Heftvorschau 03/26
Design Week, Baugesetz, Bücherfrühling
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Editorial

Als Zürcherin habe ich mich zuweilen schon über die hiesige Kultur gewundert. Zum Beispiel über die Tatsache, dass an Buchvernissagen zum Apéro Würste verteilt werden. Kleine Bratwürste. Als Häppli. Fingerfoodwürstli sozusagen. Oder über die Tatsache, dass sich scheinbar alle irgendwie kennen – vom Tschutten, aus der Schule, über sieben andere Ecken oder den Grossvater. Was wiederum dazu führt, dass sich öfter mal dieselben Leute gegenseitig die Bäuche pinseln. Vielleicht liegt das auch eher an einer etwas übertriebenen Nettigkeit. Diese trägt vermutlich dazu bei, dass Faschist:innen unter dem Vorwand einer Impfgegner:innen-Demo durch die Stadt ziehen dürfen, von der Polizei schüchtern geduldet und von der breiten Öffentlichkeit unkommentiert. Oder dass der Frauenstreik eher ein leiser Spaziergang als ein Protest gegen Ungleichheit ist. Sie ist vermutlich auch Grund dafür, dass die Ostschweizer:innen sehr bescheiden sind.

Und das zu Unrecht. Denn die Region hat enorm viel Kultur zu bieten und dem gesamtschweizerischen Diskurs so einiges beizusteuern. Seit Jahrhunderten. Und natürlich schmückt sich hie und da jemand mit den eigenen oder auch mal mit fremden Federn, aber meist bleiben viel Grossartiges und lauter verrückte Geschichten unbeachtet. Und ganz im Gegensatz zur Möchtegern-Metropole Zürich wird eben nicht jeder halbwegs kreative Wurf von jemanden, der jemanden kennt, an eine grosse, vergoldete Glocke gehängt. Und das macht die Ostschweizer:innen sehr sympathisch.

Die Design Week wirft ein Schlaglicht auf eben solche Arbeiten. Zum zweiten Mal bietet sie bekannten Designer:innen und solchen, die eher im Verborgenen wirken, eine Plattform. Sie zeigt, was St.Gallen alles so kann. Für dieses Kooperationsheft haben wir mit den Organisator:innen der Design Week, Beat Lüscher, Kathrin Lettner und Samuel Zuberbühler, über den guten Ruf der Stadt und die Zukunft des Festivals gesprochen, weitgereiste Ostschweizer Designer:innen porträtiert und Ateliers in der Stadt besucht.

Ausserdem in diesem März-Heft: Ein Schwerpunkt zum Planungs- und Baugesetz, eine Flaschenpost aus Down Under, die vorerst letzte Ensemble-Inszenierung von Matthias Peter in der Kellerbühne, ein Einblick in das Tanzfestival Steps, das neue Album von Worries And Other Plants sowie Literatur für den Bücherfrühling. Wir wünschen frohes Lesen und lautes Protestieren – der 8. März bietet sich dafür an, denn der Abstimmungssonntag fällt auf den internationalen Frauenkampftag.Daria Frick

Inhalt
Positionen

Redeplatz

«Es war ein Ent­scheid der Ver­nunft»

Von 

Der Kan­ton schiebt das Pro­jekt für ei­ne neue Kan­tons- und Stadt­bi­blio­thek in St.Gal­len um bis zu drei Jah­re auf. «Al­le sind jetzt da­zu auf­ge­for­dert, Über­zeu­gungs­ar­beit zu leis­ten», sagt Re­gie­rungs­prä­si­dent Beat Tin­ner (FDP).

Skla­ve­rei­be­richt: Ei­ne Re­plik

Von 

In der Fe­bru­ar­aus­ga­be hat Ri­ta Kes­sel­ring den jüngst pu­bli­zier­ten städ­ti­schen Be­richt St.Gal­len, Skla­ve­rei und Ko­lo­nia­lis­mus aus der Fe­der des St.Gal­ler His­to­ri­kers Pe­ter Mül­ler kri­ti­siert. Hier sei­ne Ant­wort.

Stimmrecht

Streets of Lon­don

Von 

24/7 Traumacore

Spieg­lein, Spieg­lein

Von 

Heppelers Bestiarium

Der Ein­zäh­ni­ge

Von 
Design, Design, Design

«In St.Gal­len pas­siert wahn­sin­nig viel, aber oft im Ver­bor­ge­nen»

Von   und 

Zum zwei­ten Mal fin­det in St.Gal­len die De­sign Week statt. Wes­halb sie für die Bran­che wich­tig ist und was das mit dem gu­ten Ruf der Stadt zu tun hat, er­klä­ren Beat Lüscher und Kath­rin Lett­ner von der Schu­le für Ge­stal­tung so­wie Sa­mu­el Zu­ber­büh­ler von der Stand­ort­för­de­rung im Ge­spräch mit Sai­ten.

St.Gal­len baut Schrif­ten, fo­to­gra­fiert, näht und ge­stal­tet

Von   und 

In Sa­chen De­sign hat St.Gal­len ei­ne star­ke Ge­schich­te. Doch auch in der Ge­gen­wart ent­steht ei­ni­ges – zum Teil aber im Ver­bor­ge­nen. Sai­ten hat ein­zel­ne Stu­di­os be­sucht und sich zei­gen las­sen, was hin­ter den hie­si­gen Tü­ren ge­schaf­fen wird.

