, 8. September 2014
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Festivalsommer 2014: Ein Schlag ins Wasser?

Der Festivalsommer 2014 fiel mancherorts ins Wasser. An den schlechten Besucherfrequenzen ist allerdings das miese Sommerwetter nicht allein schuld. Eine Sommerbilanz zum Herbstanfang von Cornel Amerraye.

September, und endlich gibt sich die Sonne etwas grosszügiger – der richtige Zeitpunkt also für eine Bilanz der sommerlichen Festivals. Allen Regenfluten und Unkenrufen zum Trotz: Viele Open-Air-Veranstaltungen in der Region wiesen dieses Jahr gute Besucherfrequenzen aus. So etwa das Openair St.Gallen, das in Rekordzeit ausverkauft war. Das Clanx-Festival in Appenzell, das am vorletzten Wochenende über die Bühne ging, verzeichnete sogar einen Besucherrekord, und auch das Open-Air-Festival «Sur le Lac» in Eggersriet lief, trotz spätabendlichem Starkregen, gut.

Doch gab es in diesem Sommer auch viele Veranstaltungen, die nicht die erhofften Zuschauerzahlen anzulocken vermochten. Zu ihnen gehören die diversen Open-Air-Kinos von Arbon bis St.Gallen, aber auch das Kulturfestival im Historischen Museum St.Gallen. Ebenfalls zum Schlag ins Wasser wurden dieses Jahr das Sonnentanz-Festival in Jonschwil, das Tattoo in St.Gallen oder das Arboner Seenachtsfest.

Natürlich kann vielerorts das schlechte Wetter als Grund für den Besucherrückgang angeführt werden. Doch das greift zu kurz, etwa bei einem Military-Tattoo in St.Gallen, das ja eine Indoor-Veranstaltung ist. «Probleme mit Besuchern haben generell Veranstaltungen, die wenig Individualität ausstrahlen oder einfach auf einen aktuellen Trend aufspringen», sagt Thomas Dürr, CEO von Act Entertainement AG in Basel, einem Grossveranstalter. Dürr ergänzt, das sei wie beim Cirque du Soleil: «Beim ersten Besuch sind die Zuschauer überwältig, beim zweiten Mal sind sie noch begeistert und beim dritten Mal wird’s langweilig.»

Auch drängen sich laut Dürr immer mehr Veranstalter auf den Markt, die über wenig Erfahrung und noch weniger Herzblut verfügen. Ob er damit zum Beispiel die FC St.Gallen Event AG meint? Diese landete vor einem Jahr mit dem wenig kreativen Engagement der Toten Hosen noch einen Treffer und füllte die AFG-Arena. Dieses Jahr mit Elton John aber scheiterte sie gewaltig und verkaufte nur 17’000 der anvisierten 27’500 Tickets. «Das Musik-Business ist extrem schnelllebig, da kann ein sicherer Wert über Nacht zum Flop werden», sagt Thomas Dürr.

«Die Besucher sind wählerischer geworden», sagt auch Christoph Sprecher vom Produktionsbüro Ost GmbH in St.Gallen: «Die Trends sind viel schnelllebiger. Am besten überleben Veranstalter, die mit ihren Events eine Marke schaffen können und damit ein zuverlässiges Stammpublikum finden.»

Die harten Zahlen zum Ausgehverhalten des Schweizer Publikums liefert die Statistik der Swiss Music Promoters Association, in der die grössten Konzert- und Festivalveranstaltungen der Schweiz erhoben werden. Laut dieser Statistik nahm die Zahl der Besucherinnen und Besucher zwischen 2008 und 2013 um etwa 8 Prozent zu und betrug letztes Jahr knapp 5 Millionen. Allerdings stieg die Zahl der Events in diesem Zeitraum um nicht weniger als 40 Prozent.

Kurz gesagt: Der Kuchen wurde grösser, die Zahl der Mitesser stieg aber noch viel stärker an. Es ist anzunehmen, dass der nasskalte Sommer 2014 bei den Besucherzahlen eine Trendumkehr eingeleitet hat.

1 Kommentar zu Festivalsommer 2014: Ein Schlag ins Wasser?

  • Marcel Baur sagt:

    Wetter und Individualität sind nur 2 Faktoren.
    Ich persönlich würde sehr gerne die Eine oder Andere Veranstaltung mehr besuchen. Das scheitert aber leider sehr häufig am Finanziellen. Am kommenden Wochenende zum Beispiel ist das 3 Weihern Unplugged in St. Gallen angesagt. Ein Besuch mit meiner Familie (12+) schlägt da mit 480 CHF exkl. Verpflegung eine ziemliche Kerbe ins Budget.
    Dies ist ein Grund, weshalb sich sehr viele überlegen, wann und wo sie Veranstaltungen besuchen können und wollen.
    Bei dem Angebot, gerade wenn man ein breiteres Spektrum an Kultur mag, müssen sich wohl die meisten einschränken.
    Selbstverständlich gibt es auch sehr kostengünstige Angebot bis hin zu Gratis-Events, aber die haben dieses Jahr leider meinen Geschmack etwas weniger gut getroffen.

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