, 3. April 2019
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FCSG vs. GC 0:0 – Eine Qual für jeden Zuschauer

Das war nichts. Ein schlechtes St.Gallen spielt gegen ein schlechtes GC 0:0 und enttäuscht in jeder Hinsicht. Vom einst versprochenen Offensivfussball war heute nichts zu sehen. Gegen Xamax muss sich die Zeidler-Truppe definitiv steigern, wenn sie nächste Woche Punkte aus dem Welschland entführen wollen.

FCSG – GC 0:0

Ende Es bleibt beim 0:0. Der einst so stolze Rekordmeister ergaunert sich einen Punkt, mehr wollte er gar nicht. Der FCSG dagegen führte Standardsituationen schnell aus, spielte den Ball eilig nach vorne. Er wollte. Und mit 17 zu drei Torschüssen kann man Grün-Weiss auch den Willen nicht absprechen. Doch das Tor fiel nicht.

Minute 91 – Vier Minuten Nachspielzeit. Es ist laut, es ist unruhig, es wird geflucht. Es ist herrlich.

Minute 90 – GC klärt im letzten Moment. Und dann nochmals. Mittlerweile schwimmen die Zürcher. 4 Minute Nachspielzeit.

Minute 87 – Ein Zürcher zieht aus der eigenen Platzhälfte alleine auf das St.Galler Tor zu. Bakayoko nimmt ihm im Sprint auf 5 Meter 10 Meter ab und klärt souverän.

Minute 85 – Immerhin holt Xamax voraussichtlich auch einen Punkt. Status Quo am Tabellenende. Die Hoffnung auf den Abstieg lebt bei den „Zürchern“ weiter.

Minute 83 – „Chani?“, frage ich beinahe unterwürfig. Doch diese Schüler-Lehrer-Hierarchie ist unangebracht, denn R.S. hat sich. längst der Naivität verschrieben, sagt: „Jo, schriebsch s Goal uf.“ Tatsächlich versammeln sich drei Espen um den Ball, knapp 20 Meter zentral vor dem Tor. Barnetta lupft den Ball über Mauer und Latte.

Minute 82 – Sierro, Ashimeru und Barnetta schultern nun die grün-weissen Hoffnungen. Sierro steht jetzt höher. Sein Einfluss bleibt gering, doch er bindet Gegenspieler. Ashimeru hat so bis zum letzten Angriffsdrittel freie Hand. Er trägt den Ball nach vorne, sucht oft Barnetta, der Lösungen hat, die seine Beine noch immer umsetzen können. Es riecht nach einem Tor.

Minute 78 – GC scheint hier zufrieden mit diesem Punkt. Die Rechnung ist einfach: GC ist 6 Punkte hinter Xamax, GC kalkuliert mit mindestens 6 Unentschieden in den restlichen Spielen. Das könnte reichen. Was GC vergessen hat: Xamax spielt noch gegen St.Gallen. Das wird knapp.

Minute 76 – April, April, Schiri Bieri macht, was was er will. Foult SG pfeift er, Foult GC bleibt er still. Goethe-Alarm im Stadion.

Minuten 74 – Wir malen dieses Spiel, mit Zahlen. Rapp totalisiert 15 Ballkontakte, Stojanovic deren 20. R.S. fasst den Sachverhalt so zusammen: „Huärä schlächt.“

Minute 73 – Unglaublich 11’683 Zuschauer sind heute vor Ort. 11’683 enttäuschte Seelen.

Minute 72 – Eckballverhältnis mittlerweile 5:1, gefährlich wurde es nie. Man könnte Eckbälle auch abschaffen.

Minute 70 – Können Sie sich noch an Caipi Tschelbrim erinnern? Der wurde soeben für Ravet eingewechselt. Ein ehemaliger St.Galler macht die Sache wieder gefährlich.

Minute 65 – Der FCSG gab im zweiten Durchgang schon sieben Torschüsse ab. Das sind zwei mehr als noch in der ersten Halbzeit. Da ist etwas in der Luft. Dieses seltene Knistern, diese stille Übereinkunft von Tausenden, zu explodieren, wenn der Ball im Tor ist. Andeutungen von Aufbruch. Zumindest für ein, zwei Spielzüge. Das Publikum weiss um die Rarität dieses Gefühls, singt, man solle aufstehen, wenn man St.Galler sei. Fuessball, ha di gern.

Minute 63 – Rapp und Kutesa bisher eher unscheinbar bis unsichtbar. GC kann sich zur Zeit aber auch gegen neun St.Galler nicht wirklich befreien. Es sah schon schlechter aus heute.

Minute 62 – Der zweite R.S. läuft sich noch immer warm. Zeidler zögert noch.

Minute 58 – R.S. dirigiert erst seine Mitspieler, täuscht dann einen Laufweg an, um schliesslich zum Sprint anzusetzen. Er geht an mehreren Gegenspielern vorbei und bestellt zwei weitere Becher Bier im Stadioninnern. Das Bier führt nun mit 8:0 gegen die schlechte Laune.

Minute 55 – GC wird nun regelrecht eingeschnürt. Quillo prüft Lindner mit einer Schuss von der Strafraumgrenze. Das gefällt uns schon besser.

Minute 53 – St.Gallen nun am Drücker, das Publikum erwacht, die Flutlichter strahlen, FM1Today tickert noch immer nicht, das Bier ist leer. +++BREAKING+++

Minute 50 – Irgendwie zeigt St.Gallen hier ein bisschen mehr als in den ersten 45 Minuten. Die Pressingbemühungen sehen nicht mehr ganz so halbherzig aus. Als würde es die St.Galler nur noch „bizli aschissä“ mit Zürchern zu spielen.

Minute 47 – „Daisch aber peinlich, ein wiitä Ball…“ und ein Zürcher kann fast alleine aufs Tor laufen. Vilotic passt aber auf.

Minute 46 – Neuer Versuch, die zweiten 45 Minute laufen. Mal schauen, ob es besser wird.

20 Uhr 59 – Noch immer keine Kiss-Cam. Der Skandal des Jahres. Wir sind den Tränen nahe.

20 Uhr 58 – Wenn wir den Ticker unseres FM1Today-Kollegen öffnen, blieb dieser in der Minute 15 stehen. Wir sind halt schon fortschrittlicher als unsere Kollegen.

20 Uhr 56 – Der Tickerer von FM1Today sitzt seit der zehnten Spielminute fassungslos neben uns. Sein Windows-98-PC kann dem temporeichen Match nicht folgen, hat den Geist aufgegeben. Die Leser von FM1Today flüchten deshalb zu uns und wissen jetzt endlich, wie sich Qualitätsjournalismus anfühlt.

20 Uhr 48 – Wenn sich Verunsicherung und Unfähigkeit paaren, entsteht GC. Und wenn der Gegner aus St.Gallen kommt, dessen Hang zum Scheitern eine Hassliebe ist, dann entsteht eine torlose Halbzeit. Wir genügen uns deshalb einfach selbst. Das lernt man in all den Jahren als Fussballliebhaber, der es mit dem FCSG hält. Das Bier ist tröstend. Die Aussicht auf Jessica ebenfalls. Bis dahin helfen Worte und sattes Grün vor Augen.

20 Uhr 45 – PAUSE

Minute 44 – „Dä Lüchinger isch jo grauehaft. GRAUEHAFT!“ meint ein älterer Herr neben uns. Wir finden das ein bisschen unfair Lüchinger gegenüber. „Dä FCSG isch jo grauehaft. GRAUEHAFT!“ wäre angebrachter gewesen.

Minute 40 – Fünf Minuten Durchatmen. Selten hat ein Powernap so gut getan.

Minute 35 – „D Alessia B. suecht ihres Mami“ lässt Speaker Fischbacher verlauten. In ein paar Minuten heisst es mutmasslich, der kleine Vincent S. suche seine Mitspieler. Der Leihgabe aus Freiburg gelingt wenig. Davon profitiert Ashimeru, der sich nun mehr zutraut. Erobert die Kugel an der Mittellinie und tanzt dann zwei Zürcher aus. Barnetta übernimmt den Ball. Und es scheint, als würde seine Zeit langsamer laufen. Er hält inne, sieht einen Raum ohne Regelwidrigkeit und GC-Verteidiger. Ashimeru sieht Selbiges, sprintet auf diesen verheissungsvollen Flecken Spielwiese. Doch weil sonst niemand mitdenkt, bleibt der Raum ohne Zeit.

Minute 33 – St.Gallen zeigt so viel Elan, wie R.S. oder R.S. nach einer durchzechten Nacht, wenn am nächsten Tag Montag ist. Eigentlich keinen.

Minute 30 – Not gegen Elend wär heute wohl interessanter gewesen.

Minute 28 – Ohne Scheiss. Über Fussball schreiben dasselbe wie Frage 27 bei der Semesterprüfung Wirtschaft, die man drei Minuten vor Abgabe ein fünftes Mal durchliest und noch immer keinen Schimmer hat, was die eigentlich wollen. Auf Verdacht dann einige vermeintlich kluge Begriffe – Digitalisierung, Ressourcen oder Ballbesitz, Pressing – einstreuen und mit fetzigen Satzanfängen garnieren. Vier gewinnt, Freunde.

Minute 25 – Passiert ist noch immer nichts. Lüchinger hat heute übrigens eine neue Frisur. Er hat sich vom frühen Frühling zu einer Kurzhaarfrisur verleiten lassen und friert jetzt wie ein kahlrasierter Eisbär in der Polarnacht. Willkommen in St.Gallen (wo der Winter erst definitiv vorbei ist, wenn der Herbst beginnt), du föhnverwöhnter Rheintaler.

Minute 23 – Auch drei Minuten später spielt St.Gallen noch schlecht. Diese ersten 23 Minuten hätte man sich auch sparen und den Match am Bierstand verbringen können. Es gibt jetzt schliesslich Chlöschti im Stadion. Goodnews in schwierigen Zeiten.

