Für ihn ist klar: «Das ist ein Coming-Out-Song. Und zwar der grösste aller Zeiten.» Roman Riklin spricht vom Queen-Klassiker Bohemian Rhapsody. Dem Inhalt, wie er ihn versteht, ist er auf die Spur gekommen, als er den Text ins Schweizerdeutsche übersetzt hat. Queen-Sänger Freddie Mercury habe darin, wenn auch verklausuliert, seine lange verheimlichte Homosexualität und den Kampf gegen seine schwulenfeindliche Umgebung thematisiert.
Die These ist nicht neu, der teils verrätselt wirkende Text hat schon viele Exegeten auf den Plan gerufen – aber jetzt kann man sie quasi live nachvollziehen.
Die Bohemian Rapsody fängt jetzt so an: «Isch da do d’Würklichkeit? Isch da bloss Fantasie?». Sie beschliesst die zweistündige Mundartshow, die Riklin und sein Secondhand Orchestra Freddie Mercury widmen, punktgenau 30 Jahre nach dem Aids-Tod des Sängers im November 1991. Riklin hat die Songtexte übersetzt und arrangiert und bringt sie mit bewährten Mitstreiter:innen auf die Bühne: Daniel Schaub, Adrian Stern und Irene Müggler aka Frölein Da Capo.
Das Secondhand Orchestra: Roman Riklin, Adrian Stern, Frölein Da Capo, Daniel Schaub. (Bild: pd)
Riklin hat Erfahrung mit Umtextungen: 2017 hat der St.Galler Musiker und Komponist in SGT. Pepper bereits Beatles-Klassiker ins Schweizerdeutsche transportiert. Jetzt kommt zum Beispiel der Queen-Hit Bicycle Race so selbstverständlich als Rennvelo daher, als hätte er schon immer so geheissen.
Freddie – die Mundartshow: 12., 13., 19. und 20. November, Presswerk Arbon und 24. bis 27. November, Casinotheater Winterthur
secondhandorchestra.ch
Freddie sei zwar unerreichbar, relativierte Schaub in einem SRF-Vorbericht – aber ihre Fassung könne neue Perspektiven auf die Musik und neue Zugänge zu den Texten eröffnen. Ergänzend zu den Queen-Originalen haben die vier Musiker Hommage-Songs an Freddie geschrieben. Und den zeitgeschichtlichen Hintergrund liefert Radio-Altmeister Francois Mürner per Video. Mürner war damals in London und gehörte zu den ersten, die die Bohemian Rapsody als «Meisterwerk», wie er sagt, erkannten und sendeten – trotz der legendären, radiofeindlichen Länge des Stücks.
Queen auf Mundart? Zur Premiere im Oktober am Zürcher Hechtplatztheater kommentierte der SRF-Kulturplatz: «Was sich wie ein Sakrileg anhört, entpuppt sich im Theater als stimmiges Experiment.» Und in einem Radiobeitrag hiess es überschwänglich: «Der Abend geht durch die Decke.»
Nach dem Start im Zürcher Hechtplatz tourt die Produktion mit rund 50 Vorstellungen in der Deutschschweiz. «St.Gallen müssen wir mangels geeignetem Raum leider auslassen», teilt Riklin mit. Je vier Vorstellungen sind jedoch im November in Arbon (im Presswerk) und Winterthur (Casinotheater) terminiert.
Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.
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