Am Alten Rhein in Lustenau geht ab Donnerstag zum 30. Mal das Szene-Openair über die Bühne. Es steht seinem riesengrossen Bruder in der Ostschweiz und ihren grenznahen Gebieten, dem Openair St.Gallen, in Sachen Wildheit in nichts nach: Auf dem Zeltplatz verkeilen sich Pavillonbauten ineinander und gefeiert wird unter den Blachen so hart wie vor der Bühne.
Es müsste in einer ethnologischen Studie verifiziert werden, aber es gibt wohl genauso viele Vorarlberger wie St.Galler, die «nur wegen der Stimmung» an ihr Heimfestival gehen.
Musikmässig steht das Szene-Openair traditionell für nicht allzu schwere, aber qualitativ gute und tanzbare Kost. Headliner sind dieses Jahr die ewigen Jünglinge von AnnenMayKantereit – und da bei Saiten kürzlich alle ihre «guilty pleasures» beichten durften, schiebe ich hier noch meines nach: unter der Bettdecke liegen und mit Kopfhörern diese Band hören.
AnnenMayKantereit
Klar driftet die Musik oft ins Kitschige ab, doch der Grundton der Band ist groovy und die Stimme von Frontmann Henning May ist grandios. Das gibt live sicher rührende Momente her, ein Feuerzeug in der Tasche ist auch für Nichtraucher Programm.
30. Szene Openair: 1. bis 3. August, Lustenau
szeneopenair.at
Daneben sorgen die britischen Math-Rocker (ja, das ist ein Musikstil) Foals für gitarrenlastiges Indiegesäusel mit intellektuellem Anspruch. Wem das zu verkopft ist, der stürze sich auf den weiteren Headliner Capital Bra. Der nicht ganz unumstrittene Berliner Rapper zelebriert fleissig Klischees des deutschen Gangsta-Raps und zeigt in seinen Videoclips fette Schlitten und Frauen im Bikini. Alternativ dazu: Trettmann, Jugo Ürdens oder der in Hohenems grossgewordene Arkan45.
Live eine Bank: Trettmann spielt am Freitag.
Sonst gibts auch Pop-Punk mit Feine Sahne Fischfilet oder den Schweizer Exporterfolg Faber zu hören.
Daneben hält das Festival an Annehmlichkeiten wie dem kleinen Paradiescamping (kein Müll, kein Terror, keine Essensschlachten), dem grossen Veloparkplatz sowie einem direkten Zugang zum Badesee fest. Auf in die (Kurz-)Ferien, auf nach Lustenau!
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
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