, 20. Juli 2013
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Grüsse aus dem Untergrund

Nach dem Beben: Erste Informationen aus der Pressekonferenz und ein Kurzinterview mit dem Stadtpräsidenten.

Um halb sechs bebte die Erde und bei vielen St.Gallerinnen und St.Gallern dürfte der zweite oder dritte Gedanke gewesen sein: Geothermie.

Wie man inzwischen weiss, lagen sie richtig.

Das Beben war der Höhepunkt einer vergleichsweise dramatischen Entwicklung, die am Freitagmittag begann. Unerwartet und unter zunehmend steigendem Druck schoss Gas aus dem Bohrloch. Ein sogenannter «Gas-Kick». Es war ein überraschendes Szenario, für das man aber vorbereitet war: Es wurde Wasser ins Bohrloch gepumpt, mit dem das Gas zurückgedrängt wurde, später wurde eine Spülflüssigkeit eingesetzt, die schwerer als Wasser ist. Das Bohrloch wurde geschlossen. Der Druck entlud sich im Erdbeben und sank direkt danach.

Wie sich all diese Massnahmen auswirken, werden die nächsten Tage zeigen.

Wie geht es weiter mit dem Geothermie-Projekt ?

Das wusste an der Medienorientierung am Samstagmorgen noch niemand. Vieles bleibt offen und es braucht zuerst diverse Abklärungen. Aus den Informationen konnte man entnehmen, dass es ein worst- und ein best-case Szenario gibt – und diverse Abstufungen dazwischen:

Im schlechtesten Fall: Es kommt zu weiteren Beben, auch eines «in Schadensstärke» sei nicht auszuschliessen, sagte Prof. Stefan Wiemer, Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes. Sicher ist, dass in den nächsten Tagen Mikrobeben gemessen werden, die allerdings nicht spürbar sind. Das Erdbeben um 5.30 Uhr hatte eine Stärke von 3,6. Schäden sind bisher keine bekanntgeworden. Allfällige weitere (und stärkere) Beben könnten dafür sorgen, dass das Bohrloch kollabiert.

Im besten Fall kann Erdgas abgebaut werden und es findet sich auch noch das gesuchte heisse Wasser. Bisher weiss niemand, wie viel Gas sich in der Störungszone befindet, in der gebohrt wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort auch Wasser findet, ist allerdings gross.

Entscheidend für das Projekt könnte neben dem technischen Handling auch die Reaktion der Bevölkerung sein.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin nimmt Stellung:

Haben Sie das Beben gespürt und wie schnell kam Ihnen das Geothermie-Projekt in den Sinn?

Das Beben hat mich geweckt. In der Region kommt ja fast nie vor , dass die Erde bebt. Weil ich die Arbeiten am Geothermie-Projekt hautnahe miterlebe, dachte ich sofort: hoffentlich ist nichts passiert. Ich war dann rasch vor Ort, um mich zu informieren, ob es Schäden gegeben hat.

Die Zustimmung zum Geothermie-Projekt ist in der Stadtbevölkerung ist bisher sehr gross. Denken Sie, dass sich daran etwas ändern wird?

Ich glaube nicht. Wir müssen jetzt sauber anschauen, was passiert ist. Das Bohrloch ist gesichert. Es wird  sicher nichts unternommen, was die Stabilität gefährden könnte.

Beim Basler Geothermie-Projekt gab es mehrere Beben, das höchste in einer Stärke von 3,4, dazu gab es dort früher schwere Erdbeben. Schliesslich sorgte  der Druck der Bevölkerung dafür, dass die Arbeiten eingestellt  wurden. Ist ein solcher Effekt auch in St.Gallen möglich?

Die Bodenbeschaffenheit ist in Basel doch sehr anders und die Situation deshalb nicht direkt vergleichbar. Die Bevölkerung weiss, dass es in der Gegend um die Bohrung ein dichtes Netz von Sensoren gibt,  mit der die Seismik überwacht wird. Es wurde  bisher sehr transparent informiert und wir werden diese  Kommunikation weiterführen, damit wir weiterhin das Vertrauen der Bevölkerung haben.

 

 

 

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