All male lineups are all the rage. Wie beispielsweise das DJ-Lineup im Casa Bacardi am diesjährigen Openair St.Gallen, auf dem nur cis Männer stehen. Und das restliche Lineup ist kaum besser.
Das führte zurecht zu einem kleinen Shitstorm. Da werden Geld, Aufmerksamkeit und schmüddige Drinks der Gruppe zugeschoben, die eh schon mehr als genug davon kriegt. Und allen anderen wird damit suggeriert: Ihr gehört da nicht hin. Und in einem Feld, dessen Diversität regelmässig an Branchenevents und in Me- dien besprochen wird, ist solch ein Line-up mindestens fahrlässig. Also fordern Aktivist:innen (und auch Saiten in einem Newsletter): Keine Pimmelparty, bitte. Und: Mehr FLINTA auf der Bühne.
FLINTA steht für Frauen, Lesben, intersexuelle, nonbinäre, trans und agender Menschen. Dass «Lesben» da drin sind, bezieht sich nicht auf lesbische Sexualität, sondern entspringt wohl dem 80er- Feminismus von Monique Wittig, die «Frau» als Kategorie sieht, die nur innerhalb eines patriarchalisch heterosexuellen Systems existiert. Frauen, die sich dem durch Beziehungen zu anderen Frauen entziehen, sind also keine Frauen, sondern Lesben.
Das Definieren von «Frau» anhand ihrer Unterdrücker ist heute keine sehr populäre Praxis mehr. Der FLINTA-Begriff aber möchte genau das und alle umfassen, die aufgrund ihres Geschlechts dis- kriminiert werden. Was auf den ersten Blick nützlich scheint, führt in der etwas ignoranten aktivistischen Praxis aber zu viel Bullshit.
Mit FLINTA meinen viele nämlich einfach Frauen und Menschen, die sie als Frauen lesen, auch wenn die eigentlich keine sind. Nonbinäre Menschen mit Brüsten beispielsweise. Trans Männer hingegen kriegen beim Betreten von FLINTA-Räumen gerne mal kritische Blicke ab – bis sie sich dann als trans zu erkennen geben, als eben nicht die Unterdrücker, als nicht wie all die anderen Männer. Und wenns um FLINTA im Lineup, um «keine Pimmelpartys» geht, dann werden da plötzlich Menschen unterschiedlichster Geschlechter auf ihre Geschlechtsteile reduziert.
Wenn cis Feminst:innen also am Openair St.Gallen nächstes Jahr mehr Menschen mit Vulven auf der Bühne wollen – fair, die sind sicher unterrepräsentiert. Aber FLINTA können nun mal Penisse haben. Und statt ans Openair zu gehen, feiere ich dann halt mit denen eine Pimmelparty, so wie die erste Pride eine Pimmelparty von trans Frauen war. Dann läuft So I von Charli XCX auf Repeat, in dem die cis Musikerin den unheimlichen Impact anerkennt, den die trans Musikerin SOPHIE auf heutigen feministischen Pop hatte. Und auch ansonsten werden wir bei unserer Pimmelparty wohl den besseren Sound haben als in einem All-Vulva-Bacardi-Dome, denn wenn wir schon nach Geschlechtsteilen ordnen: Die Girls mit Penis, die ich kenne, sind bessere DJs als die ohne.
Mia Nägeli, 1991, arbeitet nach einer Journalismusausbildung und ein paar Jahren bei verschiedenen Medien heute in der Musikbranche in der Kommunikation, als Tontechnikerin und als Musikerin.
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Musiktheater
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«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
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Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
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Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung