, 18. Januar 2016
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Honeggers Appell an den Gemeinsinn

Im Alter von 98 Jahren ist am Wochenende der Zürcher Künstler Gottfried Honegger gestorben. 2012 war er Gast an der Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde in Wienacht-Tobel. Und plädierte für Wir-Freiheit statt Ich-Freiheit.

Gottfried Honegger (Bild: Filmstill, YouTube)

Gottfried Honegger, der «Jahrhundert-Künstler», wird in Nachrufen als eine der zentralen Figuren der konkreten Kunst und einer Kunst mit gesellschaftlichem Engagement gewürdigt. «Honegger hatte eine Mission», schreibt Guido Magnaguagno in der NZZ. »Er glaubte an Veränderung, an eine bessere Zukunft. Seine Visionen haben Gebrauchswert. Sie werden weiterhin hineinwirken in eine zu gestaltende, gestaltbare Welt.»

Einen Eindruck von diesem Engagement gab auch Honeggers Rede an der Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde 2012. Hoch aufgerichtete Gestalt, klare Stimme trotz der (damals) 95 Jahre: Gottfried Honegger beeindruckte die Besucherinnen und Besucher nachhaltig.  Thema der Kulturlandsgemeinde war die Freiheit, der Durchführungsort sehr speziell: zum einen das ehemalige, leerstehende Asylheim Alpenblick mit freien Blick auf See und Berge, zum andern die Turnhalle von Lutzenberg im Appenzeller Vorderland.

Gottfried Honegger setzte sich in seiner Rede, umrahmt von frei improvisierten Klängen des Geigers Paul Giger, mit den ethischen, gesellschaftlichen und individuellen Grenzen der Freiheit auseinander. «Freiheit an sich» gebe es nicht, sondern ihre Spielregeln müssten immer wieder neu ausgehandelt werden. Als grösste Feinde der Freiheit benannte Honegger die «Sucht nach Besitz», Masslosigkeit und Egoismus. Statt dieser Ich-Freiheit brauche die heutige Zeit eine Wir-Politik, eine Wir-Wirtschaft, eine Wir-Kultur, eine Wir-Freiheit.

Hier die Video-Aufzeichnung der Rede von Gottfried Honegger auf art-tv.ch.

Gottfried Honegger, 1917–2016 (Bild: usz)

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