Kategorie
Autor:innen
Jahr

Gächschötzig

Steff Signer, der Musiker und Dichter des «Henderlands», geht den Spuren seiner Jugend nach in Texten und Kurzfilmen. Am 23. Januar wird er 70.
Von  Peter Surber
«Chraie schliifed eri Schnäbel a de Schiibe»: Steff Signer im Kurzfilm «Chraie.»

«So wir nicht umkehren und werden wie die Kühe, so kommen wir nicht in das Himmelreich. Wir sollten ihnen nämlich Eins ablernen: das Wiederkäuen. (…) Am weitesten freilich brachten es diese Kühe: die erfanden sich das Wiederkäuen und In-der-Sonne-Liegen. Auch enthalten sie sich aller schweren Gedanken, welche das Herz blähn.» Unter dem prächtigen Zitat schaut eine nicht minder prächtige Hornkuh den Leser an.

Die Sätze stammen aus Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra. Im Buch spricht ein Berg-Prediger, einer, der nach seinen eigenen Worten «das Glück auf Erden» sucht und es bei den Tieren zu finden glaubt. Steff Signer könnte auch als einer von der Spezies der Berg-Prediger durchgehen – vielleicht hat das Nietzsche-Zitat und das Kuhbild deshalb Eingang gefunden in seine Gädeli-Collection. An anderer Stelle ist ein solches Gädeli, ein windschiefer Schopf, selber abgebildet, ein andermal tritt Steff Signer aus der knarrenden Tür eines alten Stalls heraus und schimpft sich mit einem Gong in der Hand Wanderer vom Hals, die ihm im Coronasommer und überhaupt zu nahe treten.

Signer, früher als Infra-Steff mit diversen Bandprojekten wie der Red Devil Band und grossen Anläufen im sinfonischen Rock unterwegs, hat sich trotz aller Weltläufigkeit zeitlebens an seiner Herkunftsregion orientiert, an der «Highmatt» im appenzellischen «Henderland». Was ihn bis heute an diese Region bindet, in der man nachts mit Militärtaschenlampen blinkt und morst, hat er im gleichnamigen Buch Highmatt (2008 im Limmatverlag) in diversen Anläufen umschrieben, besungen und mit archaischen Kochrezepten gewürzt.

In jüngerer Zeit geht die Vergangenheitsbewältigung der Signer’schen Art weiter mit filmischen Mitteln. Zusammen mit seinem Jugendfreund Peter Loppacher, der nach langen Jahren in den USA wieder in die Schweiz zurückgekehrt ist, geht er den Plätzen von damals und den Ideen von damals nach. Der Högge-Wald wird zum magischen Klein-Universum, in dem auch schon mal mit Drogen und The Doors Wege zum «Break On Through» auftauchen. «Seit je pendelte er zwischen Aufklärung und Magie», hat Hanspeter Spörri 2019 in Saiten über Signer geschrieben.

Die Szene mit dem Gong nennt Signer «Unflat Kauz». «Der Protagonist ist ein kauziger, ewig schimpfender Bauer, der nicht nur urbane Wanderer, sondern die ganze Welt auf Distanz halten will – mit oder ohne Corona», schreibt er erklärend dazu. «Anstelle eines Pläss hat er einen Chinesischen Gong, einen sogenannten BAG-Gong. Solch ‚gächschötzige’ Kerle färbten meine Jugend. Die Bauern hatten noch nicht den Status von landwirtschaftlichen Unternehmern mit einem Fuhrpark, trugen noch keine lärmbedingten Schiess-Stand-Kopfhörer, waren durch das Handy noch nicht gleichauf sozialisiert und egalisiert. Einige Exemplare damals waren ausgewachsene Choleriker und der Jähzorn expolierte in ihnen, wie ein Vulkanausbruch in Island.»

Und wenn sie dann explodierten, dann habe das etwa so getönt: «Verrickte nüntige Püntel, elendigliche Chnorzli, schtroolige Sauchogg, tuusigs ooläädige Chrosli, widerwärtige Schlunggi, gfäälte huere Zwick…» So geht das noch ein paar Mistladungen weiter mit den Kraftausdrücken aus einem Hinterland, das von weither kommt und dem diese Filme ein kritisch-liebevolles Denkmal setzen.

In Hundwil ist Steff Signer am 23. Januar 1951 geboren. Jetzt wird er siebzig. Heilige Schtrausack!

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5