Kategorie
Autor:innen
Jahr

Etwas zwischen Probenraum und KKL

Das Klanghaus Toggenburg ist auf dem Weg. Bisher wurde im Hintergrund gearbeitet, jetzt gehen die Promotoren an die Öffentlichkeit und werben für das 28-Millionen-Projekt. Informationen von  Michael Hug.

Von  Gastbeitrag

Was lange währt, währt noch ein Weilchen, bis es gut wird. Von der Idee im Kopf von Peter Roth bis heute sind gute zehn Jahre vergangen, und vom Klanghaus am Schwendisee oberhalb Wildhaus existiert – immerhin schon ein Modell, aus Balsaholz und Karton, dazu Pläne. Unlängst hat sich jetzt eine IG gegründet, die sich für die Realisierung einsetzt: für einen Klangtempel, der dereinst Musik- und Gesangsgruppen, Chören und Orchestern aussergewöhnliche Arbeits- und Forschungsräume bieten soll. An der Stelle des heutigen «Seegüetli» soll ein Raum entstehen, der Klangerfahrungen in all ihren akustischen, körperlichen, wissenschaftlichen und auch spirituellen Ausprägungen ermöglicht.klanghaus3

Der Bau des Zürcher Architekturbüros Meili und Peter, Resultat eines Thesenwettbewerbs, kostet 28 Millionen Franken, zur Hälfte für das Gebäude und für die technische Ausrüstung und die Umgebung. Innen- wie Aussengestaltung stellen Architekt wie Bauherrschaft (der Kanton St.Gallen mit der Stiftung Klanghaus Toggenburg) vor grosse Herausforderungen. Innen soll das Haus dem Klang gerecht werden – das erfordert Technik, Akustik, Flexibilität und Funktionalität in Perfektion. Aussen muss das Haus den Ansprüchen des Orts und seiner Bewohner, der Natur- und Heimatschutzverbände und des Tourismus gerecht werden.

Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus und Promotor des Projekts, sagt: «Es wird etwas zwischen Probenraum und KKL Luzern.» Das Klanghaus soll möglichst vielen Menschen zugänglich sein, anderseits, so Züllig, darf es unter keinen Umständen zu einer Kathedrale des Massentourismus werden. 40 000 Touristen besuchen jedes Jahr bereits den Klangweg mitseinen tönenden Installationen, aber das Klanghaus am ökologsisch sensiblen Schwendisee sollen sie möglichst nur von aussen sehen. Eine Weiche dazu wurde bereits gestellt: Das Klanghaus erhält kein Hotel, kein Massen-Restaurant und keine öffentlichen Parkplätze. «Zum Klanghaus wird man nicht mit dem Auto hinfahren können», sagt Züllig, «wir haben 3 000 Parkplätze im Tal.»

klanghaus_saiten_2

Die Kultur-Leuchttürme des Kantons sind geografisch auffällig gleichmässig verteilt: Lokremise St.Gallen, Zeughaus Rapperswil und Schloss Werdenberg. Das Klanghaus, der vierte Turm im magischen Geviert, durchläuft zurzeit die Projektphase. Es soll bis Ende 2014 ins Kantonsparlament kommen und 2015 vors Volk. Wenn er dann bestenfalls im Jahr 2017 steht, sollen auch Private finanziell dazu beigetragen haben. Fünf Millionen wolle er von Mäzenen auftreiben, sagt Regierungsrat und Stiftungspräsident Martin Klöti. Hinzu kommen Betriebskosten von 450 000 Franken pro Jahr. Dazu Züllig: «Dies sollte man als Impuls zur Wertschöpfung in dieser Region sehen.» Ein Impuls, der zu 40 Prozent aus dem Lotteriefonds kommen wird und zu 60 Prozent aus dem Staatshaushalt. Über beide wacht der Kantonsrat, der eben erst im Juni entschieden hat, der Klangwelt Toggenburg den Staatsbeitrag um 60 000 Franken zu kürzen.

Klangwelt Toggenburg ist jene Organisation, die seit zehn Jahren im «Seegüetli» Kurse in Klang- und Stimmerfahrung anbietet, die Klangschmiede und den Klangweg betreibt und dereinst das Klanghaus mit Inhalten füllen möchte. Auch hier wieder die magische Vier: Klangwelt, Klangweg, Klangschmiede und Klanghaus. So hatte es Peter Roth, der einstige Primarlehrer aus St.Gallen, der im Obertoggenburg heimisch und hier zum schweizbekannten Komponisten geworden ist, im Jahr 2002 der Öffentlichkeit vorgeträumt. Der Traum könnte jetzt, mit gemeinsamer Kraft aus der Region und aus dem manchmal etwas fernen St.Gallen, wahr werden. Daran will die IG Klanghaus Toggenburg arbeiten, denn: «Wenn wir es nicht bauen, bauen es andere», sagt Rolf Züllig.

Visualisierungen: Meili, Peter Architekten Zürich.
Mehr Informationen: klanghaustoggenburg.ch

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night