Am 1. April gilt es ernst, kein Witz. Der Samstag ist der Haupt-Programmtag des Wortlaut-Festivals. Dann laufen parallel die vier Programm-«Schienen» mit den jandlnden Titeln «laut», «luise», «lechts» und «rinks». Slam Gallen schlägt auch beim Wortlaut 2017 durch: Im Unterschied zu den meisten anderen Literaturfestivals ist hier die Spoken-Word-Fraktion lautstark vertreten, ebenso Comic und Graphic Novel. Gesprochen, gezeichnet, gelesen: Das ist die – erfrischende – St.Galler Literatur-Hierarchie.
Zum Start nach Amriswil
Der Vorlauf ist dieses Jahr üppiger als auch schon: Bereits am Donnerstag liest Autor und Saiten-Redaktor Frédéric Zwicker aus seinem Erstlingsroman Hier können Sie im Kreis gehen im Kulturforum Amriswil, der einzigen Aussenstation des sonst rein städtischen Festivals. Am Freitag geht es dreifach los, mit Kolumnist Max Küng, mit einer Rede der Literaturwissenschafterin Hildegard Elisabeth Keller und mit dem traditionellen Mundart-Slam unter dem Titel «Sägs rächt». Christoph Simon slamt auf Berndeutsch, Valerio Moser im Langenthaler Dialekt, Meral Ziegler auf Plattdeutsch, Wolfgang Heyer auf Schwäbisch, Dominik Muheim in Basldiitsch und Stefan Abermann tirolerisch.
Highlights am Samstag? Richi Küttel vom Wortlaut-Team hebt als erstes Nicolas Mahler hervor, den Wiener Zeichner mit dem hinterhältigen Witz, Autor zahlreicher Bücher, tätig für «Die Zeit», FAZ, «Le Monde» und andere Blätter. Von ihm ist im Herbst Das kleine Einschlafbuch für Grosse bei Suhrkamp erschienen, ein Garant für schlaflose Tage. Und am Wortlaut zweifellos für einen vollen Palace-Saal.
Im «rinksen» Literaturprogramm freut Küttel die Teilnahme von Nora Gomringer besonders – hier ist insgesamt die Prominentendichte beträchtlich: Neben Gomringer treten Renato Kaiser, Dalibor Markovic oder das Duo InterroBang hier an. Daneben kündigen sich «laut» die Wortkabarettisten Manuel Stahlberger und Dominik Muheim an, unverzichtbar zudem der spätabendliche «Gassenhauer» von Theater am Tisch und Saiten.
Im eher klassischen Autoren-Leseprogramm unter dem Titel «luise» ragt Jonas Lüscher heraus, der seinen eben erschienenen rabiaten Roman Kraft präsentiert. Weniger geläufig dürften dem Publikum die weiteren mit ihren Neuerscheinungen vorgestellten Autorinnen und Autoren sein: Anna Weidenholzer, Jaroslav Rudis, Nico Bleutge, Franziska Gerstenberg und Sabine Gruber.
Die Ostschweiz ist halbwegs vorhanden
Die Region ist, sieht man von Frédéric Zwicker ab, im Autorenprogramm nur auf der kleineren «Ostschweizer Bühne» im Splügeneck vertreten. Genug Ostschweiz? Es hätten sich wenige hiesige Neuerscheinungen aufgedrängt, sagt Richi Küttel zur Begründung. Christoph Keller liest hier (von ihm erschien zuletzt der Doppelroman Steinauge/Galapagos), im weiteren sind die Kinderbuch-Autorin Katrin Andrist, der Vorderländer Erzähler Peter Eggenberger und der Lyriker Ivo Ledergerber zu Gast; sie erhielten gegenüber früheren Wortlaut-Anlässen längere Lesezeit, sagt Küttel.
Mit Flurin von Salis kommt erfreulicherweise ein junger einheimischer Zeichner erstmals zu Wortlaut-Ehren. Daneben spitzt im Programm «lechts», welches der Sparte Comic und Graphic Novel gewidmet ist, Anna Haifisch die Bleistifte, und Kati Rickenbach und Daniel Bosshart treffen sich zum Zeichenduell. Im Literaturgespräch ebenfalls ein Duo: Jonas Lüscher und Sabine Gruber diskutieren, moderiert von Andrea Gerster, die Position des «Autors als Diktator» unter dem Titel «Darf der das?» – zu hoffen ist, dass auch die geschlechtsparallele Frage «Darf die das?» mit gestellt wird.
Am Sonntag schliesslich führen Richard Butz und Nathalie Hubler einmal mehr literarisch durch St.Gallen, diesmal auf den Rosenberg. Den Abschluss macht die Appenzeller Anthologie Ich wäre überall und nirgends. Das «Jahrhundertbuch» mit Texten seit 1900 und mit Doppelpräsenz im Buch und im Netz wird mit dem Autor Urs Richle und von den Herausgebern präsentiert und diskutiert.
Der Festivalpass für alle vier Wortlauttage kostet 80 (im Vorverkauf 75 Franken); daneben sind Zwei- und Eintagespässe sowie Einzelkarten erhältlich. Neue Festivalbeiz ist die Focacceria.
Das ganze Programm: wortlaut.ch
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.