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Heftvorschau 03/26
Design Week, Baugesetz, Bücherfrühling
364 Saiten Maerz 2603 Cover
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Editorial

Als Zürcherin habe ich mich zuweilen schon über die hiesige Kultur gewundert. Zum Beispiel über die Tatsache, dass an Buchvernissagen zum Apéro Würste verteilt werden. Kleine Bratwürste. Als Häppli. Fingerfoodwürstli sozusagen. Oder über die Tatsache, dass sich scheinbar alle irgendwie kennen – vom Tschutten, aus der Schule, über sieben andere Ecken oder den Grossvater. Was wiederum dazu führt, dass sich öfter mal dieselben Leute gegenseitig die Bäuche pinseln. Vielleicht liegt das auch eher an einer etwas übertriebenen Nettigkeit. Diese trägt vermutlich dazu bei, dass Faschist:innen unter dem Vorwand einer Impfgegner:innen-Demo durch die Stadt ziehen dürfen, von der Polizei schüchtern geduldet und von der breiten Öffentlichkeit unkommentiert. Oder dass der Frauenstreik eher ein leiser Spaziergang als ein Protest gegen Ungleichheit ist. Sie ist vermutlich auch Grund dafür, dass die Ostschweizer:innen sehr bescheiden sind.

Und das zu Unrecht. Denn die Region hat enorm viel Kultur zu bieten und dem gesamtschweizerischen Diskurs so einiges beizusteuern. Seit Jahrhunderten. Und natürlich schmückt sich hie und da jemand mit den eigenen oder auch mal mit fremden Federn, aber meist bleiben viel Grossartiges und lauter verrückte Geschichten unbeachtet. Und ganz im Gegensatz zur Möchtegern-Metropole Zürich wird eben nicht jeder halbwegs kreative Wurf von jemanden, der jemanden kennt, an eine grosse, vergoldete Glocke gehängt. Und das macht die Ostschweizer:innen sehr sympathisch.

Die Design Week wirft ein Schlaglicht auf eben solche Arbeiten. Zum zweiten Mal bietet sie bekannten Designer:innen und solchen, die eher im Verborgenen wirken, eine Plattform. Sie zeigt, was St.Gallen alles so kann. Für dieses Kooperationsheft haben wir mit den Organisator:innen der Design Week, Beat Lüscher, Kathrin Lettner und Samuel Zuberbühler, über den guten Ruf der Stadt und die Zukunft des Festivals gesprochen, weitgereiste Ostschweizer Designer:innen porträtiert und Ateliers in der Stadt besucht.

Ausserdem in diesem März-Heft: Ein Schwerpunkt zum Planungs- und Baugesetz, eine Flaschenpost aus Down Under, die vorerst letzte Ensemble-Inszenierung von Matthias Peter in der Kellerbühne, ein Einblick in das Tanzfestival Steps, das neue Album von Worries And Other Plants sowie Literatur für den Bücherfrühling. Wir wünschen frohes Lesen und lautes Protestieren – der 8. März bietet sich dafür an, denn der Abstimmungssonntag fällt auf den internationalen Frauenkampftag.Daria Frick

Inhalt
Positionen
2602 Sklaverei sasha huber shooting back columbus 2004

Debatte

St.Gal­ler Skla­ve­rei­be­richt: Ei­ne Re­plik

Von 

In der Fe­bru­ar­aus­ga­be hat Ri­ta Kes­sel­ring den jüngst pu­bli­zier­ten städ­ti­schen Be­richt St.Gal­len, Skla­ve­rei und Ko­lo­nia­lis­mus aus der Fe­der des St.Gal­ler His­to­ri­kers Pe­ter Mül­ler kri­ti­siert. Hier sei­ne Ant­wort.

2603 Beat Tinner Andri Voehringer

«Es war ein Ent­scheid der Ver­nunft»

Von 

Der Kan­ton schiebt das Pro­jekt für ei­ne neue Kan­tons- und Stadt­bi­blio­thek in St.Gal­len um bis zu drei Jah­re auf. «Al­le sind jetzt da­zu auf­ge­for­dert, Über­zeu­gungs­ar­beit zu leis­ten», sagt Re­gie­rungs­prä­si­dent Beat Tin­ner (FDP).

Kolumne: Stimmrecht

Streets of Lon­don

Von 

Ich bin si­cher, ihr habt Streets of Lon­don ge­hört, die­ses wun­der­schö­ne Lied von Black­mo­re’s Night, und falls nicht, dann hört es euch an. Es ist wie frü­her Früh­ling, wie John­ny Cash, wie ein Zu­stand, in dem al­les ge­ra­de erst er­wacht.

Doch als Mi­grant:in be­greift man sei­nen Text ganz…

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Der Ein­zäh­ni­ge

Von 

Die Angst geht um im in­di­schen Bun­des­staat Jhark­hand: Ein Se­ri­en­tä­ter hat al­lei­ne im noch jun­gen Jahr 2026 über 20 Men­schen durch stump­fe Ge­walt ge­tö­tet. Pro­fi­ler be­schrei­ben den Ver­däch­ti­gen als männ­lich, jung und un­be­re­chen­bar. Das Grau­en schlug nachts und mit un­be­schreib­li­cher Bru­ta­li­tät zu…

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spieg­lein, Spieg­lein

Von 

I wan­na be beau­tiful. Ob­vious­ly, right? Aber das zu sa­gen, fühlt sich falsch an. Schön­heit sei ver­gäng­lich, heisst es bei Dis­ney und den Buch­re­li­gio­nen, wah­re Schön­heit kom­me von in­nen, heisst es in Songs von Chris­ti­na Agui­lera bis Gölä, in­tel­li­gent und lieb sein sei wich­ti­ger, heisst es,…

Design, Design, Design
2603 Designweek Webvorschau Designweek Interview

«In St.Gal­len pas­siert wahn­sin­nig viel, aber oft im Ver­bor­ge­nen»

Von   und 

Zum zwei­ten Mal fin­det in St.Gal­len die De­sign Week statt. Wes­halb sie für die Bran­che wich­tig ist und was das mit dem gu­ten Ruf der Stadt zu tun hat, er­klä­ren Beat Lüscher und Kath­rin Lett­ner von der Schu­le für Ge­stal­tung so­wie Sa­mu­el Zu­ber­büh­ler von der Stand­ort­för­de­rung im Ge­spräch mit Sai­ten.

St.Gal­len baut Schrif­ten, fo­to­gra­fiert, näht und ge­stal­tet

Von   und 

In Sa­chen De­sign hat St.Gal­len ei­ne star­ke Ge­schich­te. Doch auch in der Ge­gen­wart ent­steht ei­ni­ges – zum Teil aber im Ver­bor­ge­nen. Sai­ten hat ein­zel­ne Stu­di­os be­sucht und sich zei­gen las­sen, was hin­ter den hie­si­gen Tü­ren ge­schaf­fen wird.

Bildschirmfoto 2026 03 13 um 11 04 00

De­sign aus der Män­ner­bas­ti­on

Von 

An­na Zim­mer­mann hat das Schweis­sen für FLIN­TA*-Per­so­nen ge­öff­net und ver­eint in ih­rer Ar­beit De­sign, Kunst und Hand­werk. Die in der Stadt St.Gal­len auf­ge­wach­se­ne De­si­gne­rin lebt heu­te in Wien. An der De­sign Week stellt sie un­voll­kom­me­ne Ge­fäs­se aus.

2603 Daryl Schildknecht 0 1366

Zwi­schen Gra­fik­de­sign und Tä­to­wie­rung

Von 

Als Tä­to­wie­rer und Gra­fik­de­si­gner über­trägt Daryl Schilt­knecht sei­ne vi­su­el­le Spra­che auf ver­schie­de­ne Me­di­en. Sei­ne Mo­ti­ve ent­ste­hen im Aus­tausch und blei­ben stets in­di­vi­du­ell.

2603 Christian Hersche Export 01 Colour

Hand­werk und Fo­to­gra­fie

Von 

De­si­gner Chris­ti­an Her­sche be­ruf­lich um die Welt und hält sei­ne Ein­drü­cke auf Fo­tos fest. In der Ost­schweiz eig­ne­te er sich hand­werk­li­che Fä­hig­kei­ten an, die ihm ei­ne in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re er­mög­lich­ten.

Baugesetz
2603 Baugesetz 01

Ein ju­ris­ti­scher Dschun­gel

Von 

Seit 2017 ist das Pla­nungs- und Bau­ge­setz des Kan­tons St.Gal­len in Kraft. In die­ser Zeit gab es be­reits drei Nach­trä­ge, um bau­ju­ris­ti­sche Lü­cken zu schlies­sen. Nun kommt, nach ei­ni­gem Hin und Her, der vier­te – mit ei­ner Über­gangs­re­ge­lung, die vor zehn Jah­ren als un­nö­tig ge­stri­chen wur­de.

Den Still­stand ver­hin­dern

Von 

Städ­te und grös­se­re Ge­mein­den im Kan­ton St.Gal­len kön­nen auf­at­men: Wenn der Kan­tons­rat an der Früh­jahrs­ses­si­on An­fang März wie er­war­tet den vier­ten Nach­trag des
kan­to­na­len Pla­nungs- und Bau­ge­set­zes (PBG) be­schliesst, ver­hin­dert er ei­nen mehr­jäh­ri­gen Pla­nungs­still­stand.

Ausserdem im gedruckten Heft: die Flaschenpost aus Sydney, Gutes Bauen Ostschweiz, die Plattentipps der Analog-Bar, Kellers Geschichte und der Comic von Julia Kubik - und natürich der Veranstaltungskalender.