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Güterbahnhof: Skepsis und Protest

Für die Testplanung über das St.Galler Güterbahnhofareal holten Kanton und Stadt am Mittwoch in einem «Sounding Board» die Meinungen der Verbände und der Bevölkerung ab. Das Ergebnis: wenig Euphorie und Vorbehalte gegen den geplanten Autobahnanschluss.
Von  René Hornung

Die Diskussionen um den St.Galler Güterbahnhof mit dem geplanten unterirdischen Kreisel und Autobahnanschluss samt Riethüslitunnel nehmen Fahrt auf. Letzte Woche lud die SP zu einer Veranstaltung, die zeigte, wie in Biel und Luzern die Opposition gegen die dortigen Autobahnpläne Erfolg hatten. Keine Woche später fand jetzt am Mittwoch das «Sounding Board» zur laufenden Testplanung statt, die Kanton und Stadt in Auftrag gegeben haben.

Eingeladen waren je ein:e Vertreter:in von Verbänden und Parteien, aber auch von Anwohnerorganisationen. Linke und Grüne boykottierten den Anlass, weil die Planungen unter der Prämisse des Autobahnanschlusses Güterbahnhof laufen. Die Mahnwache draussen vor dem Kugl, wo die Veranstaltung stattfand, kritisierte auf Transparenten: «Güterbahnhof bewahren – hier sollen keine Autos fahren!» oder «Ein riesen Stuss, dieser neue Autobahnanschluss».

Protestaktion am Mittwochabend vor der Veranstaltung. (Bild: rho)

Stadtrat Markus Buschor sagte einleitend, es gehe darum, das Potenzial des Güterbahnhofareals auszuloten, und er stellte klar, man diskutiere keine Variante ohne den Autobahnanschluss.

«Spirit» oder «Tabula rasa»

Kantonsbaumeister Michael Fischer stellte die Vorgaben für die vier Planungsteams vor: Bebauungen und Freiräume sollten auf dem fünf Fussballfelder grossen Areal ermittelt werden. Entwicklungsmöglichkeiten und Abhängigkeiten sollen aufgezeigt werden. Die Teams sollten dabei auch den «Spirit der aktuellen Zwischennutzung» berücksichtigen.

Der geplante Zubringer mit Tunnel und möglichen Ausfahrten. (Bild: pd)

Zwei der Teams planten aktuell die Autobahnausfahrten Richtung Geltenwilen- und Richtung Oberstrasse, ein Team nur einen Anschluss nach Osten, und ein viertes Team habe die Aufgabe, mit einem «tabula-rasa»-Ansatz alle Vorgaben in Frage zu stellen. Das Ergebnis sei dann sicher keine realistische Variante, aber dieser radikale Ansatz führe möglicherweise zu neuen Ideen, auf die man nicht kommen würde, wenn man sich immer an alle Vorgaben halte.

In Gruppen wurden anschliessend Anforderungen, «no goes» und «must have» sowie Zukunftsbilder diskutiert. Konsens war nicht zu erwarten. Trotz Boykott des Anlasses von Links-Grün waren die Umweltstimmen unter anderem mit VCS, Pro Velo, Heimatschutz, aber auch mit Menschen aus den Quartieren gut vertreten.

Ja zum Quartier, ja zum alten Güterbahnhof

Übereinstimmung gab es bei den Allgemeinplätzen trotzdem: Alle fordern ein gut durchmischtes lebenswertes Quartier mit Grün- und Freiräumen, in welchem Fussgänger:innen und Velos und nicht der Autoverkehr dominieren. Und alle wollen die Gebäude des Güterbahnhofs erhalten.

Unterschiedliche Meinungen gab es zur Frage, ob hier Hochhäuser gebaut werden sollen oder nicht. Widersprüche zeigten sich bei der Forderung nach dem Erhalt des aktuellen «Spirit der Zwischennutzung», versus einem neuen Stadtteil mit hochwertiger Architektur. Eingebracht wurde auch die Idee einer Gleisüberdeckung, wie sie für das Bahnareal St.Fiden von Seiten der Wirtschaft gefordert wird.

Die heutige Überbauung und die Lattich-Zwischennutzung. (Bilder: Archiv)

Die so gesammelten Meinungen werden nun den vier Planungsteams mit auf den weiteren Weg gegeben. Es gehe ja bei der Testplanung nicht um einzelne Gebäude, betonte Kantonsbaumeister Michael Fischer in der Zusammenfassung, sondern hauptsächlich um den öffentlichen Raum. Und der St.Galler Stadtplaner Florian Kessler doppelte nach: Man wolle herausfinden, was hier einmal passieren könnte und was ein neuer Stadtteil brauche, damit er lebt.

Kein Platz für Spekulation, sagt Buschor

Schliesslich versicherte Stadtrat Markus Buschor, dass die öffentliche Hand das Areal nicht der Spekulation überlassen werde. Noch gehört der grösste Teil des Areals dem Kanton, doch abgemacht ist, dass es der Stadt übergeben wird. Sie werde dann Baurechte vergeben – mit klaren Vorgaben, so Buschor.

Auch wenn Links-Grün den Anlass boykottierte, kam zum Schluss doch noch die Grundsatzkritik – vom Betreiber der Eventhalle Hektor. Dass die ganzen Planungen um den Autobahnanschluss herum erfolgten, bedeute, dass es 20 Jahre dauern werde, bis sie greifen. Doch wie sich der Verkehr bis dann entwickeln werde, sei angesichts der aktuellen Umweltdiskussionen offen.

Euphorisch war das «Sounding Board» am Schluss nicht. Auf die Frage, ob die Testplanung ein Erfolg werde, antworteten die Anwesenden auf der Skala von 1 bis 5 mit einer Note 3,3. Hätte sich Links-Grün nicht der Diskussion verweigert, die knappe Zuversicht wäre wohl gekippt.

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Peter Honegger,  

vergesst es. Und dänn no «Sounding Board» :) WER STRASSEN SÄT, ERNTET VERKEHR.

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