, 30. Oktober 2016
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FCSG vs. FC Thun 0:0 – Die Null steht

Eigentlich hätte der FC St.Gallen dringend Punkte benötigt. Gegen Thun steht zwar hinten die Null, aber halt auch vorne. Das Spiel zum Nachlesen im Senf-Ticker.

FCSG – FC Thun 0:0

17 Uhr 49 – Abpfiff! Der FC St.Gallen spielt im Heimspiel gegen den ebenfalls im unteren Tabellendrittel angesiedelten FC Thun 0:0. Ein Ergebnis, das Zinnbauer kaum aus der Schusslinie bringen dürfte. Das Resultat ist alles in allem leistungsgerecht, weil Thun clever verteidigte und Grün-Weiss sehr bemüht war. Aber leider ist „bemüht“ auch ein Synonym für fehlende Qualität. Wir müssen den Frust erstmal sacken lassen. Natürlich mit Dr. O.W., der beruhigende Worte finden dürfte. Trotz allem einen schönen Abend.

Minute 91 – Wir  montieren schon mal den Ohrenschutz. Es dürfte ein weiteres Pfeifkonzert geben. Immer noch besser als Andreas Gabalier.

Minute 90 – Drei Minuten Nachschlag vom Unparteiischen.

Minute 87 – Jetzt hilft nur noch Glück, um hier als Sieger vom Platz zu gehen. Oder, wie man es beim SRF nennt, ein „Löcki Pönsch“.

Minute 85 – Toko macht Platz für Mutsch. Wetten werden angenommen, wann Mutsch die erste Grätsche auspackt. Wir tippen auf „jetzt“.

Minute 80 – Zehn Minuten noch regulär. Wer hat noch Fingernägel? Spontane Idee für ein Start-Up: Fingernägelverkauf.

Minute 77 – „Otero-Clan Raus!!!“ steht auf dem jüngsten Spruchband. Der Espenblock ist heute tatsächlich nicht um klare Ansagen verlegen.

Minute 76 – Egal, wie das hier heute noch ausgeht, der erhoffte Befreiungsschlag wird das nicht mehr. Resultattechnisch ist der Sieg zwar weiterhin drin, spielerisch gibt es aber – trotz merklicher Verbesserung – weiterhin viel Luft nach oben.

Minute 72 – Tafer kommt für Bunjaku. Viel mehr läuft hier grade nicht. Wir beschäftigen uns derweil mit etwas unnützem Wissen aus der aktuellen Ausgabe des Zwölf, dem zweitbesten Schweizer Fussballmagazin: Martin Angha hat fast sechsmal so viele Twitter-Follower wie der FCSG. Über 28’000 folgen dem Verteidiger, nur knapp 5’000 dem Verein. Nein, wir verstehen das auch nicht.

Minute 71 – Saibene bringt Nelson Ferreira. Wenn ein Name Highbury und Thierry Henry mit dem heutigen Tag und Abstiegskampf verbindet.

Minute 67 – Danke, werter Dr. O.W., der Optimist in mir ist zurück. Was, wenn die heutige Zeitumstellung als symbolisch treffender Akt zum Einläuten einer neuen Zeitrechnung, Ära, Epoche, Geschichte ist? Jahr eins nach St.Gallens Heimsieg über Thun, der wenige Monate später in der Schweizer Meisterschaft gipfelte und ein weiteres Jahr später den Triumph in der Champions League einleitete, wird man dereinst sagen. Sätze können so lang sein. Hauptsatz und Nebensatz haben sie mir in der Schule gepredigt, doch ich war zu beschäftigt. Mit dem Lesen der Biografien von Kubilay Türkyilmaz, Jens Lehmann und Paul Gascoigne. Jetzt nachdenklich – der Senf-Liveticker.

Minute 62 – In der Pause wurden wir vom Adrenalin-Team von Toxic übrigens freundlich darauf hingewiesen, dass wir sie doch auch einmal erwähnen könnten. Schliesslich täten sie das beim Senf auch. Dem kommen wir natürlich gerne nach. Schliesslich sind die Adrenalin-Einschaltungen inhaltlich und emotional sowas wie der gesprochene Senf-Ticker. Oder der Senf-Ticker sowas wie die verschriftlichten Adrenalin-Einschaltungen. Wir überlassen die Entscheidung unseren Lesern.

Minute 59 – 10’699 Zuschauer sind heute da. Erstaunlich, wie viele sich das immer noch antun. Wir haben ja die Vermutung, dass in St.Gallen sonst einfach nichts los ist. Dr. O.W. sieht das anders: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine schlimme Situation viele Zuschauer hat. Das sieht man bei jedem Unfall, wenn zahlreiche Gaffer den Blick nicht von einer eigentlich unerträglichen Szenerie lassen können.“

Minute 56 – Die St.Galler Krise in einer Aktion: Aratore spielt beim Eckball kurz auf Buess. Dieser versucht die Kugel zu Aratore prallen zu lassen, scheitert aber. Der Ball rollt ins Seitenaus. Der Sportjournalismus-Baukasten empfiehlt hier: „bezeichnend“.

Minute 53 – Gaudino foult einen Thuner an der Strafraumgrenze nach einer wahllosen Ansammlung von versuchten Distanzschüssen der Berner. Ex-St.Galler Facchinetti tritt den Standard und zwingt Lopar zu einer Parade. Die Pointe fehlt. Der Spannung wegen. Hole mir jetzt Ratschläge von Dr. O.W. Kann nicht sein, dass die Probleme auch meine berufliche Laufbahn beeinflussen.

Minute 47 – Grün-Weiss gleich mit einer vielversprechenden Offensivaktion. Ajeti macht im Strafraum zwei Thuner nass und

bedient Bunjaku. Dessen Fussspitze bugsiert die Kugel ans Aussennetz. War zwar zudem Abseits, dennoch dürfte jene Szene Mut machen.

Minute 46 – Der zweite Durchgang läuft. Je nach Gelingen womöglich die letzten 45 Minuten unter Zinnbauer.

16 Uhr 52 – Das Pausenprogramm läuft und im FCSG-Magazin wird Linksverteidiger Kofi Schulz thematisiert. Schulz: „Möchte gerne mit dem FC St.Gallen Meister werden.“ Auf der Pressetribüne bricht spöttisches Lachen aus.

Pause – Zur Pause steht es 0:0. Zufrieden ist hier niemand. Dr. O.W. wendet jedoch ein: „Man muss in jeder Situation – und sei sie noch so beschissen – das Positive sehen. Der FCSG ist noch nicht in Rückstand. Darauf kann man aufbauen.“ – Wir wundern uns, dass der Doktor ein Wort wie „beschissen“ in seinem Wortschatz führt, empfinden seine Worte aber doch eher als Äquivalent zum zinnbauerschen „Wir haben die Woche über gut trainiert“. Wir holen Bier.

Minute 45 – Eine knifflige Situation im Straftraum der Thuner. War das ein Handspiel? Schiri Fedayi San will nichts gesehen haben. Schade.

Minute 40 – Das war knapp. Wenn Thun ein bisschen effizienter wäre, stünde es jetzt 0:1. So gibts nur Eckball. Und aus dem wird nichts.

Minute 39 – Derweil hat Hammarby den Ausgleich kassiert. Unser Scout vor Ort meint lapidar: „Grün-Weiss halt“

Minute 37 – Das Spiel ist mittlerweile derart schwach, dass wir es am liebsten zu Hause über einen dubiosen, weissrussischen Stream schauen würden. Dann wäre die fussballerischen Defizite der beiden Mannschaften nicht so sehr ersichtlich. Stattdessen werden uns gestochen scharf endlose Abfolgen von wenig zwingenden Angriffsversuchen aufgezwängt. Love hurts, das wusste schon Nazareth.

Mnute 34 – Wieder ein Spruchband im Espenblock: „Dölf: Mit dim Egoismus trözelisch üs in Abgrund“ – Dr. O.W. meint dazu: „Ich würde den beteiligten Parteien eine Mediaton in meiner Praxis vorschlagen.“

Minute 33 – Nachtrag. Das sind die Zinnbauers Destinys Child: Lopar – Wittwer, Gelmi, Haggui, Hefti – Toko – Aratore, Gaudino, Bunjaku – Buess, Ajeti

Minute 28 – Rein sportlich betrachtet begegnen sich die beiden Mannschaften in etwa auf Augenhöhe. Abgebrochene Angriffe werden vom St.Galler Anhang umgehend mit synchronem Seufzer oder vereinzeltem Pfeifen quittiert. Verständlich, dennoch muss man auch anfügen, dass die Thuner gut stehen und effektives Angriffsspiel entsprechende Geduld fordert.

Minute 26 – Dr. O.W. findet derweil Gefallen am Espenblock: „Die machen das genau richtig: Den Frust äussern, nicht in sich hineinfressen.“

Minute 23 – Erst ergrätscht sich Leader Toko derart heroisch den Ball, dass ich spontan den Soundtrack vom Film „Gladiator“ summe. Anschliessend zieht Ajeti in den Strafraum und sucht Buess, findet aber nur dessen Rücken.

