, 20. April 2019
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FCSG vs. FC Luzern 1:2 – Der Anschlusstreffer kam zu spät

Ein Sieg zum 140. Geburtstag hätte es werden sollen, doch der FC St.Gallen blieb an diesem Abend vieles schuldig und ging zum Schluss mit einer 1:2-Niederlage vom Platz. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.

FCSG – FC Luzern 1:2

Abpfiff – Tatsächlich kam da noch etwas wie Spannung auf. Nach dem Anschlusstreffer trat Barnetta noch einen Freistoss. Der Ball flog einen Meter am Tor vorbei. Kurze Zeit später ist Schluss. Der FC St.Gallen verliert sein Heimspiel gegen den FC Luzern mit 1:2.

Minute 90+ – Wird das hier doch noch was? Barnetta verkürzt per sehenswertem Distanzschuss.

Minute 90 – Der einzige, der das Gekicke hier offenbar gut findet, ist der Schiri. Er will fünf Minuten nachspielen lassen.

Minute 88 – Was Luzern hier anbietet, ist alles andere als unwiderstehlich. Umso enttäuschender, was der FCSG zeigt.

Minute 85 – Ein schöner Ball in die Spitze, Guillemenot kommt auch tatsächlich noch ran, kann dem Ball aber nicht die gewünschte Richtung mitgeben.

Minute 84 – Was R.S. da grade so eloquent beschrieben hat, fasste R.S. etwas einfacher zusammen: „Yes! Schöni Grätsche!“

Minute 82 – Quintilla sorgt für einen süssen Lichtblick. Vargas legt sich die Kugel zu weit vor, worauf der St.Galler Mittelfeldspieler ins Tackling geht. Ein bisschen Ball, viel mehr Bein – Einwurf Luzern. Eine Grätsche in seiner schönsten Ausführung. Keine 120 Sekunden später operiert Quintilla offensichtlicher und legt einen Luzerner auf Höhe Mittellinie. Der Anteil Ball ist geringer. Gelb.

Minute 80 – Der Luzerner Lucas tut sich weh, blöderweise neben dem Platz. Er merkt grade noch rechtzeitig, dass ihm das nichts bringt und rollt sich – natürlich nur wegen immenser Schmerzen – zurück aufs Feld. Der Schiri durchschaut das Theater.

Minute 79 – Auf der Haupttribüne unterhalten sich derweil einige damit, möglichst viele Flyer als Papierflieger aufs Feld zu befördern. Die paar Meter Rasen vor uns werden schon bald als offizieller Flugplatz anerkannt.

Minute 74 – Eine Grosschance für St.Gallen. Wir packen die Floskeln aus und sagen: Hätte der gepasst, wäre es nochmal spannend geworden. Sie ahnen es, der Konjunktiv…

Minute 72 – Ramona hat noch immer nicht geantwortet, das Bier glänzt in ungekröntem Gold. Beinahe rivellaesk. Abgestanden und lauwarm. Der Rasen ist inzwischen vom Flutlicht erleuchtet. Als würde hier ein grosses Spiel stattfinden. Doch das tut es nicht. Menschen, die nicht hierhin gehören, sehen einen FCSG, der gewohnt enttäuscht. Die falsche Konstante.

Minute 69 – R.S. blickt mich erwartungsvoll an. Weshalb, ist mir schleierhaft. Seit mehreren Minuten sitze ich teilnahmslos da und nippe am Bier. Mein letzter Eintrag ist 15 Minuten alt. Dann murmelt er etwas, aber ich verstehe nicht. Weil mir Souveränität schon immer wichtiger war als Neugier, nicke ich. Ich nicke, verstehe aber nicht. Er bemerkt mein Unverständnis und wiederholt. Doch ich verstehe noch immer nicht. Seine Worte gehen unter im Lärm von Luzerner und St.Galler Medienkollegen, die ohne Bier berichten müssen. Ich will nicht tauschen, ich will nur verstehen. Ich nicke. Und verstehe nicht.

Minute 68 – Eine heiss diskutierte Frage heute: Wenn Luzern die Leuchtenstadt ist, warum kommen da so wenige Leuchten her? Wissen Sie es, liebe Leserinnen und Leser? #followerpower

Minute 65 – Der aktuelle Spielstand ist übrigens noch etwas schwieriger, weil neben uns irgend ein Luzerner Radio sitzt. Zu allem Übel nehmen die das auch noch ernst. Ein Beispiel: Vor dem Spiel fragte der eine Moderator den anderen, ob er Mineral mit oder ohne Kohlensäure wolle. Der andere antwortete: „Ohni, isch besser wägm rede.“

Minute 63 – Die Zuschauerzahl, sie wussten es: 18’790 Zuschauerinnen und Zuschauer. Ausverkauft. Wenn das hier so weitergeht, kommen wohl nicht alle beim nächsten Spiel wieder.

Minute 62 – Sotto-/Sopra-/Irgendwas-Ceneri-Experte R.Z. meldet sich aus dem Bosnien-Urlaub. Beim FCSG gebe es in 140 Jahren keine Konstanz, ausser, dass man gegen Luzern verliere. Wir hoffen noch, dass er unrecht hat, aber wir waren schon optimistischer.

Minute 60 – Eleke muss raus. Ich frage mich seit Monaten, an was mich seine Frisur erinnert. Ich glaube, es sind diese Sitzauflagen für den Autositz, diese holzigen Kügelchen, die vor allem im Zusammenspiel mit einem Stoffüberzug fürs Lenkrad so richtig zur Geltung kommen.

Minute 59 – Auch mit steigendem Alkoholpegel stellt der mutmassliche Fachmann in uns fest, dass Grün-Weiss der Wille zumindest nicht abzusprechen ist. Und trotzdem führen die Gäste mit 2:0. Dieser Wille gleicht dem „besucht“ in der Schule. Handarbeit, fünfte Klasse. Kannte Frau Hollenstein nur vom Hörensagen. Wie man häckelt, war mir einerlei.

Minute 57 – Hatte was Geniales im Kopf, ich schwöre. Aber es ist mir entfallen. Sehe vor dem geistigen Auge meine Mutter, sie verdreht ihre Augen. Sie sagt: „Denn isch es nöd wichtig gsi.“

Minute 55 – Das wäre eine ausgezeichnete Chance geworden. Wäre, hätte Rapp für Kutesa durchgelassen. Hat er aber nicht. Da ist er wieder, der Konjunktiv, dieses ….

Minute 52 – Plötzlich taucht Marvin Schulz wieder vor Stojanovic auf. Und wieder schiebt der einstige Innenverteidiger mit traumwandlerischer Sicherheit ein. Da wir grundoptimistische Menschen sind, erkennen wir die Vorzüge dieses Spielstands. Wir können uns nun dem Wesentlichen widmen, dem Bierkonsum.

Minute 50 – R.S. ist endlich vom Bier holen zurück. Begeistert erzähle ich ihm vom Facebook-Post unserer Leserin A.R aus Portugal, die an seiner Nastüechli-Internet-Anekdote Freude ausdrückte. R.S.: „Da isch ez wortwörtlich en Ufsteller.“ Ja, Sie dürfen an dieser Stelle kichern.

Minute 47 – St.Gallen will hier gleich Druck machen und kommt zu einem Eckball. In dieser Statistik führt St.Gallen deutlich. Nützt halt alles nichts.

Minute 46 – Die zweite Halbzeit läuft.

20.00 Uhr – Nun ist auch St.Gallen zurück. Es kann losgehen, Luzern darf anspielen. Stergiou muss übrigens Bakayoko Platz machen.

19.59 Uhr – Die Luzerner kommen zuerst wieder aufs Feld. Sind halt auch ein paar Jahre jünger.

19.54 Uhr – Die Kiss Cam lässt auf sich warten. Derweil macht auch Teleclub Legenden-Programm und interviewt Marco Zwyssig. Dieser läuft danach in grossväterlicher Manier dem Platz entlang. Sie kennen das und können sich es sicher vorstellen: beige Hose und dunkeblauer Stickpullover über dem weissen Hemd, alles leicht zu gross, weil man gerade etwas Gewicht verloren hat. Strammer Schritt mit ausladenden Armbewegungen. Klar anvisiertes Ziel. Ein Mann, der weiss, wohin er will. Sympa.

19.46 Uhr – Halbzeit. Der FC St.Gallen liegt zurück. Unnötig, eigentlich. Aber so ist der Fussball. Ob zum Geburtstag die Kiss Cam zurückkommt?

Minute 44 – Sie merken, liebe Leserinnen und Leser, wir sind konstant pessimistisch. Der Ausgewogenheit willen: Eigentlich war das gestern und ist das heute ein sehr schöner Anlass. Da haben einige einiges richtig gemacht. Und ein volles Stadion ist ja wirklich immer schöner als ein leeres. Aber (äxgüsi, dieses „aber“ muss jetzt kommen): Wie nachhaltig das sein wird? Müsste denn die Stadt nicht immer grün-weiss sein? Das Stadion nicht immer voll? Der 151er nicht immer mit FCSG-Logo rumkurven? R.S. wird emotional, verdrückt eine Träne und träumt.

Minute 41 – Bierkonsum mittlerweile so ausgeprägt, dass mich die angenehme Gleichgültigkeit überkommt. Wer von diesen Eventfans diesen Verein wirklich kennen und lieben lernen möchte, dem sei eine Niederlage vergönnt. Dann das ist der FCSG: zuverlässig unzuverlässig. Nie gesiegt und doch beliebt.

Minute 38 – Hefti lanciert Kutesa auf rechts, der flankt. Aber die Flanke geht dorthin, wo keiner steht. Sie kennen das.

Minute 36 – R.S. lässt hier Unmengen von Nastüechli durch. Letztmals so viele gebrauchte Nastüechli gesehen, als ich in den früher Teenager-Jahre erstmals Internetzugang bekam. Eintrag, den ich jetzt schon bereue.

Minute 35 – Stergious Rückpass erläuft der aufgerückte Luzerner Marvin Schulz. Er spitzelt den Ball zwischen den Beinen Stojanvics (Mutmassung) hindurch ins Tor.

Minute 34 – Ein Lattentreffer des FC St.Gallen. Das hätte die Führung sein können. Dieser verdammte Konjunktiv…

Minute 32 – Gleich hinter der Medientribüne sitzt eine Frau, die jeden Angriff mit erbarmungslosem Boygroup-Gekreische begleitet. Schwierig…

Minute 28 – Peter Zeidler trägt graue Anzughose, weisses Hemd und einen grünen Tschopä. Die Glatze zeugt von grübelnden Stunden. Der erträumte Roman liegt staubbedeckt in der zweiten Schublade des Schreibtisches im Arbeitszimmer. Versteckt zwischen Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Er meidet die vorwurfsvollen Blicke dieser Seiten voller Pflichten und Träume. Tagsüber unterrichtet er Sprachen, erzählt das Immergleiche den Immergleichen. Und dann, einmal im Jahr, öffnet er die Schublade und fragt sich, wie es wär. Einmal Schweizer Meister werden.

Minute 26 – Luzern kommt hier etwas auf. Eine gute und eine eher so semi-gute Chance. Keine Tore.

Minute 25 – Während R.S. auf sein Handy schielt, um den Whatsapp-Chat mit Ramona zu konsultieren, schaut R.S. auf seinen Finger. Der ist nach dem ostersamstäglichen Eierfärben mit S.H. – nein, liebe Leserinnen und Leser, benehmen Sie sich! – auch gefärbt. R.S. hat die Eier übrigens konsequent grün gefärbt.

Minute 24 – Chance für Barnetta, aber Zibung hält.

Minute 22 – Blick pendelt zwischen versiegender Bierquelle und WhatsApp, wo Ramona auf meine Liebeserklärung mit zwei blauen Haken antwortet. Hoffnung wird weniger, in beiden Fällen. Und dann schaue ich aufs Spielfeld. Hoffnung wird weniger. In allen Fällen.

Minute 20 – Das hätte das 1:0 sein können. Die Espen kombinieren sich durch, zum Schluss versucht Kutesa auf Ashimeru durchzustecken. Daraus resuliert aber nichts.

Minute 18 – Trotz des Geburtstag-Rahmenprogramm sollten wir nicht vergessen: Es geht hier heute auch um Europa. Nicht so wie grade in England, aber doch.

Minute 15 – Barnetta mit einem Abschluss. Weit neben das Tor. Im Gegenzug kommt auch Luzern zu einem Abschluss. Zwar aufs Tor, aber auch harmlos. Weiter 0:0. Der Biervorrat ist aber mittlerweile optimiert.

Minute 10 – Hefti geht ins Dribbling und dringt in den Luzerner Strafraum ein. Derweil erkündigt sich R.S., ob eine Optimierung des Biervorrats erforderlich sei. Er hat meine volle Aufmerksamkeit. Ich nicke entschieden. Die Anzeigetafel verrät, dass noch keine Tore gefallen sind.

Minute 5 – Das Stadion, das den Namen des ehemaligen koreanischen Nationalspielers Ky-Bun Park trägt, ist heute ausverkauft. Wir waren ja ein bisschen in Sorge, dass viele der Sitze trotzdem leer bleiben. Die No-Show-Thematik, sie kennen das vielleicht von ihren eigentlich ausgemachten Dates. Die Sorge scheint aber unbegründet. Das Stadion ist nicht nur ausverkauft, es ist auch voll.

Minute 3 – Mentor R.S. lobt meinen Beitrag kurz vor Spielbeginn, was meine Stimmung schlagartig hebt. Wohlige Wärme von Bier und Tatendrang. Werde in den kommenden 90 Minuten Poesie verfassen, die in den Deutschbüchern der Kanti gedruckt wir. Ab 2051 Pflichtlektüre für Abschlussprüfungen: Best of Senf-Liveticker. Frau Gasser liest zwischen den Zeilen und erkennt Gesellschaftskritik bei folgendem Eintrag: „R.S. geht Bier holen.“

Minute 1 – Grün-Weiss lässt den Ball laufen. Drückend überlegen hier, die Führung ist nur eine Frage der Zeit.

18.54 Uhr – Wir alle schwenken mit inhaltsleerer Euphorie weisse Fähnchen. Zusammen mit Menschen, die sonst nicht hier sind. Und auch künftig nicht hier sein werden. Uns alle verbindet dieser weisse Fetzen Stoff, aber nicht der Fussball in dieser Stadt.

18.48 Uhr – Zum Geburtstag wird das ganze Stadion in eine Choreo einbezogen. Schon steht rund um das Spielfeld auf einem grünen Transparent: „Was vor 140 Johr mit em Muet vo es paar Wenige gründet worde isch verkörperet hüt ä ganzi Region. Zur grüe-wiise Macht isches worde und wird für immer üsi Treui gnüsse!“

18.41 Uhr – R.S. niest. Es ist Heuschnupfensaison. Weil das den ganzen Abend so gehen wird, gibt er R.S. die Absolution, nicht jedes Mal „Gesundheit“ erwidern zu müssen. R.S. findet aber: „I bi än höfliche Mensch. I sägs jedes Mol.“ Daraufhin niest R.S. und R.S. meint: „Okay, schiist mi ez scho a.“

18.40 Uhr – R.S. und R.S. haben sich den Weg durch die tausenden von Fans gebahnt und warten gespannt auf den Anpfiff. Erste Enttäuschung vor dem Spiel: R.S. scheitert an der Kaffeemaschine. Jänu, gibts halt Bier.
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