Vor 50 Jahren eröffnet, seither in der Spielzeit während sieben Tagen pro Woche genutzt, nie grundlegend saniert und deshalb renovationsbedürftig: So lautet der Kurz-Steckbrief des St.Galler Theatergebäudes, wie ihn die Vertreter des Komitees «Ja zum Theater» am Mittwoch vor den Medien präsentierten. Das Komitee vereinigt die Fraktions- und Parteispitzen aller Parteien mit Ausnahme der SVP. Inzwischen ist auch Jakob aktiv und hat seinerseits eine Unterstützungsliste aus dem kulturellen Umfeld lanciert.
Keine Theaterequisite für ein Ibsen-Drama, sondern ein Lüftungsgerät.
Die Argumente, die nach Ansicht des Komitees «Ja zum Theater» für ein fragloses Ja zum 48,6-Millionen-Kredit sprechen, über den der Kanton St.Gallen am 4. März abstimmt, heissen unter anderem: schadhafte Flachdächer, kaputte Leitungen, veraltete Lüftungen, zugige Fensterfassaden, durchgesessene Sessel. «Die Liste der notwendigen Instandsetzungsarbeiten ist lang», hielt Thomas Schwager, Kantonsrat und Präsident der Grünen, fest.
Hinzu kommen die beengten Platzverhältnisse in den Werkstätten, wo zum Teil in fensterlosen Räumen gearbeitet wird. Dazu hatte sich vor einem halben Jahr, im Saitenheft vom Juni 2017, bereits Georges Hanimann geäussert, der technische Leiter des Theaters:
«Der Erweiterungsbau schafft mehr Platz für Garderoben, für die Künstler und das technische Personal. Auch die Maskenräume sind zu eng, es fehlt ein direkter Zugang vom Chorsaal zur Bühne, die Beleuchtungswerkstatt ist in einem fensterlosen Loch ohne Heizung, die Requisite in zwei kleinen Kammern eingezwängt. Die Erweiterung schafft Arbeitsplätze mit Tageslicht, die den arbeitsrechtlichen Vorschriften entsprechen.»
Nur noch Nostalgiewert hätten auch die Handkonterzüge auf der Bühne – sie sollen mit der Sanierung elektrifiziert werden.
Insgesamt arbeiten 80 Festangestellte in den Schneiderei-Ateliers und Werkstätten, in Bühnentechnik, Maske, Ton, Beleuchtung und Requisite. «Wir haben wenig Personal und vergleichsweise wenig Geld», sagte Hanimann. «Man muss weit suchen, bis man ein Theater findet, das fertigungstechnisch mit so wenig Personal auf dem selben Stand ist.»
«Anrecht auf akzeptable Arbeitsplätze»
Auf die Frage, ob die am Theater Angestellten unter den heutigen, zum Teil prekären Umständen leiden, sagte Hanimann: «Ich glaube, der Wunsch, am Theater zu arbeiten, ist stärker. Man arrangiert sich, irgendwann flucht man mal… Aber die Leute hätten sicher Anrecht auf akzeptable Arbeitsplätze. Es ist ja auch nicht so, dass man am Theater deshalb besser verdienen würde, weil die Arbeitsbedingungen nicht ideal sind – im Gegenteil.»
Das ganze Gespräch vom Juni mit Hanimann ist hier nachzulesen.
Saiten-Mitgliederanlass mit Führung durch das Theater: Montag, 5. Februar, 18.30 Uhr, nur mit Anmeldung, bis 1. Februar an verlag@saiten.ch.
Weitere Anlässe findet man auf der Website des politischen Ja-Komitees ja-zum-theater.ch. Und bei Jakob: ja-kob.ch
Mehr über die Verhältnisse am Theater und die Gründe für die Sanierung folgt im Februarheft von Saiten. Leibhaftig ein Bild machen kann man sich aber schon jetzt an den öffentlichen Führungen, die das Theater ab dem 20. Januar jeden Samstag anbietet.
Saiten führt exklusiv für seine Mitglieder am 5. Februar einen Anlass im Theater durch, bei dem sich Abonnentinnen und Abonnenten aus erster Hand ein Bild vom heutigen Zustand und von den geplanten Verbesserungen machen können. Für die Renovation stark macht sich auch Jakob, mehr dazu hier.
Der Standortfaktor
Das politische Komitee «Ja zum Theater» argumentiert neben den baulichen Mängeln des 50-jährigen Theaterbaus auch stark mit Standortargumenten. Das Theater trage wesentlich zum guten Ruf und zu einer starken Identität des Kantons St.Gallen als Arbeits- und Wohnstandort bei. «Das ist umso wichtiger, als sich der Standortwettbewerb auch immer mehr auf der Ebene von Kultur und Lebensqualität abspielt.»
Sogar die Rapperswiler CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter, bei Kulturfragen immer rasch mit dem Sparargument zur Hand, lässt sich auf der Komitee-Website zitieren mit dem Satz: «Der Kanton St.Gallen verdient ein Theater, das über die Kantonsgrenzen hinaus strahlt.» Und Linus Thalmann, einer der wenigen SVP-Abweichler, der sich für die Renovation ausspricht, kündigt auf ja-zum-theater.ch an: «Jetzt die Renovation des Theaters St.Gallen und danach der Bau vom Klanghaus Toggenburg.»
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.