Bädelen, sändelen, sünnelen. Bei jeder Gelegenheit grillieren, richtiges Fleisch natürlich, tsch, tsch, nicht diesen Vegischnitzelkäse, denn daheim darf man ja schliesslich noch machen, was man will, nöd wohr. Ganz unbemerkt. Weil der heimische Garten, dieser letzte Ort der Selbstbestimmung und Berechenbarkeit in einer sich immer schneller drehenden Welt, gut eingepackt und schwer einsehbar ist. Umgeben von Zäunen, Gabionen und Steinsäulen made by Zaunteam. Und dem beliebtesten aller Sichtschütze: der Thujahecke.
Der Garten, sofern man denn einen hat, gehört zu den grossen Mysterien der Einfamilienhausschweiz. Er ist eine Vermutung, eine Verheissung, auch ein Vorurteil. Ein gekauftes Stück Privatsphäre, das es zu schützen gilt. Niemand ausser den Bewohner:innen weiss, was hinter der grünen Grenze vor sich geht und das ist auch gut so. Manchmal dringt Gelächter nach draussen, manchmal fluppt ein Federball über die Hecke, manchmal schleicht eine Katze durchs Loch. Was würden die hohen Hecken erzählen, wenn sie könnten?
Irgendwo surrt ein Rasenmäherroboter
Diese Frage greift das Ostschweizer Kollektiv Gaffa in seiner Ausstellung «What Ever Green» im Zeughaus Teufen auf. Gaffa macht die Thujahecke zur Hauptattraktion. Der Lebensbaum gehört in unseren Breitengraden zum Standardinventar der besitzenden Klasse. Keine Agglo ohne Thuja. Der pflegeleichte Baum ist dicht, immergrün, gut formbar, aber auch so giftig, dass kaum ein Tier darin lebt.
Die Gaffa-Installation im ersten Stock des Zeughauses ist massiv. Das Kollektiv, bestehend aus Wanja Harb, Dario Forlin, Lucian Kunz und Linus Lutz, hat knapp eine Tonne Plastik-Thuja verbaut, insgesamt 200 Quadratmeter. Von den Holzsäulen im historischen Raum ist kaum mehr etwas zu sehen, dafür öffnet sich nun ein Vorstellungsraum, eine grüne Vorortfantasie. Gleichermassen heimelig wie unbehaglich. Und irgendwo surrt ein Rasenmäherroboter.
«Hier gibt es eigentlich gar nichts zu sehen», sagt Kunz beim Aufbau, während Forlin und Harb die riesigen Thujahecken in Form striegeln. Lutz ist mit dem Einpassen eines Metallzauns beschäftigt. «Wir zeigen nur eine Alltagskulisse, eine modellhafte Situation, die so klinisch ist, dass die Fantasie automatisch beflügelt wird.» Die Installation sei «kein aktiver Fingerzeig», ergänzt Forlin, «aber sie ist dennoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Verschlossenheit von Einfamilienhaussiedlungen, die keinen Mehrwert für die Gemeinschaft bieten.»
Absurditäten in 2D und 3D
«What Ever Green» ist die vierte Gaffa-Ausstellung. Ursprünglich kommt das Kollektiv vom Zweidimensionalen. Seit 2016 veröffentlicht Gaffa monatlich ein Fanzine mit trippigen Bildmontagen, Remixes und doppelbödigen Twists. Beste Unterhaltung in A5. Die Zine-Themen heissen «Pilze», «Healthy Life», «Kugelschreiber», «Pneu» oder «Trampolin». Dabei gibt es wiederkehrende Motive; Autos, Maschinen, Männer, allerlei Tiere und was sonst noch so kreucht und fleucht.
What Ever Green: bis 28. Januar, Zeughaus Teufen
Vernissage: 28. Oktober, 17 Uhr
zeughausteufen.ch gaffa.world
Die raumgreifenden Installationen von Gaffa sind subtiler. Sie heben sich ab von den humorigen 2D-Arbeiten im Zine. Die erste Ostschweizer Ausstellung 2020 im Lagerhaus in St.Gallen war noch am ehesten eine Übersetzung der Gaffa-Zine-Kunst ins Dreidimensionale. Drei riesige Nacktschnecken lebten ihr bestes «Sluglife» im Architekturforum, gebaut aus Dachlatten, Hasengitter und Kleister. Auch hier hat Gaffa etwas Alltägliches in den White Cube geholt und in einer riesigen Absurdität Denkräume eröffnet.
Nach diesem Konzept funktioniert auch «What Ever Green». Diese jüngste Ausstellung im Zeughaus zeigt aber auch, wie sich das Kollektiv weiterentwickelt hat. Die Thujahecke provoziert eine Unmenge an Bildern und Emotionen, indem sie eigentlich überhaupt nichts zeigt. Sie ist ein Kommentar zu Besitz und Klasse und ist es gleichzeitig nicht. Sie steht gleichermassen für einen Sehnsuchtsort wie für gesellschaftliche Grenzen. All diese Gegensätze gleichzeitig zu spüren und sie auch auszuhalten, ist sinnbildlich für diese Welt. Und all das in eine Thujahecke zu packen, ist grosse Kunst.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.