, 17. Mai 2014
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Familienfeier nach isländischer Art

Glückliches Island: Am 18. Mai besucht das Elektropop-Kollektiv FM Belfast die Grabenhalle. Von David Nägeli.

Die Geschichte von FM Belfast beginnt im Winter 2005 in Reykjavík. Árni Hlöðversson und Lóa Hjálmtýsdóttir nehmen als Duo zu Weihnachten ein Cover des Dance-Klassikers Pump Up The Jam von Technotronik auf und senden es als Geschenk an ihre Freunde. Das Cover findet Anklang und die Freunde überreden das Duo zum Weitermusizieren. Heute sind FM Belfast mit ihrem dritten Album auf Tour. Dank ihren Freunden – und dank der kleinen Musikszene von Reykjavík.

Knalliges Kollektiv

FM Belfast ist in erster Linie ein Kollektiv. Eine Bande von Freunden, die sich glücklichem, tanzbarem Elektro-Pop verschrieben haben. Ihr jüngstes Werk hört auf den Titel Brighter Days. Der Name ist Programm: Die zehn Songs klingen fröhlich, farbig und verspielt.

Die Band bedient sich einer breiten musikalischen Palette: Von Trompeten-Melodien und akustischen Drums (We Are Faster Than You) bis zu Chiptune-Sounds (Ariel) und Europop-Synthesizern (Brighter Days / Everything). Darüber hört man oft mehrstimmigen Gesang mit klassischen Pop-Melodien – nichts, was überraschen würde. FM Belfast wollen das auch nicht. Ihre Musik soll gute Laune machen. Nicht weniger und nicht mehr.

Ballastfreier Elektropop

Gute Laune macht FM Belfast vor allem an Konzerten. Die Musiker springen stetig umher und animieren zum mitsingen, mithüpfen und mitgrinsen. Viele, die die Band live gesehen haben, schwärmen vom kollektiven Schwitzen vor der Bühne.

FM Belfast macht dies dem Publikum bewusst einfach: Die Melodien (er-)kennt man nach dem ersten Hören und die Texte erliegen kaum der Versuchung, in die Tiefe zu gehen. Ein Beispiel: «Release and let go / Slow down, feel the flow» (Gold). Oder: «Hard days will come and go / Hard days will follow you to the end / Before you run, you should know / Some things don’t change on their own / Now we’ll go» (Everything). Das Erlösungsmantra für die «hard days»: «Enter your mind / Right now / Right here».

Gedanken an diese «hard days» sollen beim FM Belfast-Konzert vor der Tür  bleiben: «Für uns ist ‚Sunday Bloody Sunday‘ (U2) nur ein guter Pop-Song», sagt Kollektivmitglied Árni Vilhjálmsson der isländischen Zeitung The Reykjavík Grapevine. Die Band covert zwar einen modernen Klassiker unter Protestliedern (Killing In The Name von Rage Against The Machine) – doch Aggression kommt da keine auf: FM Belfast will Party und Tanz, statt Politik und Tristesse.

Kleine Szene..

Der Erfolg von FM Belfast begann mit dem Auftritt am Iceland Airwaves Festival 2006. Nach dem Technotronik-Cover überredete sie die Musikszene von Reykjavík zu einem Auftritt am weltweit beachteten Showcase der isländischen Musikszene. Das damalige Duo holte mit Árni Vilhjálmsson einen alten Freund mit an Bord und arbeitete bis zum Festival stetig an neuen Songs. Der Hype um Acts von der kleinen Insel sorgte für den Rest.

Die Geschichte von FM Belfast ist typisch für die isländische Musikszene: Die Kulturschaffenden kennen sich – erst recht in der Metropolregion Reykjavík mit rund 200’000 Bewohnern. Dass ein isländischer Musiker am Airwaves Festival gleich mit drei oder vier verschiedenen Bands ein Konzert spielt, ist keine Rarität. Und man unterstützt sich gegenseitig: Die dienstälteste Band múm ist nicht nur eine musikalische Inspiration – sie hilft den Jungen auch bei Platten-Deals oder Promotion. Einen guten Einblick in die Szene von Reykjavík um múm, Retro Stefson, Borko und FM Belfast liefert der Dokumentarfilm Backyard – auch ein Projekt von FM Belfast-Gründer Árni Hlöðversson.

..in grosser Welt

Die Bands greifen sich jedoch nicht nur in Island, sondern auch auf Tour unter die Arme: Je nach Abend stehen bei FM Belfast zwischen drei und acht Menschen auf der Bühne – Freunde der Band aus anderen Formationen wie múm, Retro Stefson oder Borko.

Wer am Sonntag die Grabenhalle bespielen wird, lässt sich also nicht vorhersagen. Was für den Abend aber bereits feststeht: Eine bunt gemischte Gruppe Isländer steht auf der Bühne und probiert mit knalligem, Endorphin-geladenem Elektropop das Publikum in eine Familie zu verwandeln.

FM Belfast treten am 18. Mai in der Grabenhalle auf.

 

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