, 16. Dezember 2017
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FCSG vs. FC Sion 3:2 – Mit einem Sieg in die Winterpause

Zum Schluss wurde es nochmal unnötig eng, aber der FC St.Gallen bringt die Führung ins Ziel. Mit einem 3:2-Sieg gegen Sion verabschiedet sich der FCSG in die Winterpause. Das emotionale Auf und Ab zum Nachlesen im SENF-Ticker.

Die St.Galler Heimkurve «Espenblock» besingt ihre Liebe zum FCSG. (Bild: zvg)

(Bild: zvg)

FCSG – FC Sion 3:2

Abpfiff – Das Spiel ist aus! Grün-Weiss bezwingt den FC Sion mit 3:2. Die St.Galler spielten die bessere erste Halbzeit, nach der Pause steigerte sich der Gast. Soviel zum journalistischen Wert dieser Partie. Aber es gibt Wichtigeres: R.S. hat nämlich kein Akku mehr. Man kann nur erahnen, wie nackt und emotional verwundbar er sich fühlen muss. Wir genehmigen uns jetzt ein Bier. Zur Schmerzlinderung, zur Feier des Heimsieges. Einen schönen Abend.

Minute 92 – Das Selbstwertgefühl steigt. „Prophylaktisch“ richtig geschrieben, Duden hat mir Recht gegeben. Phil Collins‘ „In the Air tonight“ begleitet mich bei dieser Erkenntnis. Das Schlagzeug setzt ein.

Minute 91 – R.S. schüttelt prophylaktisch schon mal den Kopf.

Minute 91 – Speaker Fischbacher drohend: „Die Nachspielzeit beträgt drei Minuten.“

Minute 89 – Das Abwehrverhalten beider Mannschaften ist von mässiger Qualität. Die Trainer würden sich die Haare raufen, wenn sie denn könnten.

Minute 87 – Sion trifft erneut und macht diese Partie nochmals spannend. Pinga staubt ab. Im Grunde hat sich das abgezeichnet. Die St.Galler verbringen diesen zweiten Durchgang fast ausschliesslich in der eigenen Hälfte. Und obwohl sie tief stehen, ist das Stellungsspiel meist unterdurchschnittlich.

Minute 84 – Der Schneefall ist mittlerweile alles andere als bedrohlich. Die Schneeflocken segeln sanft zu Boden. Einige, so scheint es, verharren beinahe in der Luft, um sich die Schlussphase dieser Partie aus der Vogelperspektive ansehen zu können. Sie stehen da, schwingen ab und zu rhythmisch mit dem Wind hin und her, und erinnern irgendwie an einen wolkenlosen Sternenhimmel. Oder an Champions League. Matthias Hüppi hat schon die Champions-League-Hymne und die passende Anmoderation im Kopf. Und ich Oasis und Melissa.

Minute 83 – Das Spiel wird unberechenbar. Eine missglückte Konterauslösung führt zu einer Chance für Sion, die Lopar glänzend pariert. Ein weiterer Konterversuch der Espen scheitert gleich danach.

Minute 81 – Haggui für Aleksic. Defensive für Offensive.

Minute 79 – Mentor R.S. räuspert sich, verkündet dann seelenruhig: „Wir führen die Rückrundentabelle an.“

Minute 77 – Lüchinger kommt fünf Meter vor dem Tor an den Ball und ist ähnlich ratlos wie ich beim Französischunterricht. Das beklemmende Gefühl, keine Antwort zu haben. Da der Aussenverteidiger zwar grätschen kann, das Schiessen aber nur vom Hörensagen kennt, lässt er den Ball passieren. Ich: Je ne sais pas.

Minute 75 – Sofort bestraft uns der Übermut. Auch deshalb sind wir zu unverbesserlichen Zynikern geworden. Adryan köpft das 1:3. Immerhin: Ich muss Tranquillo B. kein Bier bringen.

Minute 73 – Es spricht für die Reife dieses Auftritts, dass man just in der Sittener Sturm- und Drangphase das 3:0 erzielte. Um bei der Literatur zu bleiben: FCSG, wie hälst du es mit europäischen Wettbewerben?

Minute 71 – Noch gar nicht vorgestellt haben wir den Hauptprotagonisten des Abends: Der orange Ball. Wenn er zum Einsatz kommt, kann eigentlich nichts schief gehen.

Minute 69 – Die Zuschauerzahl soll 10’140 betragen, verkündet Speaker Fischbacher. Offenbar ist das doppelt zählende Drehkreuz noch nicht repariert.

Minute 68 – Mein persönliches Highlight spielte sich vor dem 3:0 ab: Lüchinger grätschte den Sittener Pinga ab, ballte heroisch die Faust und brüllte „Yeeeeees“. Beschreibt exakt meinen Gefühlszustand, wenn ich einem Kunden genüsslich mitteilen darf, dass wir sein gewünschtes Produkt nicht führen. Aus dem Leben eines Verkäufers.

