Das stattliche Haus im engen Städtli hat es in sich: 2019 ist die Stadtverwaltung um- und die Kultur eingezogen. Seither ist das alte Rathausgebäude die kulturelle Denk- und Arbeitszentrale des kleinen Orts – und der Region drumherum.
Der Himmel ist das Zelt
Erdacht und programmiert wurde dort nun auch «Kultur verussen»: ein Festival, das nicht auf Innenräume angewiesen ist, das Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten eine lange vermisste Plattform bietet und das mit Vielfalt lockt. Konzerte, Zirkusaufführungen und Spoken Word-Anlässe sind geplant.
Das Duo Mischgewebe ist ebenso gebucht wie die in Zürich lebende Singer-Songwriterin Lynn Aineo oder die 2018er BandXost-Gewinnerin Riana. Der Baselländer Zirkus FahrAwaY – Motto: «Der Himmel ist das Zelt» – gastiert, das Duo Künzi & Frei wird auftreten und andere mehr. Auf dem Rathausplatz ist die Sommerbar installiert.
Ausserdem wird das ganze Städtchen zur Kunstzone. Künstlerinnen und Künstler aus der Ostschweiz und von weiter weg haben an den verschiedensten Stellen Kunst installiert.
Kilian Rüthemann beispielsweise verwandelt ein unscheinbares Postfach zur Videokoje: In diesem halböffentlichen Raum zeigt der für seine präzisen, ortsspezifischen Plastiken bekannte Künstler eine frühe Arbeit.
Kultur verussen: 1. bis 18. Juli, diverse Orte in Lichtensteig
rathausfuerkultur.ch
Silke kleine Kalvelage ist fasziniert von den Kugelbahnqualitäten einer Tiefgarageneinfahrt. An einem der Giebelausleger, an denen früher die Waren bis unter die mittelalterlichen Dächer gezogen wurden, hängen dank Johanna Gschwend jetzt Turnringe.
Die Arbeiten von Johanna Gschwend, Silke kleine Kalvelage und Anna Diehl. (Bilder: Hanes Sturzenegger)
Fridolin Schoch, Domingo Chaves und Edmée Laurin, zusammen als Attic-collective unterwegs, hatten mit Putzlumpen und Schwamm bereits die Einkaufszone in Wil verwandelt und lassen jetzt einen Tumor an einer Hauswand wachsen – gewarnt sei, wer sich in den letzten Monaten einen Reinlichkeitsfimmel zugelegt hat.
Schlupflöcher für die Kunst
Aber auch für die Zimmerpflanzen war das vergangene Jahr kein leichtes, mussten sie doch Tag für Tag die gestressten Home Office-Gspänli ertragen. Deshalb organisiert Jan Georg Glöckner für sie ein kleines Festival im Festival. Treffpunkt dafür ist die historische Bleisatzdruckerei in Lichtensteig.
Brunnen, Hausecken, Durchfahrten – die Kunst findet Schlupflöcher. Mal sind die Arbeiten der knapp zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstler versteckt, mal stellen sie sich in den Weg oder sind unübersehbar wie die Fahnen von Elisbaeth Nembrini an der Fassade des Toggenburger Museums.
Elisabeth Nembrinis Fahnen.
Ein Spaziergang durch den ganzen Ort ist also ein Muss.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
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Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
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An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung