Was die ersten paar Takte lang noch ein bisschen wie eine süsslich-zäuerlender Frauenchor klingt, entwickelt sich rasch zum mysteriösen Tagtraum. Bass. Die Realität bekommt einen Riss, etwas Dunkles kriecht aus dem Untergrund hervor, bricht auf, bahnt sich seinen Weg.
«From the deepest depths / a shadow rose into the shallows / breaking the surface /of my darkest inner lake», singt die St.Gallerin Skiba Shapiro. Im Hintergrund: Kratzen, Klopfen, Knurren. Echos, Gitarren- und Wasserspiele, vielfach übereinandergeschichtet, episch. «A silver tongue and eyes of glass / it heaves itself onto land / the beast has no words / it only sings a wondrous song.»
Melody From A Dream ist die erste Single der «neuen» Hopes & Venom und basiert auf einer Melodie, von der Skiba Shapiro geträumt hat. Seit ihr Drummer Jorin Engel die Band im vergangenen Herbst wegen eines Auslandaufenthalts verlassen hat, führt die umtriebige Multiinstrumentalistin, die auch Teil der Ostschweizer Formation Lou Ees ist, die Band als Soloprojekt unter dem Namen Skiba Shapiro weiter – und stösst sich auch musikalisch neue Türen auf: Ihr derzeitiger Sound ist weniger rau, weniger rockig, dafür schwebender, organischer, gluckriger und angenehm verschroben. Man weiss nicht, ob man sich noch im halbwegs verwunschenen Garten oder schon tief in den Fängen der Grinsekatze befindet.
Videopremiere: 27. April, 20 Uhr, Bahnhof Bruggen
9014.ch, hopesandvenom.com
Diesen Freitag präsentiert Skiba Shapiro zusammen mit dem Tanzduo «FII» (Mina Freuler & Elina Kim) das Video zu Melody From A Dream. Wie auch die Live-Shows ist das Video eine Kollaboration der drei Frauen. Skiba ist für Regie und Schnitt zuständig, Mina Freuler und Elina Kim für den getanzten Mix aus Vogueing und modernem Ballett. Das Video zum neuen Song ist Mitte März entstanden, unter anderem im Jugendkulturraum flon, «mit ganz viel Plastik und Algen».
Die Videopremiere auf der grossen Leinwand samt kleinem Konzert findet im Bahnhof Bruggen statt, der im letzten Jahr löblich aufgemöbelt wurde und seither allerhand gute Gäste von nah und noch näher beherbergt, darunter die sagenhafte St.Gallerin Lalier und den begehrten Soundtüftler Pablo Nouvelle.
«Der Abend soll auch einen Einblick geben in meine neue Soundwelt», sagt Skiba voller Vorfreude. «Mina und Elina planen dazu eine etwas speziellere Performance, und dazwischen wird Jony Makalova düstere Musik auflegen.»
Dieser Beitrag erschien (leicht abgeändert) im Aprilheft von Saiten.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
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