Minute 66 – Toko geht, Taipi kommt. Als sitze man in einer Sitzung des IKEA-Vorstandes, der die neue Kollektion bespricht.

Minute 63 – „Tschernegg uf Buess – Goal.“, umschreibt Mentor R.S. den Sachverhalt mit faszinierendem Pragmatismus. Manchmal wünschte ich mir, er hätte einen Vollbart. Leicht ungepflegt, aber nicht schäbig. Gerade so, dass man ihm künstlerische Gleichgültigkeit unterstellen könnte. Er würde dann verträumt in die Ferne blicken und Kalenderweisheiten zum besten geben, dessen Wert sich erst durch seine Weisheit ergeben würde.

Minute 61 – Ein mustergültiger Konter, wenn da nicht der Abschluss wäre. Buess lässt durch für Aleksic, der legt zu Buess zurück, der wiederum mit einem Seitenwechsel auf Aratore. Dieser zieht ab, aber der Schuss wird geblockt.

Minute 59 – These: Christian Constantin hat in der Pause mittels Facetime zur Mannschaft gesprochen und angedroht, den Lohn zu kürzen.

Minute 58 – Noch ein Angriff der Sittener, aus dem sie mehr machen müssten.

Minute 57 – Als hätten wirs geahnt, kommt Sion zu einem Treffer. Zum Glück stand Schneuwly im Abseits. Hoffentlich wirkt der Warnschuss.

Minute 56 – Die Gäste aus dem Wallis kommen ganz anders aus der Kabine. In Halbzeit Zwei spielt bisher fast nur Sion. Wir sind etwas besorgt.

Minute 50 – Sion mit dem ersten Eckball. Das alleine macht uns noch wenig Sorgen. Dass Sion aber besser in die zweite Halbzeit startet als St.Gallen schon eher. Die Espen legen aber sogleich eine Schippe drauf und kommen durch einen Konter dem 3:0 schon wieder näher.

Minute 47 – Das Toxic-Team hat uns übrigens auch mit Kaffee versorgt. Bier und Kaffee – die SENF-Mischung für kalte Heimspiele. Herzlichen Dank! Wer unser Geschreibe lieber hören würde: Das Toxic-Team auf 107.1 dürfte das ziemlich gut treffen.

Minute 46 – Die zweite Halbzeit läuft. Und weil das Team von toxic.fm uns mit neuem Zaubertrank (Synonym: Bier) eingedeckt hat, sehen wir einen Sinn. Die Suche nach eben diesem ist ja ein latentes Problem. Auch ausserhalb des Stadions. Die temporäre Antwort darauf reicht uns fürs Erste.

Pause – Der FCSG führt nach dem ersten Durchgang mit 2:0. Wir haben das gerade aufwändig zahlenmässig betrachtet – schriftliche Addition – und stellen fest, dass das hochgerechnet ein 4:0 ergeben würde. Zuschauer Tranquillo B. könnte sich dann über ein Bier freuen.

Minute 46 – Nach einem Eckball trifft Peter Tschernegg mittels Kopfball zum 2:0 für Grün-Weiss. Der Torschütze bleibt daraufhin kurz liegen, während der Linienrichter ein Offside sah, das Chef Fähndrich so nicht ausmachen konnte. Tor zählt.

Minute 44 – Aratore wird lanciert. R.S. mit der obligaten Skepsis eines FCSG-Fans: „Da isch sicher Abseits gsi.“ Die Fahne bleibt unten und auch Köln bleibt stumm. Der Videobeweis, das K11 des Fussballs wirkt in der Super League nicht mit.

Minute 43 – Das Bier neigt sich dem Ende zu. Bald fehlt diesem Ereignis die Daseinsberechtigung.

Minute 38 – Der Hüppi-Effekt, beim Duden bereits beantragt. Synonym: Euphorie. Siehe Zuschauerzahlen.

Minute 34 – „Glaub de Lüchinger“ tankt sich rechts durch und flankt in den Strafraum, wo Aleksic köpft, Fickentscher die Hand an den Ball kriegt, der Ball aber Spontanität schätzt und deshalb mit dem Pfosten einen „Verhänger“ zelebriert. Nach diesem flüchtigen Augenblick von Zärtlichkeit, spaziert der Ball ins Tor. St.Gallen führt.

Minute 31 – Irgendein St.Galler bedient Wittwer pirloesk am linken Strafraumeck, der den Ball sofort in die Mitte spielt. Aleksic könnte direkt aus fünf Metern abziehen, nimmt die Kugel aber zuerst an, statt sofort zu schiessen. Das Spielgerät wirft dem Serben einen vorwurfsvollen Blick zu und sagt: „Du bist überhaupt nicht spontan!“ Dann springt der Ball davon. Ja, ich verarbeite da gerade was.

