Wenn wir jede Angst mit einem materiellen Ding kompensieren, entstehen garantiert neue Ängste und wir brauchen noch mehr Dinge.
Veronika Fischer im Januarheft
Was der Stadt fehlt, und wofür Meienberg stand, ist die Lust am Gerangel, an offenen Konflikten, an der Zuspitzung, An einer Art der Politik, die sich selbst nicht für alternativlos hält, und einer Kultur, die sich nicht damit begnügt, was sie erreicht hat.
Matthias Fässler im Januarheft
Als wäre das nicht schon schlimm genug, tummeln sich auf dem Spielplatz seit einigen Jahren auch noch etliche Arschlochkinder, die alles wegmobben, was ihnen nicht in den Kram passt: Google, Instagram, Facebook & Co. Wie den Znüni früher in der Schule treten die ohnmächtigen Medienhäuser heute den Grossteil ihrer Werbeeinnahmen an sie ab.
Corinne Riedener im Januarheft
Von Grüninger und den anderen Fluchthelfern kann man lernen, dass jemand, auch wenn es aussichtslos erscheint, handeln kann. Und dass es darauf ankommt, etwas zu tun.
Stefan Keller im Februarheft
Was aus dem Ganzen zu lernen wäre? Zumindest dies: Geschichte kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber sie kann und muss erforscht werden, tabulos und mit maximalem Respekt vor ihren Opfern.
Peter Surber im Februarheft
Aus der Zürcher Bührle-Affäre könnte man längst eine TV-Serie um Macht, Geschichte und Aufklärung drehen. Im Kern handelt sie davon, wie sich eine rot-grüne Stadtregierung im Kunsthaus mit dem Bürgertum und dem Finanzplatz arrangiert, und wie sich jene, die von den Geschäften mit den Nazis profitierten, noch immer aus der historischen Verantwortung stehlen wollen.
Kaspar Surber im Februarheft
Die kleinen Kulturbetriebe und freien Kulturschaffenden kamen aus meiner Sicht viel zu kurz. Die Politik hat die alternative Szene nicht mitgedacht bei ihren Entscheidungen. Das Miteinander in der Kulturszene ist mit Corona gewachsen und mittlerweile unglaublich stark – nur schlägt sich das leider nicht in der Politik nieder. Die Pandemie hat uns in der Kulturszene einander gewissermassen nähergebracht, aber sie hat auch die Schere weiter aufgehen lassen.
Fabian Mösch im Märzheft
«Toxic.fm», das einst vom Herzblut seiner Macher:innen gelebt hat, das manchmal auch verrückt bis infantil daherkam und diese gewisse amateurhafte Frischheit verströmt hat, ist nicht mehr. Es scheint, dass jetzt auch noch die letzten alten Hasen, die dem Toxic kulturelle Vielfalt einhauchten, abspringen oder geschickt werden.
Roman Hertler im Märzheft
Schawinski & Co. jammern genaugenommen nur gegen die neue Konkurrenz und schüren Verunsicherung. Wir sollten dem weniger Beachtung schenken. Schawinski ist heute ein Schlussliechtli.
Thomas Gilgen im Märzheft
Der 24. Februar 2022 stellt eine Zäsur dar, die das Leben vieler Menschen in «vorher» und «seither» zerschnitten hat. Vieles wird seither in unterschiedlicher Intensität und mit nicht vorhersagbaren Folgen erschüttert. In der Ukraine, hierzulande, jenseits des europäischen Subkontinents und natürlich auch in der Russländischen Föderation.
Maren Schreier im Aprilheft
Aufs Klima bezogen, heissen die «Oligarchen» Glencore oder Nestle. Da taugt die bürgerliche Antwort, jede und jeder müsse bei sich selber anfangen, aus meiner Sicht nichts. Eigenverantwortung zu fordern, damit die Wirtschaft in Ruhe gelassen werden kann, ist kein Weg.
Robin Eichmann im Aprilheft
Dass Körper nicht so zweigeschlechtlich sind, hat aber eigentlich gar nichts mit trans Identitäten zu tun: Gender liegt nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.
Anna Rosenwasser im Maiheft
Man kann es nicht genug betonen: Kein Mensch ist illegal – Menschen werden illegalisiert. Dieser Zustand ist beschämend und unhaltbar in einer fortschrittlichen und solidarischen Gesellschaft.
Corinne Riedener im Maiheft
Warum dürfen wir nicht arbeiten, uns einbringen? Ich kenne Sans-Papiers, die seit Jahren hier leben, die Sprache bestens beherrschen und so viel zu unserer Gesellschaft beitragen könnten. Stattdessen verkriechen wir uns an den Rändern – aus Angst.»
Sangmo* im Maiheft
Während die Ukraine ums Überleben kämpft, nutzt die Türkei ihre Chance. Während die tapferen Ukrainer im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen, die sich gegen das übermächtige Russland wehren, startete Ankara eine Offensive gegen die verhassten Kurden im Nordirak. Mit den gleichen völkerrechtswidrigen und brutalen Mitteln wie das Putin-Regime in der Ukraine.
Alfred Hackensberger im Maiheft
Das WEF ist ja ein schon fast dürrenmatt’sches Beispiel von Exklusion, mit dem Stacheldraht um die Veranstaltung, mit der Armee, die die Wenigen drinnen vor dem Rest draussen schützt.
