, 24. April 2015
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Expo 2027: 9.5 Millionen Franken für die Startphase

Vorerst machen sich nur drei Ostschweizer Kantone für eine Expo 2027 am Bodensee stark: St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden. Das Triumvirat will für die Startphase 9.5 Millionen Franken locker machen.

 

Die Kantonsparlamente sollen 8.8 Millionen Franken bewilligen und staatsnahe Unternehmen, wie Kantonalbanken, 0.7 Millionen Franken. Die St.Galler Regierung beantragt 5 Millionen Franken, die Thurgauer Regierung 3 Millionen Franken und die Regierung von Appenzell Ausserrhoden 0.8 Millionen Franken. Das wurde am Freitag an einer Medienkonferenz in St.Gallen angekündigt.

Obligatorische Volksabstimmungen sind in keinem der drei Trägerkantone nötig. In St.Gallen und im Thurgau unterliegen entsprechende Parlamentsbeschlüsse dem fakultativen Referendum und im Ausserrhodischen ist der Kantonsrat abschliessend zuständig. Der Bundesrat hat sich gegenüber den Ostschweizer Plänen für eine Landesausstellung bereits wohlwollend geäussert.

Grobkonzept 2015 – Bewerbung 2018

Vorausgesetzt die Kantonsparlamente stimmen den Kreditvorlagen zu, soll noch in diesem Herbst ein Grobkonzept für die Expo 2027 vorliegen, das in den kommenden drei Jahren weiter bearbeitet und dann 2018 dem Bundesrat als «fundierte Bewerbung» für die Durchführung der nächsten Landesausstellung im Raum Ostschweiz-Bodensee eingereicht wird.

Die Präsidentin des politischen Steuerungsausschusses, die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag, erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr der Konzeptwettbewerb gestartet worden ist, an dem sich aktuell zehn Teams für die Ausarbeitung des Grobkonzeptes beteiligen. Darin enthalten sein werden Vorschläge zu Stand- und Spielorten, zu Inhalten, zu atmosphärischen Qualitäten und zu wesentlichen Logistikelementen sowie zu den Nachnutzungspotenzialen. Aus diesen Arbeiten resultiert das Siegerprojekt. «Konkrete Ausführungspläne werden wir dann zwar noch keine haben, dafür erste vielversprechende Konzepte», so Haag.

Geschäftsstelle für Expo 2027 geplant

«Die Arbeiten beinhalten insbesondere auch eine vertiefte Abklärung der Machbarkeit des Siegerkonzeptes», sagte der St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth. Und Landammann Marianne Koller-Bohl aus Ausserrhoden merkte an, dass die Fülle der anstehenden Aufgaben nach einer weiteren Professionalisierung der Organisationsstruktur und damit deutlich mehr Ressourcen verlange.

Geplant sei die Einrichtung einer «Geschäftsstelle Expo 2027». Diese soll mit einem Gesamtprojektleiter, einem Projektmanager, einem Raumplaner respektive Architekten, einem Finanzverantwortlichen sowie mit Personal für Administration und Kommunikation besetzt werden. Dafür seien Mittel von rund 3.7 Millionen Franken inklusive Infrastruktur- und Betriebskosten vorgesehen, sagte Koller-Bohl.

Aus Fehlern der Expo.02 lernen

Werden die negativen Erfahrungen mit der Expo.02 und die Lehren daraus in die Planung der Expo 2027 einbezogen? Die Präsidentin des Steuerungsausschusses sagte, dass man sich damit sehr intensiv auseinandersetzen wolle. Dabei seien vor allem die Fragen wichtig: Was ist bei der Expo.02 falsch gelaufen und was muss künftig besser gemacht werden. Diesbezüglich stehe man bereits mit dem Bund und dem Seco in Kontakt, sagte Haag.

Die Expo.02 hat die Kosten massiv überschritten. Und schon vor dem Start der Landesausstellung in der Region des Drei-Seen-Landes kam es zur Führungskrise, die nur mittels einer Katastrophenübung bewältigt werden konnte. In punkto Nachhaltigkeit ist praktisch nichts geblieben. Zehn Jahre nach der Expo.02 hiess es in einer Bilanz: «Manche forderten 2002 eine Landesausstellung, die eine Bewegung auslösen sollte wie den Landi-Geist von 1939. Doch die Expo.02 hat definitiv klargemacht, dass es eine solche einigende, nationale Erzählung nicht mehr gibt. Wenn es eine Botschaft der Expo.02 gibt, dann die, dass die Schweiz heterogener, widersprüchlicher und irgendwie verlorener geworden ist – aber auch lockerer.»

Landesausstellungen an der Nachhaltigkeit messen

Haag sagte: «Die Nachhaltigkeit hat für uns zentrale Bederutung. Daran müssen sich Landesausstellungs-Projekte messen lassen.» Die Präsidentin des Steuerungsausschusses versprach zudem, dass man sich ans vorgegebene Budget unbedingt halten wolle. «Wir werden die gleichen Fehler nicht nochmals machen.»

Es fällt auf, dass vor allem der Kanton St.Gallen die treibende Kraft hinter den Landesausstellungs-Plänen ist. Das hat Tradition, weil sich der bedeutendste Ostschweizer Kanton durch Bundesbern immer ein bisschen unter seinem Wert gehandelt wähnt. Aus diesem Grund schlug St.Gallen schon 1993 anlässlich der 30. Plenartagung der Ostschweizer Kantone eine Initiative für die Einrichtung einer «Konferenz der Kantone» vor. In diesem Gremium sollten alle Kantone der Schweiz einheitliche Stellungnahmen zu Vorhaben des Bundes erarbeiten.

Schliesslich zur Lachnummer wurde St.Gallen aber 1997 als die Regierung dem Kantonsparlament die Einrichtung einer «ständigen Vertretung» in Bern beantragte, mit der Begründung: «Verschiedene Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass die Effizienz bei der Durchsetzung st.gallischer Interessen auf der Bundesebene nicht dem Gewicht entspricht, das dem Kanton St.Gallen aufgrund seiner Grösse, Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft zukommen müsste.»

Heute gibt es weder die «Konferenz der Kantone» noch die «Ambassade Saint-Gall» in Bern. Aber vielleicht stösst (durch entsprechende St.Galler Bemühungen) doch noch Appenzell Innerrhoden zu den Trägerkantonen der Expo 2027. Bis jetzt hat sich der kleine Kanton inmitten des Expo-Landes verweigert. Für den St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth ist aber ein Umdenken am Säntisfuss nicht auszuschliessen.

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