Minute 31 – Das Spiel bietet grade kein Aufreger. Zeit, medienpolitische Umbrüche zu thematisieren. „Jeder spricht zurzeit mit jedem“ hiess es unlängst öfter in der Schweizer Medienlandschaft. Der SENF möchte Gerüchten vorbeugen und an dieser Stelle klarstellen: An den Gerüchten eines gemeinsamen Mantelteilts mit dem Luzerner Stelzbock und dem Basler Schreyhals ist nichts Wahres dran. Wir bleiben eigenständig.

Minute 28 – Mein Selbstwertgefühl hat sich mittlerweile in einem wieder erträglichen Zustand eingependelt: Die Verlustängste sind einer Akzeptanz gewichen, die sich durch eine beispiellose Gleichgültigkeit auszeichnet, die einzig dem Zweck dient, nicht verletzt werden zu können. Neue Gedankengänge nun: Barnetta würde sich fünf Tage die rechte Hand nicht mehr waschen, wenn ich ihm die Hand schütteln würde.

Minute 25 – Der Eckball verläuft wie ein Besuch in einem Club: Man hofft unausgesprochen, dass sich was ergibt, steht dann nutzlos herum und stellt fest, dass es erneut nichts wurde.

Minute 24 – St.Gallen kann mit drei Spielern auf zwei Walliser zu laufen. Aratore schiesst, Sion-Goalie Fickentscher ist aber dran und wehrt zum Eckball ab.

Minute 19 – Aleksic kommt an der Strafraumgrenze zum Abschluss. Er trifft den Plastik üppig mit dem Vollspann. Leider zielt er knapp über die Latte.

Minute 17 – Kasami grätschte eben die Eckfahne um, die sich theatralisch zu Boden warf und sich wohlig in der Aufmerksamkeit der Zuschauer sonnte. Einmal im Leben Eckfahne sein. Das wärs. Wusste schon das Diddl-Freundschaftsbuch von Simona H. in der Primarschule. Das will ich mal werden: Eckfahne. Hihi.

Minute 16 – Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser. Dr. O.W. hat sich bereits eingefunden und kümmert sich um den angeschlagenen R.S. SENF ist schliesslich ein sozialer Arbeitgeber. Wir zahlen zwar keine Löhne, aber bei der Betreuung sind wir top!

Minute 14 – Der FCSG kommt hier besser ins Spiel als ich. Lediglich zwei Einträge gehen auf mein Konto. Zwei misslungene. Meine Selbstwertgefühl hat sich innert Sekunden den Temperaturen angepasst. Jetzt gerade: Zweifel. In zwei Minuten mutmasslich: existenzielles Hadern. Zur Pause dann: Selbstmitleid. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Oder wie ich es nenne: Alltag.

Minute 10 – Kasami gewohnt rüpelhaft, fasst Wiss ins Gesicht. Das Publikum findets schlimmer als der Schiri.
Minute 9 – Erste Aktion von Sion. Schneuwly ist schneller als Hefti und kommt zum Abschluss. Lopar steht aber richtig.

Minute 7 – R.S. hat mich eben gemassregelt. Mein Eintrag aus Minute 4 sei „grenzwertig“. Vielleicht ist er auch einfach sauer, weil ich ihn, meinen journalistischen Mentor, vorhin gefragt habe, ob man ein Kleidungsstück abziehe oder ausziehe.

Minute 6 – Schon zwei Eckbälle für St.Gallen. Wir sind etwas verwirrt.

Minute 5 – Erstes Ausrufezeichen der St.Galler. Eine seltsame Freistossvariante, die R.S. schon zu einem zynischen „Super!“ verleitet hat, kommt doch noch irgendwie zu Tschernegg. Der zieht ab und trifft die Latte.

Minute 4 – Übrigens: Ich trage heute lange Unterhosen. Aber keine Sorge, ihr paarungswilligen, von Selbsthass zerfressenen Frauen da draussen, ich ziehe sie nach dem Spiel aus.

Minute 2 – Hoher Promifaktor heute. Vor uns Platz genommen hat der verletzte Barnetta. Kollege R.S. verspricht: „Wenn Sangallä hüt mit vier Goal Underschied gwünnt, holi ihm ä Bier.“

Minute 1 – Wir habe durchgezählt. Das sind 7’241 Zuschauer, die sich heute in die Kälte gewagt haben. Schön, wie diese Hüppi-Euphorie durchschlägt.

Minute 1 – Wir beginnen mit Anstössigem.

18.52 Uhr – Gregor Lucchi verkündet die Zuschauerzahl: 50’000 Leute sind live dabei. Leider nur auf Facebook. Hier im Stadion kann man eine Null streichen und dürfte damit relativ nahe an den tatsächlichen Verhältnissen sein.

18.48 Uhr – Weil wir sonst nie so früh im Stadion sind: Hat es rund zehn Minuten vor Spielbeginn immer so wenige Zuschauer im Stadion? #followerpower

18.46 Uhr – Unbändige Motivation beim Ticker-Team. 15 Minuten vor Anpfiff sind R.S. und R.S. schon auf der Medientribüne zugegen. Aber, wir möchten ehrlich sein: Es gab keine Brötchen mehr im Medienraum.
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