Christoph Keller im Juniheft
Für Vorarlberg gilt, dass man früher besonders römisch-katholisch war und sich zugleich für besonders politisch-freisinnig hielt, (was auch besonders deutschnational oder besonders nationalsozialistisch heissen konnte). Und heute ist man besonders sanft-touristisch und vor allem besonders international-kulturell, und zwar mit einer Betonung auf Festspielwesen und Baukunst.
Wolfgang Mörth im Juniheft
Mein Bedürfnis war es, jedem Obdachlosen Geld zu geben, aber es waren so viele, denen man dort jeden Tag begegnete. Hier sind es vielleicht drei oder vier, wenn man durch die Fussgängerzone geht, und in Berlin ist das an jeder Ecke. In Konstanz lebt man in der Hinsicht in einer Blase. Das Elend ist ja nicht weg, nur weil man es nicht sieht.
Veronika Fischer im Juniheft
In der Naturbesetzung zu leben, heisst nicht, in der Natur zu sein, ungestört. Man ist am Rande der Natur, man ist Teil ihrer letzten Verteidigungslinie, bevor sie dem Kapitalismus zum Opfer fällt und zum Treibstoff der Klimakrise wird.
Sonne* im Sommerheft
Das ist vielleicht der Unterschied zu früher. Heute sitzt der Klimastreik auf die Kreuzung St.Leonhard- und Kornhausstrasse, singt «We shall overcome» und kommt sich dabei wahnsinnig rebellisch vor. In den 80ern war die Debatte noch, ob sich Gewalt nur gegen Sachen oder auch gegen Personen richten soll; es ging härter zur Sache.
Reto Voneschen im Sommerheft
«Ach wie schön, ist da etwa was unterwegs?», fragt mich eine eher unbekannte Person und schaut verzückt auf meine Körpermitte. Unter meinem T-Shirt wölbt sich mein Bauch. Da ist mit Sicherheit irgendwas unterwegs, schliesslich nehme ich regelmässig Mahlzeiten zu mir.
Veronika Fischer im Sommerheft
Um eine Bewegung am Laufen zu halten, muss man Verbindungen schaffen und nicht ständig um Abgrenzung bemüht sein.
Judith Grosse im Sommerheft
Man muss in aller Klarheit sagen: Wenn es das Ziel ist, sämtliche Vorfälle auf Null zu bringen, seien es etwa kleinere Sachbeschädigungen im Stadion oder das Ziehen der Notbremse im Extrazug, dann kann sich die Fanarbeit jetzt schon auflösen. Die Vorstellung von absoluter Sicherheit ist eine völlige Illusion.
Christian Huber im Sommerheft
Statt im brennenden Haus zu sitzen und mit einem «This is fine» zu resignieren, lieber auf dem Tisch in Flammen tanzen. Europa geht unter – und bei allen Krisen darf das auch gefeiert werden.
David Nägeli im Septemberheft
Das ist auch ein Pandemieproblem: Die Kultur wurde zu einem Produkt. Ähnlich wie bei Spotify oder Amazon, wo Ideen ausgespuckt werden, was man anziehen, saufen oder fressen soll. Musik wird jetzt ebenfalls vermarktet wie eine Zahnbürste oder Zahnpasta. Aber das Emotionale, das Aufgeladene, das was man als Energie erlebt, wenn man dabei ist, das wurde verlernt.
Michael Gallusser im Septemberheft
Unsere Musik bei Dachs ist in Dialekt gesungen, da weiss jeder rasch, aha, St.Gallen. Leute, die «Hopp St.Galle, füre mit em Balle!» hineinbrüllen, sind langsam ausgestorben, das ist ein gutes Phänomen.
Basil Kehl im Septemberheft
Einflussreiche Männer auf Social Media werden nicht Influencer genannt. Sie sind Jungunternehmer, Fitnessgurus, Experten. Influencerinnen, das sind die, die Schminke verkaufen und die Dreistigkeit haben, sich selbst abzubilden. Denn Bildnisse von Frauen werden nur dann zur Kunst erklärt, wenn sie aus der Linse eines Mannes stammen.
Anna Rosenwasser im Septemberheft
Und ich mache jetzt genau das, was viele Männer in homosozialen Strukturen auch machen: Ich schreibe ein wohlwollendes Portrait über eine Person, mit der ich befreundet bin und mit der ich regelmässig zusammenarbeite, denn soziale Strukturen sind dazu da, sich gegenseitig zu supporten und Sichtbarkeit zu generieren. Im besten Fall macht man das im Bewusstsein der Machtstrukturen, in welchen man sich bewegt, und der Privilegien, über die man verfügt, und ohne dabei exkludierend zu sein – was homosoziale Netzwerke oft sind.
Jessica Jurassica im Septemberheft
Überspitzt gesagt wird man ja an unseren Unis quasi ausgebildet, um Massenmördern zu assistieren. In diesem Sinn kann man die HSG eigentlich als Ausbildungsstätte für Wirtschaftskriminalität bezeichnen.
Milo Rau im Novemberheft
Wenn man von unten kommt, muss einem keiner erklären, wie die Gesellschaft funktioniert. Ich wusste schon in der Primarschule, dass wir in einer Klassengesellschaft leben.
Paul Rechsteiner im Dezemberheft
«Die Jugend» wird sich einen Teil ihres Mysteriumswohl immer bewahren, ganz unabhängig davon, ob dasnun gut oder schlecht für die gesellschaftliche Entwicklungist.
Roman Hertler im Dezemberheft
Online und in der Wochenschau gibt es selbstverständlich noch viel mehr Material, da könnt ihr jederzeit selber stöbern. Abonnieren kann man die freitägliche Wochenschau hier: saiten.ch/wochenschau
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.