Heat Girl Summer
Mein Hot Girl Summer begann und endete in einem Queensize-Ausstellungsbett bei Ikea. Meine Plateau-Schuhe lagen auf der Blumenmuster-Bettwäsche, um mich herum ein farblich passender Schlafzimmer-Querschnitt mit Holzkommode, Spiegel, Lesesessel und saisonaler Dekoration sowie zwei Angestellte, die mir mit Fächer und Werbeflyer Luft zuwedelten. Queen shit, oder? Ein nasses Croptop lag an meinem Körper an, ein feuchtes blaues Mikrofaser-Sporttuch um den Hals und ein dermassen dünner Parachute-Rock, dass man im grellen Kaufhaus-Licht hindurchsehen konnte. Mein Lieblings-Hitzemanagement-Outift für Spring/Summer 26, das klimatisierte Möbelhaus als Runway. Zwei Sanitäter hievten mich später aus dem Bett und auf einem Rollstuhl und schoben mich aus dem Schlafzimmer, vorbei am Kinderzimmer, an aktuellen Aktionen und dem Self-Checkout und ab in den Krankenwagen.
Die Klimakrise schien mir lange so fern wie die eigene Vulnerabilität. Da können sich die Hitzetodrekorde noch so überschlagen und die Krankenhäuser noch so voll sein – dass man selbst plötzlich kollabieren könnte, wegen Herz oder Hitze,fühlte sich unmöglich an. So unmöglich wie ein Tornado auf dem Bodensee. Irgendwie kriegt das der Körper schon hin, «durchbeissen», schreiben sie in den Kommentarspalten zur Übersterblichkeit. Und ich bin ja noch jung, es ging bisher immer gut. Alles geht immer gut, bis es das plötzlich nicht mehr tut. Und man ist immer jung, bis man es plötzlich nicht mehr ist.
Nachdem ich in der Unterführung vor Ikea umgekippt und einen halben Tag später wieder aus dem Spital entlassen worden war, war ich nicht mehr jung. Die restlichen Hitzetage verbrachte ich im Pensionist:innenklub meines Quartiers, dem naheliegendsten Ort mit Klimaanlage und ohne Konsumzwang, mit Gesellschaftsspielen und Tischtennisplatte. Täglich sah ich den Renter:innen zu, wie sie routiniert Pingpongbälle in irrwitzigem Tempo durch den Raum schlugen, und flüsterte derweil beruhigende Mantras und Gebete vor mich her. Ich muss noch lernen, mit meiner neu entdecken Vulnerabilität klarzukommen, mit der eigenen Versehrtheit. Seit ich im Krankenhaus war, habe ich regelmässig Panikschübe. Wenn sich mein Körper heisser, kälter, schmerzhafter anfühlt als noch kurz zuvor. Wenn es in der S-Bahn etwas stickiger ist als sonst. Wenn es Tornados gibt oder Waldbrände, Überschwemmungen oder Jahrhundertdürren. Wenn die Insekten sterben, die Alten sterben, die Kranken sterben. Wenn man plötzlich auch zu denen gehört, die bei Pandemie oder Hitzewellen eher mal sterben: zu den Alten, den Kranken, der Risikogruppe.
Im Krankenhaus machte der Arzt just to be sure ein EKG und stellte fest, dass mit meinem Herz vermutlich etwas nicht in Ordnung ist. Das habe jetzt nichts mit dem Hitzeproblem zu tun, sagte er, aber ich solle das mal abklären, wenn sich alles etwas gelegt habe, wenn die aktuelle Krise vorbei sei, das mit der Hitze und den Waldbränden, mit den Dürren und Tornados, mit den Insekten und den Alten und den Kranken. Denn es gehe alles immer gut, bis es das dann plötzlich nicht mehr tue.
Mia Nägeli, 1991, ist in der Ostschweiz aufgewachsen und arbeitet als Autorin, Musikerin und Künstlerin mit Pop, Transfeminismus und Trauma. Sie ist Teil des Duos CAPSLOCK SUPERSTAR und des Kollektivs Dieter Meiers Rinderfarm und veröffentlicht mit weiteren Projekten Musik, Filme oder Zines und realisiert Installationen und Performances. Sie lebt in Wien und Basel.
Kolumne: 24/7 Traumacore
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Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
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Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
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