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Fussballfacetten

Am Mittwoch beginnen die dritten St.Galler Fussballlichtspiele. Dieses Jahr unter anderem mit Filmen über Marcel Koller, Moussa aus Molenbeck, Cristiano Ronaldo und Pablo Escobar.
Von  Corinne Riedener , 
(Bild: Marc Taudin)

Alles begann spätabends an einer Bar. Einmal mehr drehten sich die Gespräche um Fussball, und die Anwesenden fragten sich, warum der kulturelle Charakter dieses Sports so selten im Fokus ist – zack, die Fussballlichtspiele St.Gallen waren geboren. Diesen Sommer finden sie bereits zum dritten Mal statt: Ab Mittwoch warten vier Tage vollgepackt mit Diskussionen, Filmen, einem Kurzfilmblock, Musik und weiterem Rahmenprogramm.

Bullshit-Bingo und eine Weltpremiere

Die ersten zwei Austragungen der Fussballlichtspiele dauerten nur zwei bzw. drei Tage – warum dieses Jahr vier? Sicher, mit den 350 Gästen letzten Sommer konnte sich das fünfköpfige OK über fast 150 Eintritte mehr als im ersten Jahr freuen – aber dieser Erfolg allein ist noch Grund zu wenig, das Spektakel auf vier Tage auszudehnen.

Der Anlass ist, sagen wir, von eher nationaler Bedeutung: Am 31. August kämpft nämlich die Schweizer Nati in der AFG-Arena gegen Andorra um die Quali für die Fussball-WM 2018, die voraussichtlich in Russland stattfindet. Die Chancen, dass an diesem Donnerstag die versammelten Fussballfans
 der Region an die Lichtspiele pilgern, sind also nicht gerade rosig – ausser man würde ihnen im Tiffany etwas Besonderes bieten: zum Beispiel ein Fussballkommentatoren-Bullshit-Bingo.

Gestartet wird also bereits einen Tag früher. Am Mittwoch steht eine Weltpremiere auf dem Programm: Marcel Koller – Ein Leben für den Fussball, samt anschliessender Podiumsdiskussion über das Leben als Underdog. Am Donnerstag folgt wie gesagt die WM-Quali samt Einstimmungsfilm über die ehemaligen Schweizer Nationalspielern Karli Odermatt und Heinz Herrmann, Aufbauer der Nation.

Lateinamerika, Schweden und ein schottisches Maskottchen

Das Freitagsprogramm, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Pantalla Latina Filmfestival, steht ganz im Zeichen Lateinamerikas. Nach dem Kurzfilm Os Boias-frais do futebol über die Träume und Ängste brasilianischer Nachwuchsspieler um 18 Uhr läuft der Dokfilm Pelé – Bith of a Legend, der den Weg des brasilianischen Ausnahmetalents vom kleinen Dorf bis in die grossen Stadien nachzeichnet. Bevor der Abend dann musikalisch ausklingt, gibt es noch The Two Escobars zu sehen, den Film über Pablo und Andres Escobar, den Drogenbaron und den Fussballprofi.

 

Samstag ist der Tag der Frühaufsteher. Bereits um 13 Uhr läuft 10’000 timmar – 10’000 Stunden, der Film über Eric, einen völlig fussballtalentfreien Schwedischen Lottogewinner, der seinen Job kündigt und beschliesst, Profi zu werden. Um 15 Uhr folgt der bewährte Kurzfilmblock, auch dieses Jahr vom Fussballlichtspiel-OK in Zusammenarbeit mit 11mm, dem internationalen Fussballfilmfestival in Berlin, kuratiert. Unter anderem zu sehen: Un obtus partout, Alive & Kicking: The Soccer Grannies of South Africa und ein Film über das schottische Unterklasse-Maskottchen Oor Wally.

Um 16:45 Uhr läuft Ivans Fussballtalente – ein Spielerberater für Flüchtlinge. Der Dokfilm zeigt die Geschichte des Kroaten Ivan Knezovic, dem einzigen Spielerberater für Geflüchtete. Gleich danach kommt L’Etranger, ein Kurzfilm, der von Moussa handelt, einem jungen Fussballer aus dem Brüsseler Viertel Molenbeck. Dazu passt das Podium im Anschluss, wo über verschiedene zivilgesellschaftliche, behördliche und verbandseigene Ansätze und Strukturen zur Integration im Fussball diskutiert wird.

«Etwas andere Perlen» und ein Ronaldo-Finale

Pünktlich zur Primetime präsentiert dann Mämä Sykora vom Fussballmagazin Zwölf seine «etwas anderen Perlen». Wir erinnern uns: Letztes Jahr ging es in diesem Block um Frauenfussball. Was haben wir gelacht. Nicht über die Frauen, sondern vor allem über die Männer, die über sie berichteten…

Abgeschlossen werden die diesjährigen Fussballlichtspiele mit einer nicht ganz unumstrittenen Person: Cristiano Ronaldo, von den einen vergöttert, bei den anderen verhasst. Die Dokumentation über ihn kam 2015 in die Kinos und lässt tief ins Leben des Portugiesischen Fussballers und seiner Familie blicken.

Fussballlichtspiele St.Gallen 2017: 30. August bis 2. September, Kino Tiffany St.Gallen
fussballlichtspiele.ch

«Günstig, aber nicht gratis», ist das hehre Prinzip der Fussballlichtspiele. Das OK will «möglichst allen Interessierten den Besuch des Festivals ermöglichen, unabhängig von deren finanziellen Verhältnissen». Sowohl die Helferinnen und Helfer als auch das OK arbeiten darum ehrenamtlich, doch das Geld sei immer noch knapp, sagen
 sie – trotz Sponsoren. Ausserdem gebe es bei vier Tagen Programm einige Protagonisten, Regisseure und Produzenten mehr einzuladen, dazu kommen Mehrkosten für Miete und Equipment.

Um diesen Ausbau stemmen zu können, setzte das OK dieses Jahr 
auf Crowdfunding. Bis am 22. Juli kamen so über 4000 Franken zusammen. Die Spenderinnen und Spender erhalten alle ein Dankeschön, etwa Festivalpässe, Tickets für Brühl-Spiele, FCSG-Fanartikel – oder auch die Gelegenheit, zusammen mit dem OK den Festivalabschluss zu feiern (und diese Momente sind legendär, wie Saiten auch aus eigener Erfahrung weiss).

Eine kürzere Version dieses Beitrags ist im Sommerheft von Saiten erschienen.

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

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Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

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Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto