6. Januar
«Jazz Upstairs» heisst es heute, ein super Club hoch oben im mindestens sechsten Stock im Thamel-Quartier. Das hauseigene Soundsystem ist etwas schwierig, heraus kommt nur Mono, wahrscheinlich eine Folge der Power-Breaks und darauffolgenden Generatorenstarts, bei gleichbleibender Volume-Öffnung. Ein schwieriger Start. Ein lauthals telefonierender Nepali unmittelbar vor der Bühne treibt mich ziemlich auf die Palme. Unsere Reaktion darauf ist ein Punch-in in «Fresh Sound from Switzerland». Den ersten Stromunterbruch umspielen wir elegant. Die folgenden, zum Teil nur Sekundenbruchteile dauernden Blackouts strapazieren meine Maschinen allerdings aufs äusserste.
Das Nomadton-Soundgewitter aus Kathmandu:
7. Januar
Einladung des Business-Freundeskreises, eine reine Männergesellschaft, auf den roten Teppich. «Red Carpet», so heisst die Location am Durbar Marg. Zuerst wird eine Website-Projektion präsentiert, danach geben wir unsere dreissig Minuten «Fresh Sound From Switzerland», vor wunderbarem Hintergrund, Direktblick durch eine Panoramascheibe live in die dampfende, geschäftige Restaurantküche. Alle Gäste haben auf Flüssiges zu warten bis zum Ende des Konzerts. Der Run auf die Drinks danach ist dementsprechend heftig, ihren Abgang machen die Teilnehmer mehr als angeheitert. Unser Taxi erleidet bei der nächtlichen Heimfahrt einen Plattfuss. Es heisst, mindestens die Hälfte des Gepäcks auszuladen, um zum Reserverad vorzudringen. Beim erneutem Losfahren erwischen wir gleich noch ein Schlagloch, jedoch ohne unmittelbare Folgen.
8. Januar
Das Mandala Theater ist ein überaus umtriebiger Ort, geführt von einer bunt gemischten Community von Theater-Enthusiasten. Viel gemischtes interessiertes Publikum, darunter auch ein lokaler Sitar-Star, Dr. Dhrubesh Chandra Regmi, und nicht zu vergessen unsere treue Fan-Entourage. Den Schluss macht wieder eine Kathas- und Blumenübergabe mit Fotoshooting. Von diesem Anlass erscheint noch am Tag unserer Abreise ein Bericht in der Himalaya Times.
Der Gig im Mandala Theater:
9. Januar
Der heutige Auftritt ist nochmals ein kurzzeitig abgemachter. Auf geht es zum «Art Club Newar». Ein extrem dichter Verkehr, eine Taxifahrt quer durch die Freitagabend-Stadt, ein ewiges stop and go lässt uns ziemlich verspätet ankommen. Die Zuhörer warten bereits. Blitzaufbau und Beginn, von Null auf Hundert. Die Reaktionen des Publikums schwanken zwischen Begeisterung und Konsternation. Es folgen Fragen über Fragen. Was sind das für Instrumente? Was ist der Hintergrund unserer Musik? Warum machen wir das so? Was ist die Botschaft, wenn es denn eine gibt? Dann müssen Fotos gemacht werden, Gruppenfotos. Ein Berg von iPhones und Fotoapparaten muss vom Fotografen abgearbeitet werden.
10. Januar
Der letzte Tag. Nochmals ein Auftritt im «Base Camp», dem Lokal mit dem Everest im Hintergrund. Kein Fazit an dieser Stelle. Entlang der überwältigenden Himalaya-Kette fliegen wir nach Hause.
Heimflug mit Aussicht auf unglaubliche Berge:
Konzertdaten und mehr auf dem Nomdaton-Blog.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.