Unter anderem finden Workshops und Führungen statt, und ein Teil des Projekts spielt sich im Ausstellungsraum von Nina Keel im St.Galler Linsebühlbau statt. Die Kuratorin hatte Anfang Jahr Architektinnen und Innenarchitektinnen mit Bezug zur Ostschweiz aufgerufen, Konzepte für die Bespielung dieses Raums einzureichen.
Im Juni hatte Eva Lanter mit farbigen Isolationsplatten den Raum zu einem Spiel der Geometrie und Pastellfarben verwandelt. Jetzt im Juli beschäftigt sich die Architektin und Künstlerin Katia Rudnicki mit Fliesen und Fugen.
Katia Rudnicki. (Bilder: pd)
Rudnicki hat in den letzten Monaten Betonfliesen mit unterschiedlichen organischen Vertiefungen entwickelt, die sie auf einer geneigten Wand anbringt. Darüber giesst sie eine Fugenmasse, die als Rinnsal zum gestalterischen Element wird. Für St.Gallen hat sie ein trapezförmiges Fliesenbild von drei Metern Höhe und vier Metern Breite geschaffen. Aufgrund seiner Dimension kann es nicht gehängt, sondern einzig an die Wand gelehnt werden und definiert den Raum so neu.
Katia Rudnicki ist in St.Gallen aufgewachsen und arbeitet heute als freischaffende Künstlerin in Berlin.
Im August werden die beiden Architektinnen Michelle Bont und Milena Clalüna eine geheimnisvolle Atmosphäre schaffen, indem sie den Raum mit einem deckenhohen Spiegel unterteilen und verschiedene Farbräume gestalten. Zusammen mit Licht und Schatten und dem Einbezug des angrenzenden Strassenraums ergibt sich eine kontinuierliche Veränderung.
Michelle Bont / Milena Clalüna.
An der Spiegelkante erleben Betrachter:innen die Faszination, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Es geht um die Frage: Was schafft eigentlich Raum? Milena Clalüna ist im Engadin aufgewachsen, Michelle Bont in Altstätten. Sie führen zusammen das Büro Clalüna Bont Architektur.
Katia Rudnicki: 2. bis 23.Juli, Vernissage: 2. Juli 17-20 Uhr Michelle Bont und Milena Clalüna: 6. bis 27.August Espace Nina Keel, Linsebühlstrasse 25, St.Gallen, Donnerstag 17 bis 19 Uhr und Freitag 15 bis 18 Uhr
ninakeel.com kalena.ch claluenabont.ch
Mit bauenden Frauen beschäftigen sich auch mehrere Stadtrundgänge. Am 11. August ist Felix Rutishauser in Frauenfeld unterwegs mit den Architektinnen Lena Stäheli und Joëlle Thomas. Rebekka Ray führt am 12. August mit der Denkmalpflegerin Bettina Hedinger ebenfalls in Frauenfeld zu Bauten von Susi Müller-Gehrig.
In St.Gallen gibt es am 21. August einen Rundgang durchs Linsebühl mit Michelle Bont und Milena Clalüna, und am 6. September wird das Thema an einem Podium im Architektur Forum Ostschweiz vertieft.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache