Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Häufig wird man aussortiert»

In Rapperswil-Jona findet aktuell die Ausstellung Jo Mi Ro statt. Einer der Künstler ist Aramis Navarro. Er geht seinen eigenen, speziellen Weg, den Sie verfolgen sollten.
Von  Frédéric Zwicker
Aramis Navarro unter Freunden. Rechts der KopfzerbRECHNER.

Aramis Navarro ist ein Sonnenkind. Nicht nur wegen des spanischen Bluts, das in den Adern des fünfundzwanzigjährigen Rapperswiler Künstlers fliesst. Aramis tut, was  Aramis gern tun möchte, und wirkt dabei erstaunlich gelassen und entspannt. Ein Sonnenkind ist er deshalb, weil dieser Pfad, dem er seit einigen Jahren folgt, sich bisher als weniger steinig herausstellt, als es derartige Pfade für gewöhnlich sind.

Aramis‘ Kunst – seine Bilder und Skulpturen – haben ihm in den knapp drei Jahren, seit er sich professionell damit beschäftigt, ein Renommee beschert, von dem viele junge Künstler träumen. Im Jahr 2014 hat er den Vorkurs zur Kunstschule absolviert. Heute lebt er von seiner Kunst, stellte an der diesjährigen Art Basel im Messeturm aus und fährt am Sonntag nach Berlin, wo Werke von ihm an der Art Berlin Contemporary gezeigt werden, eine Initiative von Berliner Galerien, die zeitgenössische internationale Kunst nach Berlin bringen will. Eineinhalb Jahre nach Abschluss des Vorkurses ist man bereits international auf Aramis Navarro aufmerksam geworden.

Diplomlos glücklich

«Wenn man bei Ausschreibungen oder Wettbewerben etwas einreicht oder sich um einen Kulturförderbeitrag bewirbt, dann ist es schon ein Nachteil, wenn man nicht über ein Diplom verfügt», sagt Navarro. «Häufig wird man dann einfach aussortiert.» Dennoch macht sich der Weitestgehend-Autodidakt um seine Zukunft keine Sorgen. Er spielt zwar mit dem Gedanken, eine Bewerbung an die Royal Academy of Arts in London zu schicken. Aber der Verzicht auf die diplombringende Ausbildung war eben ein bewusster.

«Ich dachte nach dem Vorkurs, ich könnte mehr profitieren, wenn ich drei Jahre für mich im Atelier arbeite, als wenn ich in dieser Zeit die Kunstschule besuche.» Beeinflusst bei seinem Entscheid wurde Navarro auch von der Diplomausstellung der Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste. «Ich will niemandem zu nahe treten. Aber ich fand schon, dass man den unterschiedlichen Arbeiten ansehen konnte, dass sie an derselben Schule entstanden waren.»

Techniken würden an der Hochschule sowieso kaum mehr gelehrt. Dafür müsse man als Handlanger bei einem Künstler im Atelier anheuern. Auf die Suche nach seinem eigenen Ausdruck und Stil wollte sich Navarro aber ohne Anleitung machen.

Jo Mi Ro mit Werken von Flora Frommelt, Johannes Vollenweider und Aramis Navarro, Elektrizitätswerk Rapperswil-Jona.

Öffnungszeiten:
Foyer: Montag – Freitag 07.15 – 12.00 Uhr / 13.00 – 17.00 Uhr
Dieselhalle Samstag/Sonntag 14.00 – 17.00 Uhr
An den Wochenenden sind die Künstlerin und Künstler jeweils anwesend.

Kulturnacht 10. September 2016, 17.00 – 24.00 Uhr
Musikalischer Rundgang: 17.00 Uhr / 19.30 Uhr / 21.30 Uhr
Finissage: 25. September 2016, 15.00 Uhr
Künstlergespräch und Rundgang mit Hedi K. Ernst

Humor als roter Faden

Zu Navarros Stil gehört der Humor. Er zieht sich durch Bilder und Skulpturen und die Titel der Kunstwerke. KopfzerbRECHNER heisst die Skulptur, auf deren Schultern ein Zählrahmen als Kopf sitzt, ManifeSTIER die mächtige Stierskulptur. Und Zi(eh)garette ist der Titel eines Ölbilds, das eine Schubkarre aus Zigaretten zeigt, die Zigaretten geladen hat.

Navarro verfügt über einen humorvollen, wachen Geist, der sich mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Seine Freundin fragt sich, was in aller Welt ihn an einem Boulevard-Frauenmagazin so interessieren kann, bis er es endlich weglegt und erklärt, er habe eine Idee für ein neues Werk. Eine Bilderserie widmete er Versprechern, die Leuten aus seinem Freundeskreis herausgerutscht waren. Und so sind auch Navarros Werke nicht nur schön fürs Auge. Sie bieten zusätzlich wohl bekömmliche Geistesnahrung.

manifestier Kopie

Der ManifeSTIER ist ein imposantes Exemplar seiner Gattung.

ziehgarette

Wortwitz: Auch die Sprache spielt bei Navarro eine Hauptrolle

«Gegenstände mit Seele»

Navarro ist ein Material-Fetischist. Nicht nur zieht er seine Leinwände auf handgemachte Rahmen auf und mischt er seine Ölfarben eigenhändig aus Pigmenten, wie man das früher machte. Er besucht auch Brockenhäuser, Flohmärkte und Abbruchhäuser, wo er sich die Bauteile für seine Skulpturen zusammensucht. «Zu Abbruchhäusern kommen jeweils ein paar Freunde mit. Wir sammeln dann schon einmal eine halbe Tonne Material, das in mein Lager wandert», meint er schmunzelnd.

«Mich interessieren Gegenstände mit Seele, die irgendwie energiegeladen sind.» Häufig sind das Gegenstände mit Geschichte. Die langen Beine des ManifeSTIER bestehen aus alten Kutschenbalken. Meist schmückt er seine Skulpturen, deren Einzelteile über eine altersbedingte Patina verfügen, mit weissen Linien. «Einerseits um die Patina zu kontrastieren, andererseits symbolisieren die Linien auch eine Sträflingskluft.»

Freigeist in Sträflingskluft

Das Motiv des Gefangenseins mutet bei einem Freigeist wie Navarro fast absurd an. Denn er ist einer, der sich wie wenige andere den gesellschaftlichen Zwängen widersetzt. Viel eher passt da, dass die Skulpturen trotz massiger Materialien und der oftmals verwendeten Querlinien federleicht wirken. Das gefällt nicht nur immer mehr Kunstliebhabern und Sammlern in der Schweiz. Auch die EAF, die Enter Art Foundation, wurde auf ihn aufmerksam. Eine Kuratorin aus New York besuchte ihn in seinem Atelier.

Es handelt sich bei der Stiftung um eine internationale Plattform für zeitgenössische Künstler aus aller Welt. Anders als Galerien, die Kommissionen von bis zu 70 Prozent für sich beanspruchen, fliesst bei der EAF der gesamte Erlös an die Künstler.

Die EAF hat Navarro an die Art Basel gebracht. Sie führt ihn am Sonntag nach Berlin. Es ist ein weiterer Schritt für einen jungen Schweizer Künstler, der mit Talent, Schaffenskraft, Intelligenz und Visionen gesegnet ist. Und zu alledem ist Aramis Navarro ein richtig sympathischer, bescheidener Mann – eine Eigenschaft, die dem Künstler sicher hilft, den gewählten Pfad zu ebnen.

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi