, 26. August 2018
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FCSG vs. Luzern 0:1 – Eine unnötige Niederlage

Der FC St.Gallen verliert gegen Luzern wegen einer zu schwachen Leistung in der Defensive und ungenügender Durchsetzungskraft in der Offensive. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.

Die St.Galler Heimkurve «Espenblock» besingt ihre Liebe zum FCSG. (Bild: zvg)

(Bild: zvg)

FCSG – FC Luzern 0:1

Abpfiff – Der FCSG verliert sein Heimspiel gegen Luzern. Er hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, drang aber zu selten in die Gefahrenzone vor. So zumindest unser, doch eher getrübte Eindruck des Spiels. Wir gehen jetzt nach Hause, uns bemitleiden. Auf bald!

Minute 94 – Nochmals einen Freistoss für den FCSG. Torwart Stojanovic kommt tatsächlich zum Kopfball, trifft aber nur das Aussennetz.

Minute 90 – 4 Minuten bleiben. Reicht das?

Minute 88 – Luzern-Ersatzgoalie Zibung sorgt dafür, dass ein Ball auf de Feld liegt. Barnetta sieht das und schiesst den Ball postwendend auf die Bank zu Zibung zurück. Sympathisch.

Minute 86 – Luzern-Goalie Salvi lässt sich lange Zeit beim Ausführen des Abstosses. „Macht dä Ferie döt une?“, fragt sich unser Nachbar auf der Tribüne.

Minute 84 – Barnetta legt auf rechts zu Lüche, das einzig Positive an dessen Flanke ist aber, dass sie nicht im Aus landet.

Minute 82 – In einer schönen (und gerechten) Parallelwelt siegt St.Gallen mittels Barnetta-Doppelpack 2:1, tun sich die Gallagher-Brüder zusammen und publizieren nochmals gemeinsam ein Album und endet Peter Stamms „Agnes“ versöhnlicher.

Minute 80 – Buess kommt für Tafer. Kann nur besser werden.

Minute 78 – Barnetta kommt auf der rechten Seite an den Ball und flankt auf Itten, dessen Kopfball einen Meter am Tor vorbei geht. Luzern hat jegliche spielerische Ambition eingestellt und konzentriert sich aufs Verteidigen. Entsprechend eng ist es für die St.Galler.

Minute 76 – Für einmal eine geglückte Abwehraktion. R.S. mit einer Becker-Faust. Sekunden später verwirft er aber wieder die Hände.

Minute 75 – Tafer vertändelt erneut einen Ball. Er scheint langsam aber sicher zu alt für dieses Niveau.

Minute 72 – Kutesa verlässt den Platz, er wird durch Barnetta ersetzt, der zum ersten Mal in der Meisterschaft eingesetzt wird. Kollege R.S. bestätigt mit felsenfester Überzeugung: „Glaub scho, jo.“

Minute 68 – Rund 12’000 Zuschauer hoffen hier auf ein Tor der St.Galler. „Händs aber guet zellt“, sagt einer auf der Tribüne. Wir denken aber, dass das hinkommen könnte.

Minute 67 – Musste mir eben selbst eingestehen, dass die emotionale Verfassung der nächsten 24 Stunden direkt davon abhängt, ob St. Gallen hier noch ein Tor schiesst. Vorgenommen, nach einem anderen Hobby zu suchen. Briefmarken sammeln vielleicht.

Minute 66 – St.Gallens Defensive ist heute das, was im Wörterbuch unter Hühnerhaufen als Definition aufgeführt wird.

Minute 63 – St.Gallen kommt schon wieder zu einem Eckball. Es ist der sechste heute. Luzern hatte noch keinen. Wären wir doch nur besser bei Standards…

Minute 61 – Sierro kommt für Vilotic. Der Espenblock animiert das restliche Stadion, aufzustehen. Lieblingslied „Africa“ von Toto. Alles gesagt.

Minute 60 – Schlimme Feststellung um 17 Uhr 17 am Sonntag, dem 26. August 2018: Es gibt mehr Sorgen als es Bier gibt. Mindblowing.

Minute 59 – Ein Luzerner schiesst den Ball deutlich nach dem Pfiff des Schiris noch ins Tor. Doch Schiri Schnyder will die gelbe Karte nicht zeigen. R.S. vergräbt sich derweil im Kapuzenpullover. Ja, R.S. trägt kein Hemd. So schlimm stehts um uns.

Minute 55 – Ein Ballverlust im Mittelfeld führt zu einer Chance der Luzerner. Stojanovic kann erst noch abwehren, danach fallen aber irgendwie alle übereinander und der Ball flieht vor dieser Rudelbildung ins Tor. Die zweite Halbzeit ist noch keine zehn Minuten alt, und trotzdem hatte sich das schon abgezeichnet.

Minute 54 – Das war jetzt etwa eine Vierfach-Chance der Luzerner. Irgendwie kann Stojanovic den Ball aber mehrfach abwehren und zum Schluss sogar unter Kontrolle bringen. Das war knapp.

Minute 50 – (B)lessing setzt sich über rechts durch, spielt Nathan den Weisen im Zentrum an, doch der verpasst den Ball und Wissen. Beunruhigt müssen wir anerkennen, dass die Gäste hier verbessert aus der Pause kommen.

Minute 49 – War kurz weggetreten und habe nachgedacht. Erkenntnis: Einzig wahre Spieleröffnung ist der Anpfiff des Schiedsrichters.

Minute 48 – R.S. hat nachgelesen, was R.S. über ihn gesagt hat. R.S., jetzt leicht errötet.

Minute 46 – Halbzeit Zwei läuft.

16 Uhr 58 – Weil Teleclub auf den Stadionscreens für die Champions League wirbt, erklingt in der Arena die unverkennbare Hymne der Königsklasse. Dinge, die ähnlich deplatziert sind: . Habe nun zwei Minuten sinniert, hatte keinen Einfall. Nun gut.

16 Uhr 55 – Erst jetzt fällt mir auf, welch wohltuenden Ton die Stimme von R.S. hat. Klangfarbe: hoffnungsvolles Grün, mahnendes Rot, silberne Sehnsucht. Schlage ihn als neuen Sprecher von Justus Jonas bei den Drei Fragezeichen oder als neuen Tagesschau-Moderator vor.

16 Uhr 51 – R.S. steht jetzt unten und gibt ein Interview. Noch einmal fühlen wie beim Französisch-Vortrag in der Oberstufe, als Google-Sprachtools und gute-frage.net zu Freunden fürs Leben wurden. Nächtelang Angst geschwitzt und kaum geschlafen. So wärs bei mir, doch R.S. meistert den Auftritt souverän. Er manifestiert damit seinen Mentorstatus bei mir.

Pause – Die erste Halbzeit ist vorbei, sie endet torlos. Der FCSG hält das Ballbesitzmonopol, Luzern versucht es mutmasslich durch schnelles Umschalten nach Ballgewinn. So genau wissen wir das nicht, dafür sind wir zu parteiisch, zu angetrunken und – ehrlich gesagt – auch zu ahnungslos.

Minute 46 – Unmittelbar vor dem Pausenpfiff führen die St.Galler nochmals einen Corner aus. Quintilla (?) drückt das Spielgerät mit seiner Stirn knapp am Tor vorbei. Zumindest lässt das der verzweifelte Aufschrei („Neeeeeiiiii“) im Stadion erahnen. Könnte aber auch sein, dass jemand sein Bier verschüttet hat oder dass ein Zuschauer einen Jack-Wolfskin-Faserpelz trägt.

Minute 46 – Der FCSG ist näher an der Führung als sein Widersacher. Smells like green spirit.

Minute 43 – In den wenigen Augenblicken, in denen ich es schaffe, mich von Tinder, dem launigen App von elegant-kochten.de und dem Darknet loszuseisen, betrachte ich das Spielfeld und stelle fest, dass hauptsächlich die Espen am Ball sind.

Minute 40 – R.S. hat genug vom unseriösen, alkoholgetränkten Liveticker und ist dem Lockruf der grossen Bühne erlegen. Er wird in der Halbzeitpause ein Interview geben. Fühle mich nun einsam, emotional verwundbar, gedanklich rastlos. Es fehlt der teils bemitleidende, teils aufmunternde Blick meines Mentors.

Minute 35 – Kindliche Freude bei R.S., nachdem der Luzerner Mannschaftsarzt den Eisspray hörbar benutzt. Und plötzlich sind wir wieder 15-jährig, wappnen uns mittels penetrant riechendem Axe-Deo (Geschmack: „fever“) für den Piwi-Abend, wo mutmasslich auch Ramona zugegen sein wird.

Minute 34 – Itten legt mit der Hacke zurück. Frech, würde der Sportreporter hier sagen. Bringt aber auch nichts ein.

Minute 31 – Quintilla müsste eine gecastete spanische Boygroup heissen, die im Sommer 2019 einen geilen Hit („Amor Eterno“) hat, der in den europäischen Radiostationen rauf unter runter gespielt wird. 2020 kommt dann das Album, das halt schwach ist, weil Enriques, Josés und Fernandos Instrumenterfahrung sich auf zwei Wochen Flötenunterricht in der dritten Klasse beschränkt und Pitbulls Featuring mässig begeistert. Ende 2020 dann Auftritt beim DSDS-Finale, Anfang 2023 schlussendlich feierlicher Einzug ins Promi-Big-Brother-Haus.

Minute 30 – Ein Luzerner kuschelt sich im Strafraum ganz nahe an Itten. Über soviel Nähe kippt Itten um. Schiri Schnyder bewertet die zwischenmenschliche Nähe als nicht penaltywürdig.

Minute 27 – Wir möchten an dieser Stelle über eine Veränderung im Unternehmen der SENF-Mediengruppe berichten. Neu gehört das aufstrebende Zürcher Lokalblatt „NZZ“ zu unserem Konzern. Die Verwaltungsratspräsidenten beider Gesellschaften sind sicher, so für die Zukunft in einem herausfordernden Marktumfeld bestens gewappnet zu sein.



Minute 23 – Leider verpasse ich die Ausführung einer verheissungsvollen Freistossposition des FCSG, da ich mit lebenselementaren Inhalten (Bier) beschäftigt bin. Also frage ich R.S. nach dem exakten Sachverhalt: „Wa ich etz passiert?“ R.S. antwortet gewohnt vage: „Gar nüt.“

Minute 22 – Leserin A.R. aus Portugal vermisst Adrenalin. Wir auch :'(.

Minute 21 – Ein kurzer Eckball, der tatsächlich zu einer Chance führt. Gabs das schon mal? Ben Khalifa haut den Ball aber übers Tor.

Minute 21 – Wir verschieben unsere übliche Samstagabendtätigkeit – Dinge schön trinken – um einige Stunden auf Sonntagnachmittag. Spiel ist kurzweilig nach drei Bier. Und ich schwöre, das Mädchen an der Getränkeausgabe hat mir eben zugezwinkert.

Minute 19 – Habe eben statt „Lustlosigkeit“ unabsichtlich zuerst „Lustiglosigkeit“ eingetippt. Die Stufe über Trostlosigkeit. Nehmen wir.

Minute 15 – R.S. in der schummrigen Grauzone zwischen Gleich- und Lustlosigkeit: „I mach denn no de Biitrag.“ Beide haben wir wieder unser Seelenheil in die Hände dieses launischen, stets am emotionalen Abgrund balancierenden FCSG gelegt. Im Wochenrhythmus, seit Jahren, beratungsresistent. Konsequent unglücklich. Und wenn wir was machen, dann eben richtig.

Minute 13 – Zum ersten Mal wirds wirklich gefährlich. Itten kommt nahe vor dem Tor an den Ball, kann ihn aber nicht genügend kontrollieren. Es gibt einen Eckball, der zu nichts führt.

Minute 11 – Wir unterbrechen den Ticker für eine Werbepause: In drei Tagen erscheint der neue SENF! In der zehnten Ausgabe feiern wir Jubiläum und haben nicht nur ein Heft geschrieben, sondern gleich auch eine CD produziert. Auf dieser zu finden ist ein Abstecher durch die St.Galler Fussballgeschichte als Hörspiel. Begleitet von St.Galler Musikern und Anti-Musikern. Eine Hörprobe gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=Grb9pufuJSo. Der Release findet am Mittwoch, 29. August, ab 20 Uhr im Bierhof statt. Weitere Infos auf www.senf.sg

Minute 7 – Das Bier führt mittlerweile mit drei Toren Vorsprung gegen die schmerzhaften Erinnerungen des vergangenen Samstagabends. Einige Erinnerungsfetzen dringen noch durch in Kopf und Herz, doch der weisse Ball, grün-weisse Trikots und Bier lenken die zweifelnden Gefühlseventualitäten in geordnete Bahnen. Glücklich ist, wer es schafft, Eventualitäten zu verdrängen.

Minute 6 – St.Gallen ist in den Startminuten öfter im Ballbesitz, kommt aber nicht zu zwingenden Chancen.

Minute 2 – Das Spiel bisher ereignisarm. Enttäuschend. Wir widmen uns deshalb dem Spielfeldrand, wo René Weiler steht. Der Pep Guardiola des Schweizer Fussballs, nur eben mit Haaren. So tiefgründig kann er also nicht über Fussball philosophieren, wissen wir doch, dass die grossen Denker der Menschheit unter Haarausfall litten. Lenin, Oli P., um nur zwei zu nennen.

Minute 1 – Das Spiel läuft.

15.57 Uhr – Die Mannschaften betreten das Feld. Wie üblich konsultieren wir unsere weitreichende Statistikdatenbank und stellen fest: Im Schnitt hat der FCSG in den ersten vier Spielen 1,75 Tore geschossen, 1,75 Tore erhalten und 1,75 Punkte erzielt. Besonders erfolgreich waren die St.Galler übrigens in den ersten 15 Minuten (2 Tore geschossen, keins erhalten).
15.49 Uhr – Endlich wieder Fussball. Und trotzdem sind wir nicht nur glücklich. Vergangene Woche kam das definitive Aus für Adrenalin bei Toxic.fm. Das hier ist nicht der Ort für eine Diskussion darüber. Aber wir möchten doch eines sagen: Danke Jaan, danke Lukas, danke Michi, danke Philipp. Ohne euch fehlt etwas!
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