Sternstunden für Kunstbuch-Freaks stehen an diesem Wochenende bevor: In der Shedhalle Frauenfeld geht am Samstag ab 19 Uhr ein Kunstbuch-Tauschabend über die Bühne. Und im St. Galler Kunstmuseum findet am Freitag und Samstag erstmals eine internationale Kunstbuch-Messe statt. «Good Life Books» gehört zum Begleit-Programm der Ausstellung von Caro Niederer im Untergeschoss des Museums. Mit dabei sind auch vier St.Galler Verlage: Vexer, Triest Verlag, VGS sowie Jungle Books, der Verlag der Saiten-Grafiker Bänziger und Kasper-Florio.
Was sind die Leidenschaften, was sind die Finanzierungsleiden beim Kunstbuch-Machen? Josef Felix Müller vom Vexer Verlag gibt Auskunft.
Die jüngste Vexer-Publikation: Roland Dostal: «Schichten».
Eine Buchmesse im Kunstmuseum – es erstaunt, dass eine solche Veranstaltung, selbst wenn es explizit um Kunstbücher geht, dort und nicht etwa in einer Buchhandlung stattfindet. Kennen Sie die Gründe dafür?
Josef Felix Müller: Zum einen gibt es heute kaum noch spezialisierte Buchhandlungen, die solche Publikationen in ihrem Sortiment führen. Zum anderen halte ich ein Kunstmuseum aber ohnehin für den idealen Ort für eine Kunstbuch-Messe. Immerhin verkaufen fast alle Museen in ihren Shops Bücher rund um Kunst. Sie sollten daher auch die aktuellsten Publikationen aus den entsprechenden Verlagen kennen. Zudem ist es eine inhaltliche Aufgabe von Museen, der Öffentlichkeit zu zeigen, was grade in der Kunstwelt geschieht… unter anderem auch anhand von Büchern.
Kunstbuch ist ein sehr dehnbarer Begriff. Was ist darunter zu verstehen? Und was genau muss ein gutes Kunstbuch mitbringen?
Ich rede selbst nicht gerne vom «Kunstbuch». Ich spreche lieber von «interessanten Büchern», die einen starken Bezug zur Kunst aufweisen. Im Übrigen geben Verlage ja nicht nur Bücher heraus, sondern machen sehr unterschiedliche Editionen, beispielsweise auch Tonträger.
Das Rom-Buch von Erica Engeler und Karl A. Fürer, Vexer Verlag 2016
Was jede gute Edition aber mitbringen sollte, ist Authentizität. Als Verleger muss man zudem leidenschaftlich hinter den Inhalten stehen, egal, ob es um einen Künstler oder ein Projekt geht. Daher entstehen Veröffentlichungen oft auf Basis eines intensiven persönlichen Kontakts mit den übrigen Mitwirkenden. Etwas zu publizieren, ohne davon begeistert zu sein und lediglich, weil man einen finanziellen Gewinn in Aussicht hat, funktioniert nicht.
Freitag, 1. Dezember 18.30 Uhr – 23 Uhr: Buchmesse 21 Uhr: Konzert mit Björn Magnusson
Samstag, 2. Dezember 13-16 Uhr: Buchmesse 14-15 Uhr: Roundtable «Publizieren als Kunstwerk» mit Caro Niederer (Künstlerin) und Lorenzo Benedetti (Kurator). Gäste: Mark Asekhame (Periodico), Luc Derycke (MER.Paper Kunsthalle) und Larissa Kasper (Jungle Books)
Kunstmuseum St.Gallen
Stichwort «Finanzen»: Ist das Verlegen von Kunst-Publikationen lukrativ? Wie lässt sich eine Veröffentlichung überhaupt finanzieren?
Lukrativ kann man es wirklich nicht nennen! Wer kein interessiertes persönliches Umfeld hat, das als Käufer dienen kann, sollte keine Publikation in Angriff nehmen. Tatsächlich wird der entsprechende Markt von Jahr zu Jahr schwieriger. Im Zuge dessen ist die Finanzierungsfrage natürlich eine der zentralsten, wenn es um’s Publizieren geht. Über Stiftungen, das Anwerben von öffentlichen Geldern oder auch den Verkauf von Editionen, kann man da zwar etwas machen. Zum Glück gibt es auch Städte und Kantone, die Programme anbieten, in denen sie «Artist Books» auswählen und subventionieren. Aber jenseits dieser Förderinstrumente bleibt es eine echte Herausforderung. Jedes Projekt muss man daher auf’s Neue abwägen: Man muss die Realisierbarkeit prüfen und auch entscheiden, ob man als Verlag allenfalls fünfstellige Beträge aus eigener Tasche stemmen kann.
Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten an den kommenden beiden Tagen?
Ich bin gespannt auf die Anregungen, die ich für mich bei dieser «Geistigen Tauschbörse» mitnehmen werde. Besonders freue ich mich auf den Erfahrungsaustausch mit den internationalen Verlagskollegen, die aus Peking, Berlin oder Mailand anreisen, sowie auf die Gespräche mit dem Publikum, das meist aus hingebungsvollen Bücher-Freaks besteht.
Vexer St.Gallen und Vexer Berlin: Josef Felix und Vera Ida Müller. (Bilder: Vexer)
Teilnehmende Verlage: About Books, Zürich, Archive Books, Berlin, Boabooks, Genf, cpress, Zürich, Cura, Rom, edition fink, Zürich, Edition Patrick Frey, Zürich, Edition Taube, München/Zürich, Hacienda Books, Zürich, JRP|Ringier Kunstverlag, Zürich, Jungle Books, St. Gallen, Kodoji Press, Baden, Mer. Paper Kunsthalle, Gent, Mousse Publishing, Mailand, Nero, Rom, Nieves, Zürich, Onomatopee, Eindhoven, Periodico, Zürich, Popup Press, Basel, Roma Publications, Amsterdam, tria publishing platform, Zürich/Peking, Triest Verlag, Zürich/St.Gallen, Vexer Verlag, St.Gallen/Berlin, VGS Verlagsgenossenschaft St.Gallen, St.Gallen, zweikommasieben Magazin, Luzern
Flex-Sil Reloaded heisst die Hommage-Ausstellung zu Roman Signers 75. Geburtstag in der Kunsthalle St.Gallen. Darin wird Signers Einzelausstellung von 1988 rekonstruiert. Der damalige «Kurator» Josef Felix Müller erinnert sich.
Anerkennungspreis für Josef Felix Müller, Förderpreise für Katalin Deér und den Verein Megliodia: Die Stadt verteilt ihre Kulturpreise - 2013 allerdings zwei weniger als bisher. Das ist am falschen Ort gespart.
Die Stadt St.Gallen hat im Palace ihre Preise und Werkbeiträge vergeben. Der Abend zeigte, was fehlt, wenn die Preise wie nächstes Jahr weggespart werden.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung