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Heftvorschau 01/26
362 Saiten Januar 2601
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Editorial

Vor etwas mehr als zehn Jahren, auf dem Weg ins Brockenhaus, lief im Radio des roten VW-Busses ein Gewinnspiel. Das Geld im Jackpot hätten ich und die Freundin, mit der ich unterwegs war, gut gebrauchen können. Für die neue Wohnung, um Rechnungen zu bezahlen, den.aus dem letzten Loch pfeifenden Bus zu reparieren – oder für ein ÖV-Billett. Wir trauten uns nicht. Und riefen nicht an. Später fanden wir beim Ausladen unserer Brocki-Beute 3000 Franken in der klapprigen Kommode, die wir für etwa 20 Franken erstanden hatten. Das fühlte sich für unsere Verhältnisse an wie ein Sechser im Lotto. Violette Nötli kennt unsereins nur aus dem Fernsehen. Oder von Monopoly.

Ob jemand den Jackpot des Radiospiels gewonnen hat, weiss ich nicht mehr. Und selbst wenn, so hätte es auch sein können, dass dieser nie abgeholt wurde – das passiert gar nicht so selten. Aber anders als die 3000 Franken in unserer Kommode verstauben bei Swisslos, der für die Deutschschweiz, das Tessin und Liechtenstein zuständigen Lotterie, keine Gelder. Denn ihr Reingewinn wird an die Kantone ausbezahlt, die damit Kultur, den Breitensport und andere gemeinnützige Projekte unterstützen sollen. Weil aber die Regeln zur Vergabe der Mittel zum Teil so unklar oder unübersichtlich sind wie die Wände einer billigen 60er-Jahre-Kommode porös, kommt es immer wieder zu Diskussionen um die Fonds. Besonders in St.Gallen, denn hier entscheidet das Parlament über den immer voller werdenden Lotteriefonds. Und damit eine bürgerliche Mehrheit über Kulturförderung. Für diesen Schwerpunkt haben wir uns angeschaut, woher die Gelder in den Ostschweizer Fonds kommen, wohin sie fliessen, wer mitreden darf und weshalb es in St.Gallen zu ideologisch motivierten (Nicht-)Vergabeentscheiden kommt.

Zum Jahresanfang erscheint Saiten in leicht neuem Gewand – wir hoffen, es gefällt – und mit weiteren Geschichten: einem Gespräch mit der abtretenden Leiterin des St.Galler Frauenhauses, dem Kulturschwerpunkt zum Jubiläum der J. S. Bach-Stiftung, einer Flaschenpost aus Rumänien, Musik von Pico Lightyear und Neuem aus dem 40-jährigen Theater Momoll. Damit wünschen wir viel Spass beim Lesen, einen guten Start ins Jahr des Pferdes – und viel Glück. Wer weiss, vielleicht hat der eine oder die andere von euch ja etwas mehr davon und findet oder gewinnt ein violettes Nötli, eine Kommode oder grad ein Pferd.Daria Frick

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