, 15. Juni 2014
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Harte Tackles, grosse Party

Bier, ehrlicher Sport und internationales Flair: Der Bishops Cup feiert Jubiläum. Zum 20. Mal fand dieses Wochenende das internationale Rugbyturnier im Gründenmoos statt. Luca Ghiselli berichtet.

Vom Cüpli zum Cup: Wo vor vierzehn Tagen noch Pferde sprangen und Hutträgerinnen Prosecco schlürften, raufen sich dieses Wochenende 18 Rugbyteams um den Bishops Cup. Es riecht nach Rasen, Bier und Frühsommer. Schlafzelte säumen in Festival-Manier den Spielfeldrand des Hauptplatzes im Gründenmoos. Die Spielerinnen und Spieler betreiben «On-Site-Camping», schlafen also gleich neben dem Spielfeld. Das schont das Budget und fördert den Zusammenhalt.

Nachwuchsprobleme

Rugbyvereine haben es in der Ostschweiz nicht leicht. «Der Sport ist in der Region noch unbekannt, dementsprechend stellen sich gewisse Nachwuchsprobleme», bestätigt Dominik Chiavi, Medienverantwortlicher der Bishops, die als grösster Ostschweizer Verein rund 40 lizensierte Mitglieder zählen. Viele hätten auch ein falsches Bild vom Sport.

Bishops Cup 2014Was am TV brutal wirkt, ist oft weniger schlimm als es aussieht. «Die Verletzungen am Bishops Cup sind harmloser als bei den meisten Grümpelturnieren», relativiert OK-Mitglied Robin Bommer. Die mitunter rauhe Gangart erschwert vor allem den Damenmannschaften die Suche nach Nachwuchs. Immerhin sind sechs Frauenmannschaften am Bishops Cup vertreten.

Londoner Referees 

Mit von der Partie sind, wie jedes Jahr, auch die englischen Schiedsrichter. Sie werden eigens für den Bishops Cup aus London eingeflogen. Der Organisator dieses Austauschs ist Peter Crouch. Der 54-Jährige pfeift in seiner Heimat Level Seven Spiele, seit 16 Jahren kommt er mit einer Delegation von englischen Referees ins Gründenmoos. «Viel hat sich im Verlauf der Jahre nicht verändert», sagt er. Einzig die englischsprachigen Teams kämen nicht mehr so oft an den Bishops Cup, das wirke sich auf das Spielniveau aus.

Dass es auch an einem familiären Rugbyturnier zu hitzigen Szenen kommen kann, bestätigt Schiri-Crouch. Kurz danach sieht ein Spieler gelb, weil er nach einer Schiedsrichterentscheidung ironisch applaudiert. «Als Unparteiischer muss ich auch hier hart durchgreifen, wenn es nötig wird. Es kann jederzeit zu schwierigen Situationen kommen.»

Frischer Wind im OK

In der Organisation des Bishop Cups zeichnet sich ein Generationenwechsel ab. Die «alte Garde», die den Cup vor zwanzig Jahren ins Leben rief, tritt kürzer. Junge OK-Mitglieder versuchen, ihre Ideen einzubringen. Dominik Chiavi nennt ein Beispiel: «Wir setzen vermehrt auf Social Media und versuchen, mit der Zeit zu gehen.» Finanziert wird der Cup hauptsächlich durch den Verkauf von Bier. An vergangenen Turnieren gingen schon knapp 1000 Liter über den Tresen.

Bishops Cup 2014Und was sind die Ziele für kommende Bishops Cups? «Wir wollen bald wieder einen vollen Slot mit 24 Teams füllen», kündigt Robin Bommer an, der den diesjährigen Cup zum zweiten Mal im OK mitgestaltet hat. Ausserdem sollen wieder mehr Teams aus dem englischsprachigen Raum nach St.Gallen gelockt werden.

Favoriten und Sieger

Das Leistungsgefälle zwischen den ausländischen und den Schweizer Teams macht sich trotz der Abwesenheit von Teams aus den Commonwealth-Staaten bemerkbar. Bei den Männern wurde im Vorfeld die U20-Auswahl von RC Strassbourg als Topfavorit gehandelt. Und tatsächlich räumten die amtierenden Titelverteidiger auch in der Jubiläumsausgabe alle aus dem Weg. Sie besiegten den RC Zug im Final. Der Pokal, ein Bier-Bong, geht somit zum dritten Mal in Folge ins Elsass. Bei den Damen bezwang der RC Luzern im Endspiel die Zebras und holten sich so die Cindy Trophy, das weibliche Pendant zum Bishops Cup.

Bilder: Dani Fels

1 Kommentar zu Harte Tackles, grosse Party

  • Tschau Sepp sagt:

    Da fällt mir doch gleich das bekannte Bonmot ein, passend zur WM: „Football is a gentlemen’s game played by hooligans, and rugby is a hooligan’s game played by gentlemen.“

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