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Grausame Strafarbeit im Süden

Aus unserem Aprilheft: Charles Pfahlbauer jr. unternimmt einen Horrortrip ins Tessin, samt schlechtem Espresso und Sonnenstich.
Von  Charles Pfahlbauer jr. , 

Wie alle gleich gesinnten Gallenstädter und Pfahlbauergenossen war ich in den ersten Märztagen komplett aus dem Häuschen: Wir hatten alle Abstimmungen und Wahlen haushoch gewonnen und feierten mit vielen zugereisten Gästen den unglaublichen neuen Schwung in der Ostrandzone.

Die sonst so gallige Bevölkerung war ausser Rand und Band, Alt und Jung überbordete bei zunehmend sommerlichen Temperaturen in den Gassen weit über die erlaubten Formen und Zeiten hinaus, und Tausende Studenten füllten die Konzertsäle, Theaterlokale und Innenstadtkinos, von denen man zwei eiligst wiedereröffnet hatte. Und das alles war noch weit vor den europaweit beachteten Jubiläumsfeierlichkeiten der sogenannten Slam-Metropole. Juhee!

Dann kam der jähe Absturz, jedenfalls mein persönlicher. Mitten in diese Euphorie platzte nämlich ein fürchterlicher Befehl: die alljährliche unmissverständliche Aufforderung unserer Sippe, an unserem Südsitz am öden Langen See hinter den Bergen an den fälligen Gartenarbeitstagen teilzunehmen. Ich wusste, dass es kein Entkommen gab: Zwei Cousins, die der Gärtnerei vor Jahren einmal unentschuldigt ferngeblieben waren, hatte die Verwandtschaft mit Schimpf und Schande mit kompletter Konkaktsperre und sowieso jeglicher Entrechtung und Enterbung bestraft. Für immer.

Flucht in die Berge?

So sass ich am nächsten Morgen zu früher Stunde im vermaledeiten Voralpenexpress und nuschelte missmutig an dessen blöden Vorhängchen herum, die Zugroute via Hasskäffer wie Wollerau und Rothenthurm permanent verfluchend. In Arth-Goldau stieg Braunauge zu, auch sie hässig wie sonst nie, aber auch sie ohne Chance, sich der Schufterei in freier Natur zu entziehen. Wir sprachen kaum, und wenn, dann doch noch über allfällige Fluchtmöglichkeiten. Zuletzt in Pino Tronzano, also kurz vor dem Lago-Örtchen, das hier trotzig verschwiegen werden soll, wollten wir aus dem Zug springen und uns in die bewaldeten Hügel des Niemandsgrenzland schlagen.

Im Lagokaff war alles wie erwartet: todernst und brutal streng, die üblichen Verdächtigen inkl. böser Cousinen und Onkels. Nach grussloser Begrüssung mit einem kalten, dünnen Es- presso gings schon an die Arbeit. Mit Gartenscheren, Astkluppern, Fingerzwackern, Handsägen und elektrischen Zaunrasierapparaten bearbeiten wir im dreckigen Dutzend das wuchernde Kraut aller Art. Vor uns die himmeltraurige Aussicht über einen grau schimmernden See, der vermutlich irgendwo in der Wüste Sahara endete. Dazu brannte eine italienische Sonne unbarmherzig auf die letzten Schneehäufchen, die erbärmlich vor sich hinschmolzen.

Die Liste des Horrors

Obwohl uns schon nach wenigen Stunden alles wehtat, vom Nacken bis ins Handgelenk und sowieso Schultern und alle Muskeln und Nichtmuskeln, ging das den ganzen Tag und noch einen, und dann noch einen; wir füllten Lastwagen um Lastwagen mit dem üblen Grünzeug, ohne dass wir irgendwelche Resultate sahen. Wie das Zeugs alles hiess? Keine Ahnung, aber in meinem Overall fand ich später eine Liste, die irgendwelche Grünfingerzwerge mal erstellt hatten, vermutlich die gleichen, die das Wucherkraut einst gepflanzt hatten.

Also, die Liste des Horrors liest sich so, in ganzer Länge, wie es heisst «im Uhrzeigersinn von links unten vor der Terrasse» einmal ums Gelände rum, wenns denn stimmt: Rose rot, Zitrone, Oleander rot, Melograno (Granatapfel), Kamelia, Gardenia weiss, Oleander weiss, Azalea rosa, Cornus Hartriegel, Azalea rot, Oleander rot, Pitosporo weiss (Hagstrauch), Palmen (zwei grosse und etwa 147 kleine und ganz kleine), zweiter Oleander rot, Kumquat, weitere Azalea, Rose gelb, Hibiscus, Agapanthus (Schnittlauchblume), Lavendel, Federahorn, Gelso (Maulbeerbaum), Feige, Ginster rot, Oleander 3 + 4, Pitosporo (Bäumchen), Jasmin dunkelrosa, Jasmin weiss (Gelsomino), Azalea feuerrot, Hibiscus rosa, Zypressen (drei, toskanische), Rosmarin, Salbei, Kalistemon (Zylinderputzer), Feuerazalea, Hibis- cus weiss, Traube (Americana), Mandelbaum, Palmen (Insel, drei bis fünf), Aprikosenbaum, Pfirsichbaum, Melograno Nano (kleiner Granatapfel), Myrte weiss, Erdbeerstrauch, Corbezzolo (Medrono, portugiesisch), Traube weiss, Eiche (Quercia Adriana), Nespolobaum, Feige (alt), Olivenbaum, Oleander lachsfarbig.

Hat uns alles noch gefehlt, speziell der lachsfarbige Oleander. Wir waren so erledigt wie ein verdammter portugiesischer Zylinderputzer. Und als ob die Schufterei der Qualen nicht genug gewesen wäre, mussten wir mittags und abends auch noch den üblen Frass der Verwandtschaft über uns ergehen lassen. Beispielsweise gab es Bistecca alla fiorentina, primitiv über dem offenen Feuer gegrillt, ein zäher Klumpen Fleisch, pfui Teufel, dazu rosmaringepimpte Bratkartoffeln, feuchte Salate und noch schlapperes Peperonigemüse, alles in Olivenöl ertrunken. Der billige Rotwein, den wir literweise in uns leerten, konnte da nichts mehr helfen.

Schlimm waren die Nachwehen, schlimmst möglich die Heimreise: Bei der Ankunft in der Gallenstadt tobte noch immer der Bär, fröhlichstes Volk überall, alles tanzte und johlte, voll gestopft mit feinsten Bratwürsten. Ich zog die Fellmütze tief unter die Stirn und rannte sofort nach Hause, um ja niemandem zu begegnen, der mir fies grinsend erzählt hätte, was ich alles verpasst hatte.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

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Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz