Kategorie
Autor:innen
Jahr

Es ist eben nicht «nur» BandX

Am Samstag holte sich der Appenzeller Singer-Songwriter Marius den verdienten Sieg am BandXOst. Wer gewinnt ist aber eh zweitrangig – die Schönheit des BandX liegt darin, wie es die einzelnen Szenen verbindet. von Neil Werndli
Von  Gastbeitrag
Der BandXOst-Gewinner 2015: Marius (Bilder: pd, Noemi Müller)

Man vergisst schnell, wie schwierig es für junge Bands ist, überhaupt an einen ersten Gig zu kommen. Der Schritt aus dem Proberaum erfordert Mut, aber vor allem auch Kontakte zu Leuten, die unerfahrene Musiker überhaupt spielen lassen. Für diese Newcomer ist das BandXOst die perfekte Plattform. Zum zehnten Mal wurde am Samstag in der Grabenhalle der vielversprechendste junge Act der Ostschweiz gekürt.

Soul wie ein Whisky trinkender Nicht-Newcomer

Um gleich zum Punkt zu kommen: Das Rennen machte der Appenzeller Singer-Songwriter Marius. Dabei war sein Auftritt fast unscheinbar: Als erster startete er am Samstagabend ins Finale, war sogar selber überrascht, wie gut die Grabenhalle bereits gefüllt war. «Ich dachte, ich muss vor einem leeren Haus spielen», sagt der Sänger, der rein äusserlich etwas an Marcus Mumford erinnert.

Die Stimme geht aber weit über das Mumford’sche Gejammer hinaus: Marius klingt so überhaupt nicht nach einem Newcomer – in seiner Stimme steckt so viel Soul, dass man ihm mindestens ein halbes Jahrhundert massiven Whiskykonsum attestieren würde. Und das Setup lässt seinem Organ auch reichlich Platz: Typisch Strassenmusiker, steht Marius alleine auf der Bühne, und auch wenn sich die einsame Gitarre zeitweise verstimmt, erntet er tosenden Applaus für den sonst sehr ruhigen Gig. Die Schweissperlen werden belohnt mit dem ersten Platz und somit einer EP-Produktion.

Allein auf der Bühne: Marius

Die beste Show des Abends lieferten ironischerweise aber Elio Ricca. Das Garage-Duo holte sich vergangenes Jahr den Sieg und durfte am Samstag, während sich die Jury zur Beratung zurückzog, ausser Konkurrenz noch einmal rumrotzen. Dass sie dabei alle anderen Acts des Abends unter den Tisch spielten, zeigt nicht zuletzt, dass sich die Förderung von Seiten des BandX gelohnt hat.

Choreographien und kaputte Gitarren

Nicht alle Kandidaten konnten dieses Niveau jedoch halten: Die beiden Rap-Crews Most Definite und Giganto & Mattiu wirkten zwischen den Indie- und Rockbands wie eine Alibi-Übung, um den Sprechgesang nicht ganz auszuschliessen.

Most Definite bauen Jazz-Elemente in ihre Beats ein, was Spass macht, spätestens beim fünften «I say ‹Band›, you say ‹X› – Band – X – Band – X» kippt die Performance jedoch ins Klischee. Da hilft auch die gut gemeinte Tanzeinlage nicht mehr. «Put your hands up in the air»? Nein danke. Lieber nochmals an die Bar, um nicht mitbouncen zu müssen. Aber die Fans – die Sorte Teenager, die man sonst selten in einer Grabenhalle sieht – feiern das Duo.

most definite

You say: Most, we say: Definite!

Einen schmerzhaften Auftritt erlebten Karluk. Der Metal-Band machten technische Probleme einen Strich durch die Rechnung: Die Gitarre verstummt plötzlich und keiner weiss wieso. Dem Sänger ist der Frust anzusehen, als er seine Klampfe über dem Kopf schwingt, kurz darüber nachdenkt, sie zu zertrümmern, dann aber doch vernünftig bleibt.

Schade eigentlich. Mit etwas Zerstörungswut wäre die Band vielleicht noch stärker in Erinnerung geblieben. So war es eine verpasste Chance: «Schlechtester Gig ever – check», sagt der Sänger nach der Show bedrückt. Musikalisch hätten Karluk zum vorderen Drittel gehört.

karluk

Karluk, als die Gitarren noch funktionierten

Musik als verbindendes Element

Andere machten sich vor allem dank der Publikumsinteraktion einen Namen. Als Red Eyes die Bühne betreten, tut sich plötzlich ein riesiges Moshpit in der Grabenhalle auf, und all die Kids mit Lederjacken und Nietengürteln, die den ganzen Abend rumgestanden hatten wie bestellt und nicht abgeholt, drehen plötzlich komplett durch. Die Metal-Szene funktioniert eben unabhängig: Red Eyes hatten wohl eine ganze Horde Fans selbst mitgebracht. Alle anderen versuchten verzweifelt, ihr Bier vor dem Geschubse zu retten.

Genau darum geht es doch beim BandX: Künstler und Fans aus den verschiedensten kulturellen Ecken kommen zusammen, um das zu feiern, was sie alle verbindet: die Liebe zur Musik. Vor der proppenvollen Halle ist alles kunterbunt: Da stehen die Hipster-Kids mit engen Jeans und Club-Mate direkt neben den beiden Punks, die gerade über die jeweiligen Vorzüge von Blut- und Fleischpenis diskutieren, während irgendwo dazwischen die Hip-Hopper Joints drehen.

red_eyes

Auf dem dritten Platz: Red Eyes

delirious mob

Platz zwei: Delirious Mob

marius

Ganz oben: Marius

Auch auf dem Siegertreppchen herrscht Vielfalt: Den brachialen Sound von Red Eyes belohnt das BandXOst mit dem dritten Platz. Das gleiche Resultat hatten die Headbanger bereits letztes Jahr erreicht. Warum man sie nochmals aufs Podest stellt, statt eine neue Band zu pushen? Okay…, aber dann hätten auch Elio Ricca nochmals gewinnen sollen.

Fluch und Segen des BandX-Stempels

Der eigentliche Sieger ist letzten Endes aber unwichtig. Die Delirious Mob Crew, die mit ihrem eigenwilligen Gesang auf dem zweiten Platz gelandet ist, hätte ebenso gewinnen können. Oder Kaufmann: Abgesehen davon, dass der Sänger aussieht wie Harry Styles, klang Mundart selten so schön wie im mehrstimmigen Gesang der Bündner. Immerhin bekommen sie so aber nicht den Stempel «Ach, das sind doch diese BandX-Typen» aufgedrückt.

Ganz ernst genommen wird der Contest nämlich immer noch nicht. Klar, man kann ganz grundsätzlich fragen, ob es Sinn macht, Musik zu vergleichen, aber das ist eine andere Diskussion.

Eigentlich ist es doch traurig, eine mittelmässige Performance mit den Worten «ist doch nur BandX» zu rechtfertigen. Auch der Nachwuchs hat es verdient, ernstgenommen zu werden. Schliesslich hat so gut wie jeder Ostschweizer Musiker in seinen Zwanzigern irgendwann mal am BandX teilgenommen. Und dass daraus wertvolle Exporte hervorgehen können, bewiesen vergangenes Jahr Elio Ricca, ebenso wie zuvor bereits Dachs oder Royal Riot. Und Marius wird es hoffentlich auch allen zeigen.

 

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – Form­star­ke Wal­li­ser zu Gast

War der Aus­wärts­sieg in Genf das En­de der Mi­ni-Baisse? Ge­gen den FC Si­on will der FC St.Gal­len wei­te­re drei Punk­te ein­fah­ren. Ob das ge­lingt? Die Ant­wort gib­t's ab 18 Uhr live im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky