Das rund fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof St.Gallen entfernte Güterbahnhof-Areal ist seit Jahren ein kleiner kultureller Schauplatz. Tagsüber wird es als Güterumschlagplatz, Veloweg, Skatepark oder Terrain für Stapler-Kurse benutzt. Am Abend empfängt das Kugl Gäste mit Konzert- und Tanzkultur.
Ein Ort für Konflikte, Funktionen, Potenziale
«Es ist ein zentrales Entwicklungsgelände in den nächsten zwanzig Jahre», sagt Hansruedi Beck, der im Sommer sein Masterstudium in Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur abschliesst. Es sei ein Ort für Konflikte, Funktionen und Potenziale, erklärt er, während er die rund 50 Besucher am vergangenen Samstag durch das Areal und den Regen führt.
Hansruedi Beck (Mitte) begrüsst zu einer anderen Stadtführung. (Bilder: Pierre Lippuner)
Die Führung ist ein persönlicher Blick des Raumplaners, der auf den Ort aufmerksam machen und sein mögliches Potential aufzeigen möchte. Das rustikale, wenn nicht gar etwas abgefuckte Areal hat überraschend viel zu bieten: Ateliers und Werkstätten haben sich im und rund um den Güterbahnhof niedergelassen, Wohnquartiere und kleine Gärten koexistieren neben dem Verkehr und den Gleisen.
Nach der ersten Station – dem Güterbahnhof selbst – führt uns Hansruedi Beck an die Unterstrasse, eine Nebenstrasse, abgeschirmt vom Lärm und Stress. Zwei Restaurants gibt es hier. Architekturbüro und Künstleratelier stehen Schulter an Schulter. Eine kleine Terrasse gewährt einen Blick auf das kahle Areal, und plötzlich kann man sich vorstellen, dass hier etwas entstehen könnte. Ein Treffpunkt. Ein Ort, um sich auszutauschen. Ein zweites Stadtzentrum.
Die «grüne Terrasse»
Die dritte Etappe führt über den Schlossweg, wo sich Einfamilienhäuser an kleine, grüne Gärten schmiegen. Kinder kommen oft her, um hier zu spielen, doch der Regen tränkt das Quartier in eine rhythmische Stille. Hier skizziert Hansruedi Beck eine grüne Terrasse an, wo sich die Bevölkerung zu Speis und Trank treffen kann. «Das ist aber noch nicht zu Ende gedacht.»
Kleine Oase im Grossstadtdschungel.
Als nächstes geht es über die Zimmerstrasse zur Othmarsbrücke. Die Gebäude werden immer kleiner, verlieren an Etagen. Auch hier lässt es sich leben. Spunten reihen sich an Knellen, ein kleines Häuschen ans nächste. Hier ist es ruhig und rustikal, das Quartier versprüht einen bodenständigen Charme. «Wir sind hier irgendwo zwischen Urbanität und Grünfläche», erklärt Hansruedi Beck, während er auf das Güterbahnhof-Areal und das dortige Perron zurückführt.
«Dieser Ort erinnert ein bisschen an eine Terrasse mit Blick auf die Stadt», meint der Raumplaner: auf ein Panorama von urbaner Wohnfläche, Fernverkehr und kulturellem Schauplatz.
Suche nach Alternativen
Das Areal Güterbahnhof im Zentrum der Stadt St.Gallen ist eines der letzten grossen Entwicklungsgebiete und bietet eine grosse Fläche für neue Nutzungen. Die SP St.Gallen setzt sich für einen Verzicht auf einen neuen Autobahnanschluss und für eine alternative Nutzung ein – darüber stimmt die Stadtbevölkerung am 28. Februar ab.
Wer beim Projekt mitreden will, kann am 27. Januar um 19 Uhr in der Projektwerkstatt an der Güterbahnhofstrasse 4 seine Ideen mit einbringen.
Kritiker befürchten eine weitere Teilung der Stadt, sollte der Autobahnanschluss Richtung Westen realisiert werden. So hat in den 70ern der Bau der Ausfahrt St.Fiden zur Trennung von Heiligkreuz und Neudorf geführt. Der neue Anschluss sei ausserdem alles andere als eine Verkehrsentlastung, da er den Verkehr lediglich von der Teufenerstrasse auf die Geltenwilenstrasse verlagern würde.
Das Plakat der Initiative aus der Feder von Manuel Stahlberger.
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.