leben rund 800 Sans-Papiers im Kanton St.Gallen und weitere 2000 im Raum Ostschweiz; die Dunkelziffer kann jedoch weit höher beziffert werden. Ausgehend von der unbefriedigenden Situation, dass in der gesamten Region keine Anlauf- und Beratungsstelle für Sans-Papiers existiert, wurde der gemeinnützige Verein «Interessensgemeinschaft Sans-Papiers St.Gallen» gegründet. Der Verein vertritt die Haltung, dass kein Mensch strukturell ausgegrenzt werden soll und der Zugang zu elementaren Grundrechten nicht von einem illegalisierten Aufenthaltsstatus abhängig gemacht werden darf.

Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir Informationen zur Thematik recherchiert, uns mit Akteurinnen und Akteurinnen im Raum Ostschweiz vernetzt und mit Anlauf- und Beratungsstellen für Sans-Papiers in anderen Schweizer Städten ausgetauscht. Dieser Austausch zeigte, dass es nicht möglich sein wird, alle Informationen vorab aufzuarbeiten, sondern viele Handhabungen des Kantons und Problemstellungen erst in der konkreten Beratungspraxis deutlich werden. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, im Verlauf des nächsten Jahres für eine einjährige Pilotphase eine Anlauf- und Beratungsstelle für Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus in der Ostschweiz zu schaffen.

Die Anlauf- und Beratungsstelle soll sich dafür einsetzen, dass Menschen unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihre elementaren Grundrechte – Bildung, Gesundheit, rechtliches Gehör, Schutz vor Ausbeutung und soziale Sicherheit – wahrnehmen können. Die Adressatinnen und Adressaten werden über ihre Rechte informiert und unter anderem beim Abschluss einer Grundversicherung bei der Krankenkasse, bei der Einschulung von Kindern, beim Zugang zu medizinischer Grundversorgung oder bei der Regularisierung des Aufenthaltsstatus unterstützt. Mit der Anlauf- und Beratungsstelle soll ein sicherer Raum für einen Austausch der Sans-Papiers geschaffen werden, zudem wird die Sensibilisierung des Staates und der Öffentlichkeit angestrebt.

Um im Verlauf des nächsten Jahres eine Anlauf- und Beratungsstelle zu schaffen, sind wir auf finanzielle Ressourcen angewiesen, beispielsweise für Personal- wie auch Raumkosten. Ein Spannungsfeld. Denn einerseits ist es für uns klar, dass ein solches Pilotprojekt nicht mehr nur als ehrenamtliche Tätigkeit durchgeführt werden kann, andererseits ist es uns ein Anliegen, ideell unabhängig zu bleiben. Daher werden derzeit verschiedene Möglichkeiten für Kooperationen mit potenziellen Geldgeberinnen und Geldgebern in Betracht gezogen. Die einjährige Pilotphase soll von einer Evaluation begleitet werden, um das Angebot gegebenenfalls anzupassen.

Unser Ziel ist es, eine nachhaltige Anlauf- und Beratungsstelle im Raum Ostschweiz zu etablieren. Sie soll ein sicherer Ort für Sans-Papiers werden. Zurzeit beschäftigen wir uns auch mit Fragen der idealen Lage und Umgebung eines Raumes. Die Adressatinnen und Adressaten müssen sich sicher fühlen und nicht Gefahr laufen, im Umfeld der Beratungsstelle durch die Polizei kontrolliert zu werden. Um dies zu ermöglichen, sind wir natürlich auf gewisse Kooperationen seitens der behördlichen Stellen angewiesen. Ausserdem stehen wir im Kontakt mit verschiedenen Institutionen im Raum St.Gallen, um Informationen auszutauschen und eine allfällige Triage bewirken zu können. Des Weiteren sind Veranstaltungen geplant, um Öffentlichkeit für die häufig prekären Lebenssituationen von Sans- Papiers zu schaffen.

Wer Interesse an der Idee des Vereins hat, kann diesen durch eine Mitgliedschaft ideell wie materiell unterstützen. Weitere Informationen zum Projekt können auf unserer Homepage eingeholt werden. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich für den Newsletter anzumelden.

igsanspapierssg.ch

Ein Interview mit Gianluca Cavelti und Matthias Rickli von der IG Sans- Papiers erschien im Septemberheft 2019 von Saiten und online.

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