Begegnungszone Altstadt – das soll bald der Fall sein, sagte Stadtrat Nino Cozzio von der Direktion Soziales und Sicherheit im Scherz: «Bis 2300, wie es in einer Fasnachtsschnitzelbank hiess, wird es ganz bestimmt nicht dauern.» Noch hängig sind jetzt Rechtsverfahren betreffend Parkier- und Zufahrtssituation, der Stadtrat ist zuversichtlich.
Am 6. März wird die Einrichtung der Begegnungszonen publiziert. Läuft die Einsprachefrist ungenutzt ab, wird mit den Signalisationen und Strassenmarkierungen begonnen. Das kostet die Stadt rund 70’000 Franken. Die Einführung des Fussgängerregimes wird ferner Werksleitungserneuerungen, Belagsarbeiten und die Aufhebung einiger Trottoirs auslösen. Laut Cozzio sind damit aber nur bescheidene finanzielle Aufwendungen verbunden.
Strasse als Lebensraum für alle
Die «Begegnungszone» wurde in der Schweiz 2002 in die Strassenverkehrsgesetzgebung aufgenommen. Diese Mischverkehrsform, welche die Strasse zum Lebensraum für alle machen will, soll an zentralen Orten in Städten, Dörfern und Wohnquartieren den Fussgänger- und Fahrradverkehr privilegieren und damit für mehr Aufenthalts- und Lebensqualität sorgen. Inzwischen gibt es in der Schweiz mehrere hundert solcher Begegnungszonen.
Begegnungszonen können von Anwohnenden, Eltern- oder Quartiervereinen, von politischen Parteien und anderen Interessensgruppen gestartet werden, heisst es bei der Bürgeraktion «Fussverkehr Schweiz». Mögliche Räume sind Strassen mit Geschäften, Dorf- und Stadtkerne, Bahnhof- und andere zentrale Plätze.
Raum für vielfältige Aktivitäten
Mit der Erklärung der mittleren und nördlichen St.Galler Altstadt zu Begegnungszonen wird unter anderem die Verkehrsgeschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt. Fussgänger und Benutzer von fahrzeugähnlichen Geräten sind gegenüber Fahrzeugführern vortrittsberechtigt. Fussgängerstreifen und Trottoirs werden aufgehoben, und das Parkieren ist nur an den durch Signale oder Markierungen gekennzeichneten Stellen erlaubt. Güterumschlag ist weiterhin möglich, wo der Verkehr nicht behindert wird.
St.Gallen strebt eine möglichst einheitliche Begegnungszone für die gesamte Innenstadt an. Damit soll sowohl die Verkehrssicherheit erhöht als auch Raum für vielfältige Aktivitäten geschaffen werden. Ausgenommen vom neuen Verkehrsregime bleibt vorerst die Achse Marktplatz-Bohl. Sie wird über ein partizipatives Verfahren in den nächsten Jahren neu gestaltet.
Die mittlere und nördliche Alstadt soll eine Torfunktion für Fussgänger bei den Zugängen zu den Begegnungszonen erfüllen. Für Fahrräder ist die Aufhebung heute noch bestehender Einbahnsignalisationen geplant. Die Liberalisierung des Veloverkehrs setze Respekt und gegenseitige Rücksichtsnahme derjenigen voraus, die sich in den Begegnungszonen aufhielten und bewegten, heisst es dazu seitens der Stadt. Einschränkungen würden nur dann erlassen, wenn sich diese als notwendig erwiesen.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.