, 1. Juli 2021
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Festival für alle und für Zimmerpflanzen

Ein Rathaus haben alle Städte. Ein Rathaus für Kultur hat nur Lichtensteig. Dort und im ganzen Städtli gibt es drei Wochen lang coronakonforme und facettenreiche Kultur – «Kultur verussen».

Lynn Aineo macht den Auftakt zu «Kultur verussen». (Bild: pd)

Das stattliche Haus im engen Städtli hat es in sich: 2019 ist die Stadtverwaltung um- und die Kultur eingezogen. Seither ist das alte Rathausgebäude die kulturelle Denk- und Arbeitszentrale des kleinen Orts – und der Region drumherum.

Der Himmel ist das Zelt

Erdacht und programmiert wurde dort nun auch «Kultur verussen»: ein Festival, das nicht auf Innenräume angewiesen ist, das Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten eine lange vermisste Plattform bietet und das mit Vielfalt lockt. Konzerte, Zirkusaufführungen und Spoken Word-Anlässe sind geplant.

Das Duo Mischgewebe ist ebenso gebucht wie die in Zürich lebende Singer-Songwriterin Lynn Aineo oder die 2018er BandXost-Gewinnerin Riana. Der Baselländer Zirkus FahrAwaY – Motto: «Der Himmel ist das Zelt» – gastiert, das Duo Künzi & Frei wird auftreten und andere mehr. Auf dem Rathausplatz ist die Sommerbar installiert.

Ausserdem wird das ganze Städtchen zur Kunstzone. Künstlerinnen und Künstler aus der Ostschweiz und von weiter weg haben an den verschiedensten Stellen Kunst installiert.

Kilian Rüthemann beispielsweise verwandelt ein unscheinbares Postfach zur Videokoje: In diesem halböffentlichen Raum zeigt der für seine präzisen, ortsspezifischen Plastiken bekannte Künstler eine frühe Arbeit.

Kultur verussen: 1. bis 18. Juli, diverse Orte in Lichtensteig

rathausfuerkultur.ch

Silke kleine Kalvelage ist fasziniert von den Kugelbahnqualitäten einer Tiefgarageneinfahrt. An einem der Giebelausleger, an denen früher die Waren bis unter die mittelalterlichen Dächer gezogen wurden, hängen dank Johanna Gschwend jetzt Turnringe.

Die Arbeiten von Johanna Gschwend, Silke kleine Kalvelage und Anna Diehl. (Bilder: Hanes Sturzenegger)

Fridolin Schoch, Domingo Chaves und Edmée Laurin, zusammen als Attic-collective unterwegs, hatten mit Putzlumpen und Schwamm bereits die Einkaufszone in Wil verwandelt und lassen jetzt einen Tumor an einer Hauswand wachsen – gewarnt sei, wer sich in den letzten Monaten einen Reinlichkeitsfimmel zugelegt hat.

Schlupflöcher für die Kunst

Aber auch für die Zimmerpflanzen war das vergangene Jahr kein leichtes, mussten sie doch Tag für Tag die gestressten Home Office-Gspänli ertragen. Deshalb organisiert Jan Georg Glöckner für sie ein kleines Festival im Festival. Treffpunkt dafür ist die historische Bleisatzdruckerei in Lichtensteig.

Brunnen, Hausecken, Durchfahrten – die Kunst findet Schlupflöcher. Mal sind die Arbeiten der knapp zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstler versteckt, mal stellen sie sich in den Weg oder sind unübersehbar wie die Fahnen von Elisbaeth Nembrini an der Fassade des Toggenburger Museums.

Elisabeth Nembrinis Fahnen.

Ein Spaziergang durch den ganzen Ort ist also ein Muss.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

 

 

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