, 22. November 2014
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Feier für Tagwerker

Bernard Tagwerker erhält heute abend in der Lokremise St.Gallen den grossen St.Galler Kulturrpreis. Kein Zufall – sondern die verdiente Ehrung für einen Meister des Zufalls.

Mit Zufallstheorie und -praxis kennt er sich aus: Bernard Tagwerker (Jahrgang 1942) arbeitet seit rund vier Jahrzehnten künstlerisch dem Zufall in die Hände oder besser: lässt sich vom Zufall den Stift führen. In den Anfängen war es noch die Künstler-Hand, die sich führen liess. Ein Bild wie „Konstellation“ (1977) zum Beispiel entstand so: Tagwerker teilte die Bildfläche in einen Raster mit Zahlen von 0 bis 999 ein. Per Los bestimmte er den Anfangspunkt einer Linie sowie deren Schlusspunkt. Nun wurde noch die Art des Stifts (Graphit oder Kreide) durch Würfeln bestimmt, und dann ging es los mit Linienziehen – ein Experiment mit ungewissem, aber optisch faszinierendem Ausgang.

Später übernahm der Computer die Hand-Arbeit, die Zahl der Felder, Pixel gewissermassen, hat sich verhundertfacht. Doch die Neugier (und zugleich Demut) des Künstlers blieb dieselbe: Er misstraut der romantischen Vorstellung vom schöpferischen Künstler-Ich und setzt stattdessen auf die Überraschungseffekte des Zufallsgenerators.

tagwerker_rabDas ästhetische Resultat freue ihn zwar, aber interessiere ihn nicht in erster Linie, sagte Tagwerker dazu in einem Künstlergespräch mit Karin Bühler in der Trogner Rab-Bar kürzlich. Ihn interessiere das Konzept Zufall an sich, und das Entwickeln der passenden Algorhythmen. Dass ihn das Resultat weniger kümmere, ist typisch Tagwerker’sche Bescheidenheit – denn die abstrakten „Wimmelbilder“ sind eine Schaulust, in der man sich verlieren kann.

Mehr dazu kann man am heutigen Abend erfahren, wenn Bernard Tagwerker den grossen, mit 30000 Franken dotierten Kulturpreis der Stadt St.Gallen entgegennimmt – mehr möglicherweise auch zum jüngsten Forschungsfeld des Künstlers, mit dem er einmal mehr technologische Pionierarbeit leistet und das er ebenfalls in Trogen vorstellte: computergenerierte Skulpturen in 3D.

An der Feier von heute Abend würdigt der Liechtensteiner Museumsdirektor Friedemann Malsch Tagwerkers Werk. Und der Pianist Stefan Wirth spielt Musik von Edu Haubensak, einem Komponisten, der mit neuen Stimmungen (Skordaturen) experimentiert – und damit an die Musik ähnlich elementare Fragen stellt, wie dies Tagwerker in der Kunst tut.

Kulturpreis der Stadt St.Gallen für Bernard Tagwerker: heute Samstag 22. November 18 Uhr, Lokremise St.Gallen

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