Vor anderthalb Jahren übernahm der Horst Klub eine Bar an der Kirchstrasse in Kreuzlingen vom evangelisch-freikirchlichen Café Out of Bounds. Seither veranstaltet der Kulturverein dort wöchentlich zwei bis drei Mal, meist Garage-Rock-Konzerte, aber auch Lesungen oder Jazz-Abende.
Der punkige Laden mit D.I.Y.-Charme zieht viel Publikum an – das wird den Nachbarn zu laut. Und was lärmempfindliche Nachbarn auslösen können, weiss man von Beispielen wie dem Sous-Soul oder in St.Gallen dem Kugl.
Letzten Herbst feierte der Horst seinen ersten Geburtstag, mit einem zweitägigen Fest und elf Bands. Bereits im Sommer häuften sich die Lärmklagen, und nach dem Jubiläum ging eine Petition mit einer Handvoll Unterschriften bei der Stadt ein. Es wurden Lärmschutzmassnahmen und eine strikte Einhaltung der Öffnungszeiten gefordert.
Daraufhin hat der Kulturverein seinen Eingang weg von der Kirchstrasse verschoben (Kugl, kennsch?), seinerseits einige Dutzend Unterschriften gesammelt und – kürzlich –mit der Stadt und den Nachbarn an einem runden Tisch mögliche Massnahmen besprochen.
Die Stadt schätzt das Kulturangebot
«Wir wissen, dass der Klub nur im Dialog mit den Nachbarn existieren kann», sagt Benjamin Kreibich, Präsident des Vereins hinter dem Horst Klub. «Und bei guten Gründen sind wir die Letzten, die sich quer stellen wollen.»
Der Horst hat seine Nachbarn früh zu Gesprächen eingeladen. Einige kommen regelmässig auf ein Bier vorbei, andere zeigen wenig Interesse am Dialog. «Wir haben Rückmeldungen von Nachbarn erhalten, die voll und ganz hinter uns stehen», sagt Kreibich. «Die Kritiker sind in der Unterzahl.»
Diese Rückendeckung hilft aber nur begrenzt, denn: Ein Kläger kann im Extremfall bekanntlich reichen, um einem Kulturlokal den Saft abzudrehen. Dessen ist sich auch die Stadt Kreuzlingen bewusst. Man kennt die Lärmproblematik vom gesetzteren Kulturlokal Z88 bereits zur Genüge, betrachtet den Horst aber als Gewinn für die Stadt.
«Das Angebot des Horst Klub schätzen wir sehr. In diesem Bereich gab es in Kreuzlingen vorher noch nichts», sagt Dorena Raggenbass, die als parteilose Stadträtin dem Departement Gesellschaft vorsteht. Aber: «Der Horst Klub muss sich um den Publikumslärm kümmern und die Öffnungszeiten strikt einhalten. Ansonsten sind Probleme vorprogrammiert.»
Publikumslärm als Problem
Kürzlich haben die Horst-Betreiber begonnen, eine Schallschutzwand rund um den kleinen Hof, der zum neuen Eingang geworden ist, zu zimmern. Denn wie so oft sind auch beim Horst nicht die Konzerte zu laut, sondern die Gäste. Auf dem eigenen Areal können die Betreiber dem entgegenwirken, ausserhalb davon können sie nur zur Ruhe mahnen.
Ein Teil der Horst-Crew: Moritz Schönegg, Benjamin Kreibich und Stefan Böker (Archivbild, v.l.n.r.)
Unter anderem waren Sicherheitsangestellte ein Vorschlag am runden Tisch, doch das ist für den Klub keine Lösung. Nicht nur, weil sie nicht zur Punk- und D.I.Y.-Attitüde des Klubs passen; der nicht-subventionierte Verein (mit äusserst erschwinglichen Getränkepreisen) kann sich das schlicht nicht leisten. «Wir hätten das Geld für die Schallschutzwand auch lieber in Kultur investiert. Aber was sein muss, muss sein», sagt Kreibich.
Weniger Einnahmen durch Massnahmen
Künftig Subventionen zu beziehen, sei durchaus vorstellbar, wenn nicht sogar notwendig. «Wenn wir uns nämlich strikt an die Massnahmen halten, fallen uns Einnahmen aus», erklärt Kreibich. Wer vor dem Lokal Luft schnappen oder noch etwas länger verweilen wolle, trinke gerne noch etwas mehr.
Die Stadt hat die Anfrage bereits auf dem Tisch liegen, doch bis der Nachbarschaftsstreit gelegt ist, will man noch nicht über eine allfällige finanzielle Unterstützung diskutieren.
Drei Monate nach besagtem runden Tisch will die Stadt mit Polizei, Nachbarn und den Horst-Betreibern Bilanz ziehen und über das weitere Vorgehen entscheiden. «Ich wünsche mir sehr, dass es dem Horst gelingt, die Probleme zu beseitigen», sagt Stadträtin Raggenbass.
Beim Horst gibt man sich vorsichtig optimistisch: «Bisher haben wir keine weiteren Klagen erhalten», sagt Kreibich, «aber die Gesprächsbereitschaft der Nachbarn ist leider auch nach dem runden Tisch nicht gestiegen.»
Am besten kann man den Horst mit einem Besuch supporten. Das aktuelle Programm findet sich stets auf horstklub.ch
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»