Minute 22 – Noch ein Spruchband: „Grüe-Wiisi Liebi? Ihr ziehnd e ganzi Region in Dreck.“ Soll wohl eine Anspielung auf den Claim des FCSG sein, der ja gerne mit „Grün-Weisse Liebe“ wirbt.

Minute 16 – Die Berner Oberländer eben mit der Grosschance, nachdem Gelmi ungenügend klärte. Wer von den Thunern abschloss, haben wir schon wieder verdrängt. Längst betreut uns Dr. O.W. und rät: „Nicht verdrängen. Verarbeiten!“ Der Senf-Liveticker – dein fussballerischer Seelsorger.

Minute 15 – Das Spiel gibt qualitativ bislang noch nicht viel her, weshalb wir unseren Blick immer mal wieder auf den Hauptprotagonisten des heutigen Abends richten: Joe Zinnbauer. Einfach hat er es ja derzeit nicht. Mitten in der Nacht ist er schweissgebadet aufgewacht und verschaffte sich aufgewühlt einen Überblick. Nach einigen Augenblicken stellte er aber beruhigt fest, dass er nicht mehr Trainer des HSV ist. Das Leben kann so schön sein.

Minute 13 – Ein Spruchband im Espenblock, der heute verständlicherweise sehr mitteilungsbedürftig ist: „Dölf: Bi Zahle gsesch schwarz – bi Pyro gsesch Rot und bim Fuessball bisch blind.“ Klare Worte.

Minute 10 – Die aufmerksamen Leser dürften festgestellt haben: Wenn R.S. und R.S. tickern, muss R.S. abwesend sein. Richtig, R.S. haben wir auf Scouting-Mission nach Schweden geschickt. Er vermeldete gerade: „Hammarby ist mit dem Pausenpfiff in Führung gegangen. Aber gut spielen können die auch nicht. Muss an den Klubfarben liegen.“ – Für die Weniger-Weit-Gereisten: Hammarby spielt in grün-weiss.

Minute 7 – Heute tickern für euch R.S. und R.S. Aber, wir gebens zu, wir sind beide angeschlagen. Die sportlichen Rückschläge der letzten Wochen und Monate haben uns stark zugesetzt. Wir haben emotionale Achterbahnfahrten erlebt. Die Gefühle, die uns beim Tickern regelmässig übermannen, sind kaum noch zu ertragen. Als Vorsichtsmassnahme sitzt heute Dr. O.W. neben uns. Er wird sich ab und an einschalten, wenn die Gefühle das Ruder zu übernehmen drohen.

Minute 6 – Dennis Hediger – halb Protein-Shake, halb Mensch – schickt Sorgic, doch der Ball kullert ins Aus. Lopar lässt sich in der Folge viel Zeit bei der Ausführung des Abstosses. Zeitspiel. Ganz dem heutigen Tage entsprechend.

Minute 5 – Der Espenblock ist mittlerweile gut gefüllt und macht sich lautstark bemerkbar.

Minute 1 – Das Spiel läuft. Um gleich mal Positives zu erwähnen: St.Gallen hält hier noch immer das Unentschieden.

15.56 Uhr – Beim Spiel des FC St.Gallen gegen den FC Thun trifft auch der Trainer, der die Gnade hatte, den FCSG rechtzeitig zu verlassen, auf den Trainer, der die Ausfahrt bereits mehrfach verpasst hat. Für einige Fans Inspiration für dieses Transparent (einmal drauf klicken, dann erkennt man es auch):

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15.47 Uhr – Im Espenblock wird das Transparent gewechselt. Jetzt steht da „Ohni Konzept, Strategie und Vision – Ohni Wert und ohni Stolz – imne identitätslose Verein – Sangallä, da häsch nöd verdient“

15.43 Uhr – Der Espenblock ist übrigens noch leer. Auf einem Transparent steht geschrieben: „Schnauze voll vo eune leer Wort – lieferet lieber mol am richtige Ort“. Gemäss einem Flyer, der rund ums Stadion verteilt wurde, soll auf Spielbeginn aber wie gewohnt Stimmung gemacht werden.

15.40 Uhr – Heute Morgen um 3 Uhr wurden die Uhren in der ganzen Schweiz auf Winterzeit umgestellt, um der aktuellen Situation des FCSG gerecht zu werden. In der Heimat der Luxusuhren ist das ja wie das Äquivalent zur Fahne auf Halbmast. In diesem Sinne: Herzlich Willkommen zum Keller-Duell der Super League.

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