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Heimspiel ohne Zuschauer

Zum dritten und letzten Mal haben die Theater St. Gallen und Konstanz 2015 ihren Autorenwettbewerb ausgeschrieben. Nun kam das Gewinnerstück «Mumien. Ein Heimspiel» von Mehdi Moradpour auf die Bühne der Lokremise. Das Publikum blieb aus. Daniel Fuchs war dort.
Von  Gastbeitrag , 

Gemeinsam sind sie aus ihrem Land geflohen, die Brüder Mamal (Saro Emirze) und Dud (Tomasz Robak). In ihrem Exilland tragen sie schwer an ihrer Vergangenheit; Mamal, der regimetreue Folterer und Mörder und Dud, der mit den Kommunisten sympathisierte. Sie stranden im «Heim für Asyl und Soziales», in dem Heimleiter Otto, eindrücklich interpretiert von Jonas Pätzold, die Regeln setzt, streng nach dem Motto: «Wer was will, muss was hinhalten können». Das Heim wird zum bedrohlichen Ort, an dem jeder Bewohner missbraucht und instrumentalisiert wird – bis Mamal verschwindet.

Möglicherweise wurde er ermordet, doch eine Leiche gibt es nicht. Möglicherweise wurde er in den Suizid getrieben. Gewissheit ist keine da. Bei allen Mitbewohnern des Heims hat er aber eine Spur hinterlassen, auch bei Ada (Natalie Hünig) und Pep (Bernhard Leute). Es ist aber Viv, grossartig gespielt von Alina Vimbai Strähler, die sich auf Spurensuche begibt, jedoch ohne das Rätsel von Mamals Verschwinden lösen zu können.

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Mit dem Seziermesser

In Mumien seziert Mehdi Moradpour in einer achtzigminütigen Szenenfolge mit aller Schärfe die Seelen- und Körperräume seines Personals. Er tut das verstörend und sprachmächtig. Da wird kräftig geschnitten, abgeschabt und präpariert. Von Aussen nach Innen. Am Ende ist es Pep, der sich wünscht, das Spiel würde neu beginnen, ein anderes Spiel.

Der Preis ermöglichte dem Autor einen mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt am Theater Konstanz, das trägt hier Früchte. Entstanden ist ein Textkörper, der auf der Bühne funktioniert. Im doppelten Sinn ist das Heimspiel ein Theaterwerk mit viel dramatischem Sog. Ein Thriller. Die poetischen Partien inszeniert Regisseur Andreas Bauer als statische Aufführung von Stimmen und treibt diese damit in die Nähe des Hörspiels. Stark.

Mumifizierungen

Sechs Vitrinen, in denen die Bewohner gefangen sind, zur Schau gestellt wie Präparate und wenige, aber klug eingesetzte Projektionen genügen, um den Mumien auch optisch grosse Intensität zu verleihen. In den Gehäusen werden die Akteure aus dem Raum des Geschehens herausgenommen, in diesen zurückgeführt und zu immer neuen Konstellationen zusammengeführt. Die fatale Verknotung der individuellen Geschichten der Akteure sinnbildlich nachvollziehbar. Viv, Dud, Ada, Pep und Otto dürfen ihre Kerker verlassen; dann geistert der abwesende Mamal in ihren Köpfen und Körpern. Alle sind sie Opfer und Täter, mächtig und ohnmächtig und endlich wieder Mumien.

Heimspiel oder Festspiele

Nach mehreren Aufführungen in Konstanz kam das Stück jetzt auch noch ans koproduzierende Theater St.Gallen. Mit grossem Engagement spielten die sechs Mitglieder des Konstanzer Ensembles vor leeren Rängen. Kein Publikum, und von den St. Galler Theaterrepräsentanten war niemand anwesend. Eine Seite zu Mumien war zuvor im Terzett publiziert. In die Hand bekam man eine Karte mit einer kurzen Inhaltsangabe des Stücks. Es wurde zum Gastspiel, das lieblos ans Ende der Theatersaison angeklebt erschien.

Über Gründe darf man spekulieren. Zum einen führt das Theater unter dem neuen Schauspieldirektor Jonas Knecht die Autorentage nicht weiter und setzt dafür auf die Teilnahme am Förderprojekt «Dramenprozessor». Zum anderen dreht sich beim Theater St. Gallen im Frühsommer alles um die Festspiele, wo zum elften Mal mit gigantischen Geldern und Aufwand wenig Nachhaltiges produziert wird. Festspiele, mit denen sich Macher und Sponsoren vor allem selbst feiern.

Denn gerne hätte man etwas mehr über den 1979 geborenen, iranischstämmigen Mehdi Moradpour erfahren. Über seine Theatererfahrungen in Kuba, beispielsweise. Wer weiss, vielleicht kommt in der Zukunft einmal ein neues Stück des Autors auf die Bühne des Grossen Hauses.

Bilder: Theater Konstanz

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

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VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck