, 28. August 2016
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Der FCSG schlägt Luzern mit 3:0

Der FC St.Gallen zeigt eine Leistung, die man so nicht für möglich gehalten hätte. Buess, Aratore und Chabbi treffen für die in allen Belangen überlegenen St.Galler. Das Spiel zum Nachlesen im Senf-Ticker.

FCSG – Luzern 3:0

15 Uhr 39 – Das Stadion feiert die Mannschaft. Dank der bisher klar besten Saisonleistung nehmen die Grün-Weissen die Gegner aus der Innerschweiz förmlich auseinander. Wir suchen uns jetzt eine Eistonne. Nächstes Wochenende ist Länderspielpause. Um die Zeit zu überbrücken, bietet sich ein Besuch der Fussballlichtspiele St.Gallen an. Hier rechts auf den Banner klicken. Und wenn ihr uns im Stadion gelesen habt: Rund ums Stadion gibts den neuen SENF zu kaufen.

Minute 93 – 3:0 für die Espen! Aratore zieht nahe der Eckfahne bei einem Freistoss einfach ab. Zibung kann den Ball nur abprallen lassen, worauf Chabbi abstaubt. Die Luzerner wirken teilnahmslos bei diesem Gegentor, stellten keine Mauer und hatten sich scheinbar mit dem Unabwendbaren bereits abgefunden. Umso schöner die geistige Präsenz, die wir den St.Gallern auch nach 93 kräfteraubenden Minuten attestieren können.

Minute 90 – Schneuwly will Lopar am Auskick hindern. Er tänzelt vor ihm rum, irritiert ihn, behindert Lopar schliesslich tatsächlich. Schiri Schnyder pfeift und zeigt gelb. Schneuwly wills nicht verstehen.

Minute 89 – Buess wird ausgewechselt und darf sich über die stehenden Ovationen freuen. Chabbi ersetzt ihn in den verbleibenden Minuten.

Minute 87 – Die Luzerner schiessen ein Tor. Dieses wird aber aberkannt. Und irgendwo singt Jack Stoiker: Du stohsch Abseits, du Wixer“

Minute  82 – Tafer geht und wird mit Applaus verabschiedet. Für ihn kommt der defensive Wittwer.

Minute 80 – Der Unparteiische Schnyder Urs weiss weiterhin zu gefallen. Selten unterbricht er die Partie, der Spielfluss ist teilweise mitreissend. Dereinst werden wir Schnyder in der Premier League sehen. Referee McCutter würde eine grossartige Arbeit abliefern.

Minute 78 – Inmitten der zahlreichen gelösten Seufzer mischt sich der kräftige Ausruf eines Glace-Verkäufers, der sich lautstark nach Interessenten erkundigt. Die Resonanz ist überschaubar. Einzig ein Journalisten-Kollege ruft fragend zurück: „Bier?“ Habe er leider nicht, gibt der Verkäufer zu verstehen, lächelt und schreitet weiter.

Minute 76 – Der Wegbereiter für den Führungstreffer geht. Wiss weicht für Mutsch, der Hefti rechts hinten ersetzt. Der junge Hefti übernimmt dafür die Position von Wiss in der Innenverteidigung.

Minute 71 – 2:0 für Grün-Weiss! Aratore schliesst einen bemerkenswerten Angriff ab. Die eigentlich einzige Spitze Buess holt sich tief in der eigenen Hälfte den Ball und lanciert Schulz auf links, der einige Meter geht und darauf im Zentrum Aratore bedient. Ein schöner Angriff, der mit sehr viel Tempo, Präzision und clevereren Positionswechsel vorgetragen wurde.

Minute 70 – 10’809 Zuschauer haben sich heute in den Ofen Stadion aufgemacht. Der Rest liegt wohl in der Badi.

Minute 68 – Auch in Halbzeit zwei gibts eine zusätzliche Trinkpause. Wenn wir Trainer wären, wir hätten ein Kinderbad neben die Seitenlinie gestellt. Oder eine Eistonne.

Minute 67 – Im Augenblick der naiven Euphorie wollen wir besonders das zentrale Mittelfeld um Gaudino und Toko lobend erwähnen. Toko stopf Löcher und lässt das Luzerner Mittelfeld kaum Druck aufbauen. Gaudino verteilt derweil Bälle. Und er tut dies nicht nur mit einer bestechenden, fast ästhetischen Eleganz, sondern auch mit einer bemerkenswerten Effizienz. Kaum Fehlpässe, jedes Zuspiel scheint fein kalkuliert.

Minute 63 – Plötzlich scheint sich die ganze der Wärme geschuldete Lethargie in einem finalen Moment zu entladen. Alain Wiss schraubt sich im Kopfballduell gegen Schneuwly hoch und gewinnt dieses auf wenige Sekundenbruchteile konzentrierte Ringen für sich. Die Kugel springt von Wiss‘ Kopf zu Buess, der im Laufduell gegen Ricardo Costa siegt und dann Zibung eiskalt bezwingt. Ein Eiskalt, das selten so gut tat. Und vor allem verdient ist.

Minute 59 – „Wenn du solche Chancen nicht nutzt, kriegst du sie hinten.“, sagen wir wohlwollend dem abgemagerten Phrasenschwein neben uns, das sich mal wieder über ein bisschen Nahrung freuen darf. Wir geben einen Fünfliber, worauf das Schweinchen zufrieden zu schnurren beginnt.

Minute 56 – Der Innerschweizer Beckham Neumayr läuft aus aussichtsreicher Freistossposition an. Spannung erfüllt das Rund, es knistert förmlich. Der tätowierte Hobby-Star ist aber nicht David Beckham, sondern Spieler des FC Luzern. Darum: vorbei. Kick it like Neumayr.

Minute 54 – Grosschance für Aleksic. Er kann alleine auf Zibung losstürmen, scheitert aber an ebendiesem. Vorausgegangen war dem Konter ein Ballverlust der Luzerner. 9 von 10 Schiedsrichtern hätten da wohl Foul am Luzerner gepfiffen. Schiri Schnyder ist aber von der Sorte, die viel laufen lässt. Schön so.

Minute 52 – Ich, R.S. nippe am Bier. Kollege R.S. nennt das „mutig“. Was am Überlebensdrang mutig sein soll, ist mir schleierhaft. Und zur Info: R.S. ist nicht schizophren, sondern beide Tickerer heissen so. In der Kommentarspalte darf die Bier-Diskussion gerne geführt werden. Falls R.S. Recht hat, bitte „R.S. hat Recht“ schreiben. Falls aber R.S. Recht haben sollte, bitte „R.S. hat Recht“ schreiben.

Minute 49 – Exklusiver Einblick in die Arbeit des Senf: In der ersten Halbzeit mussten wir uns eine kleine Kabine basteln. Inzwischen haben wir etwas Schatten aus China eingekauft.

senf

Minute 46 – Das Spiel läuft wieder. Und die Sonne ist weg. Eine Art Nahtoderfahrung, die wir im ersten Durchgang durchlebten. Ich habe mir nun vorgenommen, das Leben mehr zu schätzen.

Pause – Derweil erreicht uns aus der Leserschaft die Info, dass man in China tatsächlich Schatten kaufen kann. Mit der Lieferung dürfte es aber schwierig werden, steht der Stuhl mit Sonnenschirm doch bei der grossen Mauer. #followerpower

Pause – Der FC St.Gallen ist hier klar die bessere Mannschaft. Zur Pause stehts 7:0, leider nur nach Cornern. Etwas Zählbares sucht man bisher vergebens. Wir suchen derweil etwas Schatten und hoffen, dass die Spieler trotz Hitze in der zweiten Halbzeit weiter so am Drücker bleiben.

Minute 44 – Die St.Galler mit einer Doppelchance. Erst wehren die Luzerner nach grosser strafräumlichen Unübersichtlichkeit auf der Linie, nachdem Gaudino zum Abschluss kam, anschliessend prüft Aleksic FCL-Keeper Zibung per Weitschuss.

Minute 41 – Gianluca Shiva sieht mal wieder Räume, die keiner sonst sieht. Schickt Aratore mit einem Pässchen, der das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander bringt. Leider wird Aratore kurz vor Schussabgabe abgegrätscht. Aber immerhin, das war ein – haha – cooles Pässchen.

Minute 40 – Und wenn man derart um sein Leben fürchtet (Hitzetod), wie wir das aktuell tun, stellt man sich andere Fragen, weil es eben Wichtigeres im Leben gibt als ein solches Fussballspiel. Wir fragen uns etwa, wer denn nun Schwingerkönig wird. Oder: Haben sich die Spieler eingeschmiert? Ist Christa Rigozzi noch zu haben? Kann man Schatten kaufen? Und wenn ja: Wo? Wie lange wäre die Lieferzeit? Wie sieht es aus mit Transportkosten?

Minute 35 – Die erste wirklich gefährliche Chance der Luzerner. Schneuwly köpft übers Tor.

Minute 33 – Tafer ist plötzlich auf links durch und sieht nur noch diesen grossen roten Punkt vor sich. Zibung ist’s. Mit seiner feuerroten Torwartmontur, die Tafer womöglich mit schmerzender Hitze assoziiert und vielleicht deswegen scheitert.

Minute 29 – Ein St.Galler liegt mutmasslich verletzt am Boden, was den restlichen Protagonisten die Möglichkeit verschafft, eine erneute Trinkpause einzulegen. Kollege R.S. besorgt uns derweil Bier. Es sind einige ruhige, bedächtige Augenblicke inmitten dieses Hitzesturms und unzähligen Passstafetten, die in den letzten Minuten an offensiver Schlagkraft eingebüsst haben (kein Wortspiel).

Minute 22 – Der Schiri pfeift zur zusätzlichen Trinkpause. Die Spieler erhalten vom Staff Getränke gereicht. Vom Saiten-Staff ist niemand da, der uns Abkühlung verschafft. Erst kein hitzefrei und dann auch noch keine Betreuung…

Minute 18 – Auch wenn die Luzerner in den letzten Minuten so langsam ins Spiel gekommen sind, haben die St.Galler das Spieldiktat noch immer fest in der Hand. Die bisherige Leistung weiss zu gefallen. Auffällig ist vor allem, wie die Offensivspieler vorne rotieren. Buess taucht auf dem Flügel auf, Tafer rückt ins Zentrum und Aleksic kommt plötzlich über rechts. Und ganz offensichtlich bekunden die Innerschweizer Mühe damit, dass die Espen ihre Positionen nicht stur hinnehmen, sondern den ganzen Platz als Plattform möglicher Kreativität interpretieren.

Minute 15 – Toko luchst einem Luzerner den Ball ab und zieht aufs Tor. Anstatt in die Mitte auf den freistehenden Gaudino zu passen, zieht er ab. Es müsste Eckball geben, gibts aber nicht.

Minute 13 – Mühsam mit dem Feldstecher zusammengetragen: die Aufstellung der St.Galler. Lopar – Schulz, Gelmi, Wiss, Hefti – Toko – Aratore, Gaudino, Tafer, Aleksic – Buess.

Minute 11 – Wenn die Welt logisch wäre, würde Marco Walker heute im Spiel seines FCB gegen Thun einen Skianzug tragen.

Minute 8 – Eilmeldung: FCSG tritt guten Eckball!!! +++ Eilmeldung: FCSG tritt guten Eckball!!! Gaudino innenristet die Kugel präzise auf den Kopf von Tafer, worauf Zibung in extremis abwehren kann. Update folgt +++

Minute 6 – Tickern unter erschwerten Bedingungen. Die Sonne brennt, wir haben den Laptop mit drei SENF eingepackt, dass er nicht schmilzt. Trotzdem sieht man mit Sonnenbrille kaum, was auf dem Bildschirm steht. Und ohne Sonnenbrille kaum, was auf dem Platz passiert. Wir fordern hitzefrei, doch die Saiten-Redaktion zeigt sich unnachgiebig.

Minute 4 – Vielversprechender Beginn der Espen. Die Luzerner sind noch kein einziges Mal über die Mittellinie gekommen, Grün-Weiss ist meist im Ballbesitz. Und eben wieder tanzt Gaudino leichtfüssig durchs Mittelfeld und macht Neumayr nass. Man kann es dem Luzerner nicht verübeln bei diesen Temperaturen.

Minute 1 – Der Schiri pfeift an und die St.Galler stürmen gleich nach vorne. Ein erster gefährlicher Schuss geht knapp am Tor vorbei.

13 Uhr 43 – Der SENF ist mittlerweile fester Bestandteil des Journalismus-Establishment der Schweiz. Was der SENF schreibt, das glaubt die Schweiz. Wir gehen ein und aus in den nebulösen Hinterzimmer der Lobbysten, treffen ranghohe Unternehmer und Politiker. Und das stets adrett gekleidet. Der sündhaft teure Anzug ist unsere zweite Haut. Aber heute, in dieser verdammten Hitze, müssen wir auf kurze Hosen und T-Shirt zurückgreifen. Wir fühlen uns nackt, emotional verwundbar.

 
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