, 10. Januar 2014
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Frühling für die Ohren

Am vergangenen Donnerstag hat die Sanktgallerin Nathalie Maerten ihr erstes Album Life Track im Palace getauft. Zusammen mit ihrer 6köpfigen Band Sika Lobi.

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Der Sound von Nathalie Maerten und ihrer Band Sika Lobi passt zum Wetter in den letzten Tagen: da und dort vielleicht einige Wolken, aber überwiegend sonnig mit Aussicht auf Gartenbeiz. Frühling für die Ohren. Irgendwie.

Von Frühling sprechen geht bei uns ja eigentlich nur, wenn es zuvor kalt und düster war. Das war es in Nathalie Maertens Leben: Vor drei Jahren wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Operationen, einsame Stunden im Spital, Chemotherapie – auf dem Debütalbum Life Track der 37jährigen Musikerin ist wenig davon zu spüren.

Umso deutlicher dafür sind die Spuren dessen, was die Krankheit und der Weg zurück ins Leben mit ihr gemacht haben. Die Soul-Scheibe ist vollgepackt mit guter Laune, Lebensmut, Dankbarkeit und Consciousness. Reumütige und nachdenkliche Zwischentöne gibt es zwar, doch echte Melancholie ist anders.

Dass das nicht nur auf CD gepresste Fassade ist, beweist sie spätestens wenn sie singt. Plattentaufe am Donnerstag im Palace: Der Saal ist voll bis zum Balkon, in der Mitte steht Nathalie mit rotem Mantel und Hut auf der Bühne. Sehr beim Publikum. Noch näher bei sich.

Und sie beweist zwei weitere Dinge:

  1. Gute Musik bleibt gute Musik. Mit Life Track hat sie das Rad nicht neu erfunden. Es sind funkige Soul-Tracks mit Reggae-Elementen und poppigem Einschlag. In bester Singer-Songwriter-Tradition. Sie würden unplugged ebenso funktionieren wie als Metall-Version.
  2. Gute Musik braucht keinen Schnickschnack. Eine klasse Stimme und eine Band, mehr braucht es nicht. Vorausgesetzt man singt so wie Nathalie. Dann verzeiht das Publikum gerne mal eine kleine Unsicherheit. Und es stört auch nicht, wenn der Sound stellenweise etwas blechern abgemischt ist. Solche «nackten» Performances sind nach wie vor der beste Indikator für Qualität – besonders heutzutage, wo die Charts mit Autotune-Hits zugepflastert sind.

Nach dem Konzert, Nathalie ist zufrieden. «Etwas eingespielter könnten wir noch sein, aber das kommt alles». Ihre Musik bezeichnet sie als hymnischen Soul. «Eine Hymne ans Leben?»
«Auch. Ich lebe heute bewusster. Die Krankheit hat mich vieles gelehrt.»
«Das Album als musikalische Bilanz?»
«Könnte man so sagen, obwohl ich das Album nicht deswegen aufgenommen habe. Ich bin ja eher der Life-Stage-Typ. Aber wie es so ist im Musikbusiness: man braucht halt Referenzen.» Sie strahlt, spielt mit ihren Zöpfen und springt auf, um beim Packen zu helfen. Morgen früh geht es für einen Auftritt nach Nürnberg.

Ganz im Sinne von Track Nummer sechs: «Free myself, but still a long way to go.»

sikalobi.ch
nathalie-maerten.ch

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Bilder: Patrick Frischknecht

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