, 31. Dezember 2018
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Gute Sätze 2018 (II): Wer ist da behindert?

Schon wieder vergessen? Hier sind die besten oder jedenfalls manche guten Sätze aus dem Saiten-Jahrgang 2018. Teil II: Barrierenfreiheit statt Diskriminierung, physisch und psychisch.

Die Illustrationen zum Titelthema «Störung» im Juniheft 2018 hat Freddie Gaffa gemacht.

Die Seele braucht Zeit. Und das gilt für alle. Kein Mensch ist immun gegen eine psychische Erkrankung. Und niemand ist schuld.

Jacqueline B. über das Leben mit einer bipolaren Störung, im Juniheft «Störung»

 

Wir leben in einer Beschleunigungsgesellschaft, es dominiert eine Steigerungslogik. Dabei gibt es Dinge, die lassen sich einfach nicht beschleunigung, die persönliche Entwicklung zum Beispiel, sie hat eine Eigenzeitlichkeit.

Psychiaterin Ulrike Hasselmann im Juniheft «Störung»

 

Für unsere Jungen oder kommende Generationen wird der zunehmende Leistungsdruck unserer Gesellschaft ein Problem. Auf Dauer können auch junge Menschen diesem Druck nicht standhalten. Entschleunigung und die Folgen von Stress wie etwa Burnout sollten auch an Universitäten und anderen Schulen unterrichtet werden, wo künftige Wirtschaftskapitäne ausgebildet werden.

Michael Millius über sein Burnout, im Juniheft «Störung»

 

Manchmal fühlt sich ein Rollstuhl wie ein Käfig an, manchmal wie eine Festung.

Christoph Keller, Schriftsteller und Rollstuhlfahrer, im Oktoberheft «Von Hindernissen»

 

Die meisten nordamerikanischen indigenen Gemeinschaften haben kein Wort oder Konzept für «Behinderung». Der Grund dafür ist, dass ihre Gemeinschaften dadurch gediehen, dass sie ihre Leute mit dem identifizierten, worin sie gut waren. Jemand mit einer geistigen Beeinträchtigung ist gut im Wassertragen, sie, die taub ist, ist grossartig im Bauen von Hütten, er, der gelähmt ist, ist ein geborener Geschichtenerzähler. Solange das Verhältnis von Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht ist, bist du nicht «behindert». Dann taucht der Kapitalismus auf, mit ihm wird das Konzept der «Behinderung» angeschwemmt. Hier gilt: «Behinderung» ist das Unvermögen, Arbeit darzustellen. Kapitalismus bedeutet Körper über Geist und Seele, und wenn dieser Körper nicht in der Lage ist, Profit zu generieren, bist du draussen.

 

«Achtung, Schnüffler! Das neue Sozialversicherungsgesetz ist ein beispielloser Angriff auf die Privatsphäre. Es erlaubt Überwachungen, die weitergehen als bei Straftätern. Damit haben die Versicherungen mehr Befugnisse als die Polizei. Betroffen sind Personen, die in der Schweiz bei AHV, Krankenkassen, IV, Unfallversicherungen und der Arbeitslosenversicherung versichert sind. Also alle.»

Das Komitee gegen den Schnüffelstaat vor der Abstimmung über die Sozialdetektive, im Juniheft «Störung». Das Gesetz wurde angenommen.

 

Sicherheit gibt es nicht durch Aufrüstung, sondern durch Austausch.

Aus dem Palace-Newsletter, im Juniheft «Störung»

 

«Ich will einfach nur mal an diesem scheiss See hocken. Ich will, dass mir alles mal für ne Weile egal sein kann. Ich bin so müde.»

Passage aus dem Stück Der Mann der die Welt ass, im Juniheft «Störung»

 

Glücklich sind immer die anderen.

Aus den Maximen zum Stück Das glückselige Leben, im Dezemberheft «Kultur fördern»

 

Die Schwangerschaft wird immer mehr zum Artefakt, es ist nicht mehr rein von der Natur und dem Schicksal gesteuert, ob und wie ein Kind zur Welt kommt.

 

Ich hoffe sehr, die Gesellschaft gelangt irgendwann zur Einstellung, dass es nicht lästig, sondern schön ist, Räume ohne Barrieren zu schaffen, denn dann kommen auch Menschen mit Behinderung an diese Orte.

Cem Kirmizitoprak, Rollstuhlfahrer, im Oktoberheft «Von Hindernissen»

 

Wir können nicht verlangen, dass die Welt der Nicht-Behinderten jene der Behinderten automatisch versteht. Deshalb müssen wir uns mitteilen und einbringen.

Nils Jent, HSG-Professor, im Oktoberheft «Von Hindernissen»

 

«Im Leben geht es darum, sich die Knie aufzuschürfen. Fallen und wieder aufstehen. Das ist Resilienz.»

Jessica Alexander im Beitrag von Claudio Bucher, im Märzheft «Im Wald»

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