Minute 20 – Rückmeldung unseres Lesers N.G. aus dem GC-Kern-Rüebliland. Er möchte FAKTEN! Hier hast du deine Fakten lieber N.G.: SG spielt bescheiden bis schlecht.

Minute 17 – „I versuechs emol mit journalistischem Ernst.“, sage ich in der Euphorie des mittlerweile dritten Bieres. R.S. ist angetan von dieser Idee, sagt: „Super, denn hemer da die Saison au mol gmacht.“ Nun denn. Beide Mannschaften sind sich der Bedeutung dieses Spiels bewusst, in den Zweikämpfen ist Wille auszumachen. Nach vorne lassen aber sowohl GC als auch der FCSG die nötige Präzision vermissen. Ashimeru hat die meisten Ballaktionen bei Grün-Weiss, spielt aber fast keine Pässe in der gegnerischen Hälfte. Die Zürcher sind zwar weniger am Ball, spielen aber nach Erhalt des Spielgeräts sofort vertikal und sind gegen aufgerückte St.Galler gefährlicher.

Minute 15 – „Wenn en Fehler gfunde hesch, chasch en siiloh.“, sagt R.S.. als ich dessen letzten Eintrag studiere. Mut zur Fehlbarkeit. Der SENF-Liveticker neuerdings auch empathisch unterwegs.

Minute 14 – Grün-Weiss hat defensiv Probleme. Da sich mein zweites Bier inzwischen in meinem Magen eingefunden hat, traue ich mir ehrlich zu, als FCSG-Abwehrchef für Ordnung zu sorgen. Überlege, ob ich mir die Spielberechtigung am Kriegsverbrechertribunal erstreiten soll.

Minute 12 – Kennen Sie das, wenn Sie beim Coiffeur gefragt werden, was Sie für eine Frisur wünschen und eigentlich keine Ahnung haben? Nach Lektüre der Frisurmagazine – die meisten aus den Neunzigern – zeigen Sie auf den gewünschten Schnitt und hoffen, dass es am Ende auch so rauskommt. So ging es wohl auch Ashimeru. Sein Friseur meinte wohl aber, er zeigt auf die Bepflanzung und nicht auf das Frisurenmodel am Strand. Jänu, jetzt spielt er halt mit dem Modell „Palme“.

Minute 9 – St.Gallen scheint wie gehemmt. GC mit der nächsten gefährlichen Aktion. Stojanovic kann einen Schuss nicht ganz ohne Unsicherheiten abwehren. Vom FCSG ist offensiv noch nichts zu sehen. R.S. wärmt sich intensiver ein.

Minute 6 – Ein künftiger Amateurfussballer entflieht den offenbar müden Augen des Assistenten, der eine klare Abseitsposition übersieht. Zumindest mein verärgerter Sitznachbar lässt dies mit einem wütenden Aufschrei vermuten. Mosevich, dieser Soldat der Gerechtigkeit, grätscht in schönster Ausführung, trifft ein bisschen Ball und sehr viel Hopper. Abstoss.

Minute 6 – Linksrutsch bei Lüchinger, wechselt von der rechten Abwehrseite nach links hinten. Der Rasen gehört allen.

Minute 4 – Kuriose Szene auf den Rängen: „Wär nöd gumpet isch en Zürchr!“ skandieren die GC-Fans. Die grosse Mehrheit der Gästeanhänger weiss nicht, ob Aargauer und Thurgauer auch gumpen dürfen und sind dementsprechend verwirrt.

Minute 2 – So, nun bin auch ich da, R.S. Klimaoptimisten vermelden für morgen Schneefall. Der Winter trotzt dem Frühling, erlebt seinen zweiten, nun ja, Frühling. Ich, überzeugter Grundpessimist, trage deshalb zwei Pullover. Darunter mischen sich den Versagensängsten geschuldeter Angstschweiss, sündhaftteures Hugo-Boss-Parfüm und Biertropfen.

Minute 1 – Los gehts!

19 Uhr 58 – Die Spieler stehen bereits auf dem Feld. Sie scheinen so motiviert heute wie R.S. und R.S. – ein gutes Zeichen. Wenn sie auch noch unsere Leistung abliefern, steht einem Kantersieg gegen den designierten Absteiger nichts im Wege.

19 Uhr 55 – Wir sind übrigens genauso giggerig wie Sie auf einen GC-Abstieg. Die drei Punkte sind heute wichtiger als in anderen Spielen. Wir hoffen, Zeidlers Mannen ist das bewusst. Sonst werden wir uns selbst einwechseln zur Pause. R.S. ist sich bereits am einwärmen, deshalb kann er heute nicht tickern. R.S. und R.S. tickern evtl. nur bis zur Pause.

19 Uhr 52 – Die Aufstellung haben wir bereits auf Instagram verraten. Schauen Sie dort nach. Was wir aber gerne wiederholen: Barnetta spielt gegen seinen Lieblingsgegner von Anfang an.

19 Uhr 50 – Liebe Leserinnen und Leser. Kalt ists hier im Park. So Polarbärkalt. Mindestens.
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