De­sign aus der Män­ner­bas­ti­on

Von 

An­na Zim­mer­mann hat das Schweis­sen für FLIN­TA*-Per­so­nen ge­öff­net und ver­eint in ih­rer Ar­beit De­sign, Kunst und Hand­werk. Die in der Stadt St.Gal­len auf­ge­wach­se­ne De­si­gne­rin lebt heu­te in Wien. An der De­sign Week stellt sie un­voll­kom­me­ne Ge­fäs­se aus.

Zwi­schen Gra­fik­de­sign und Tä­to­wie­rung

Von 

Als Tä­to­wie­rer und Gra­fik­de­si­gner über­trägt Daryl Schilt­knecht sei­ne vi­su­el­le Spra­che auf ver­schie­de­ne Me­di­en. Sei­ne Mo­ti­ve ent­ste­hen im Aus­tausch und blei­ben stets in­di­vi­du­ell.

Hand­werk und Fo­to­gra­fie

Von 

De­si­gner Chris­ti­an Her­sche be­ruf­lich um die Welt und hält sei­ne Ein­drü­cke auf Fo­tos fest. In der Ost­schweiz eig­ne­te er sich hand­werk­li­che Fä­hig­kei­ten an, die ihm ei­ne in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re er­mög­lich­ten.

Baugesetz

Ein ju­ris­ti­scher Dschun­gel

Von 

Seit 2017 ist das Pla­nungs- und Bau­ge­setz des Kan­tons St.Gal­len in Kraft. In die­ser Zeit gab es be­reits drei Nach­trä­ge, um bau­ju­ris­ti­sche Lü­cken zu schlies­sen. Nun kommt, nach ei­ni­gem Hin und Her, der vier­te – mit ei­ner Über­gangs­re­ge­lung, die vor zehn Jah­ren als un­nö­tig ge­stri­chen wur­de.

Den Still­stand ver­hin­dern

Von 

Städ­te und grös­se­re Ge­mein­den im Kan­ton St.Gal­len kön­nen auf­at­men: Wenn der Kan­tons­rat an der Früh­jahrs­ses­si­on An­fang März wie er­war­tet den vier­ten Nach­trag des
kan­to­na­len Pla­nungs- und Bau­ge­set­zes (PBG) be­schliesst, ver­hin­dert er ei­nen mehr­jäh­ri­gen Pla­nungs­still­stand.

Bücherfrühling

Jo­an Di­d­ion trifft Ter­ra X trifft St. Gal­len

Von 

«Was bleibt?», fragt sich die Ich-Er­zäh­le­rin in Lau­ra Vogts neu­em Ro­man Das Jahr des Kalks und fin­det Trau­ri­ges wie Tröst­li­ches. Vie­les da­von scheint na­he­lie­gend. Sich auf das Buch ein­zu­las­sen lohnt sich trotz­dem.

Ein Al­pha­bet der Sehn­süch­te

Von 

Mit ih­rem Kurz­ge­schich­ten­band aber mor­gen ein neu­er tag er­zählt An­na Stern Ge­schich­ten über die Trau­rig­keit, den weib­li­chen Schmerz und die da­mit ver­bun­de­nen Sehn­süch­te. Zu­sam­men mit den zar­ten Fo­to­gra­fien er­gibt sich ein stim­mi­ger Band, der trau­rig und hoff­nungs­voll zu­gleich macht

Schwei­zer Fil­me­ma­cher-Le­gen­de

Von 

Im Fe­bru­ar letz­ten Jah­res starb der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Ri­chard Din­do im Al­ter von 81 Jah­ren. Er hin­ter­lässt 38 voll­ende­te Fil­me, von de­nen vier mit der Ost­schweiz ver­bun­den sind. Kul­tur­pu­bli­zist Mar­tin Wal­der un­ter­nimmt mit Ri­chard Din­do – Er­in­ne­rungs­ar­bei­ter ei­nen Streif­zug durch sein Werk.

Kultur

Theater in St.Gallen

Ab in den Knast

Von 

In He­art­ship kom­men sich zwei Frau­en nä­her und pro­ben den Auf­stand ge­gen se­xua­li­sier­te Ge­walt. Bo­glár­ka Hor­váth und Eva Maropou­los spie­len, Mat­thi­as Pe­ter in­sze­niert zum vor­erst letz­ten Mal in der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne.

Im Dienst der Nach­wuchs­för­de­rung

Von 

Am 5. März star­tet Steps, das schweiz­weit gröss­te Fes­ti­val für zeit­ge­nös­si­schen Tanz. Ein be­son­de­rer Ak­zent liegt in der 20. Aus­ga­be auf «ma­de in Switz­er­land»: Die St.Gal­len Dance Com­pa­ny und Bern Bal­lett ma­chen ge­mein­sa­me Sa­che und bie­ten ein­hei­mi­schen Cho­reo­gra­fie-Ta­len­ten ein Übungs­feld.

Sounds statt Songs

Von 

Worries And Other Plants la­den ein zum nächs­ten Road­trip: Auf dem neu­en Al­bum Sweet He­art Su­gar Love schi­cken sie die Hö­rer:in­nen auf die Su­che nach ih­ren Songs. Wer sich dar­auf ein­lässt, ent­deckt ei­ne sehr span­nen­de Klang­land­schaft.