, 8. Januar 2013
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Faites vos jeux!

Bitte Platz nehmen zur nächsten Runde! Das Amtskarussell dreht sich, die Jahrmarktsmusik dudelt – wer fährt noch einmal mit? Die zweite Chance ruft. Für den Kulturraum des Kantons St.Gallen ist sie längst gekommen. In den 1970er Jahren wurde der Saal durch Ernst Brantschen im klassizistischen Zeughaus Felix Wilhelm Kublys als Ausstellungsraum erstellt. Wand- und Deckengestaltung, […]

Bitte Platz nehmen zur nächsten Runde! Das Amtskarussell dreht sich, die Jahrmarktsmusik dudelt – wer fährt noch einmal mit? Die zweite Chance ruft. Für den Kulturraum des Kantons St.Gallen ist sie längst gekommen. In den 1970er Jahren wurde der Saal durch Ernst Brantschen im klassizistischen Zeughaus Felix Wilhelm Kublys als Ausstellungsraum erstellt. Wand- und Deckengestaltung, Boden und Entree sind eine Gesamtkomposition, die es in sich hat. Man sieht ihr das Alter an, doch sie entfaltet nach wie vor ihre Kraft. Im besten Fall wirkt sie markant – eine Herausforderung ist sie immer. Seit dem vergangenen Jahr bespielt das Amt für Kultur des Kantons diesen Raum nun mit Gegenwartskunst. Aktuell präsentiert Anita Zimmermann (*1956) dort das «Amtskarussell» und verhilft nicht nur dem Raum zu einem grossen Auftritt. Sein dunkel gebeizter, glanzlackierter Boden erstrahlt im Licht dutzender Kristallleuchter. Sie wiederum beleuchten einen seltsamen Bilderschatz: Gemälde, Drucke, Zeichnungen, typologisch geordnet, meist in altmodischen Rahmen. Sie liegen horizontal auf Putzschwämmchen ausgelegt wie Inseln im Fluss.

Die Bilder gehören zur kantonalen Kunstsammlung. Ihre Gemeinsamkeit: Seit Jahrzehnten verstauben sie im Depot, auch sie warteten auf ihre zweite Chance. Anita Zimmermann hat die Werke in vielen Arbeitsstunden gereinigt, gruppiert, ins Licht geholt – auf dass ihnen der Perspektivwechsel ein neues Existenzrecht verleihe; Hund neben General, Matterhorn neben Auenlandschaft, Kürbisse neben Blumenstilleben. Aussortiert und doch von erstaunlicher Präsenz unter dieser Regie der St.Galler Künstlerin. In der Rolle der Karussellfrau preist sie die (Kunst) Attraktionen höchstpersönlich an. Wer Platz im rotierenden Bürosessel nimmt, wird von einer lila Schönheit umkreist, gesprayt auf grosse Formate. Die Farbe, die Technik, die Ausstrahlung – alles fällt bewusst etwas aus der Zeit und behauptet sich doch. Anita Zimmermann (*1956) ist eine Spezialistin für das Potential des Ausrangierten.

Bis Sonntag, 3. Februar 2013 im Kulturraum am Klosterplatz.

Im Januar-«Saiten» schreibt Gabriela Falkner über die Kantonale Kunstsammlung und fragt: Was tun, wenn die Keller voll mit Werken sind, die niemand sehen will. 

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