, 16. März 2010
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Hüsle nicht mehr im Trend?

Zugegeben, Weltmeister waren die SchweizerInnen beim Bau von Einfamilienhäusern (EFH) nie. Eine eben erschienene Studie der Credit Suisse (CS) beschwört jetzt gar das Ende dieser Wohnform im Land. Grund: grosse strukturelle Probleme. Für die Analysten der Bank ist sonnenklar: „Das Einfamilienhaus ist nicht mehr das Mass aller Dinge.“ Heftiger Widerspruch beim Hauseigentümerverband Schweiz (HEV), der […]

Zugegeben, Weltmeister waren die SchweizerInnen beim Bau von Einfamilienhäusern (EFH) nie. Eine eben erschienene Studie der Credit Suisse (CS) beschwört jetzt gar das Ende dieser Wohnform im Land. Grund: grosse strukturelle Probleme. Für die Analysten der Bank ist sonnenklar: „Das Einfamilienhaus ist nicht mehr das Mass aller Dinge.“

Heftiger Widerspruch beim Hauseigentümerverband Schweiz (HEV), der das EFH überhaupt nicht als „Auslaufmodell“ wahrnehmen will. Im Gegenteil. In einem Communique gegen die Miesmacher von der CS heisst es: „In absoluten Zahlen werden seit den 1980er Jahren in der Schweiz konstant 12’000 neue EFH pro Jahr gebaut. Auch während der Immobilienkrise in den frühen 1990er Jahren sind die Neuzugänge in dieser Baukategorie nur kurzfristig leicht zurückgegangen. Wohl lässt sich innerhalb der EFH-Kategorie seit dem Jahr 2000 ein Rückgang bei den angebauten EFH feststellen. Der Bau freistehender EFH hingegen ist sogar leicht ansteigend und hat den Rückgang bei letzteren weitgehend kompensiert.“ Der HEV kommt zum Schluss, das EFH nach wie vor gefragt sind, sofern sie sich auch finanzieren lassen. Mit den zwei im vergangene Jahr eingereichten HEV-Volksinitiativen „Eigene vier Wände dank Bausparen“ und „Sicheres Wohnen im Alter“ soll Häusle bauen für weite Bevölkerungskreise erschwinglich werden.

Daran glaubt die CVP-Stadtpartei St. Gallen weniger. Ihr reicht es schon, wenn verbliebene EFH unter Artenschutz gestellt werden. 2008 reichte die Partei im Stadtparlament zwei Motionen ein, die eine Wiedereinführung der Einfamilienhauszone verlangten. Bei der letzten Totalrevision des St. Galler Zonenplans ist diese Kategorie zugunsten einer intensiveren Nutzung grösserer innerstädtischer Parzellen gestrichen worden. Noch bestehende EFH-Siedlungen auf Stadtgebiet müssten nun nach Ansicht der CVP vor überdimensionierten Bauten geschützt werden.

Will man einer Prognose, die 2006 in der NZZ publiziert worden ist, Glauben schenken, sind EFH in 30 Jahren ein Fluch, vor allem wenn sie etwas abseits der Städte stehen. Die Prognose geht davon aus, dass die meisten BesitzerInnen der EFH im Grünen 2030 das Rentenalter erreicht haben und wegen ihrer Lebens- und Pflegebedürfnisse längst in stadtnahe Agglomerationen umgezogen sind, weil sie dort die für sie notwendige Infrastruktur finden. – Die EFH-Siedlungen, die lange Jahre der Stolz unzähliger Landgemeinden waren und hohe Erschliessungskosten forderten, stehen leer. Die Kinder sind längst ausgezogen und wenn sie die Häuser dereinst erben, werden sie diese nicht verkaufen können. Wegen gestiegener Energiekosten und Zeitaufwand sind ArbeitspendlerInnen rar. Hinzu kommt, dass EFH, die heute gebaut werden, 2030 einen veralteten Standard haben und einer Totalsanierung bedürfen. Auch nicht gerade ein Plus auf dem Häusermarkt.

„Das EFH ist weder gut noch böse“, sagt EFH-Architekt Pascal Fournier in einem Interview in der Architekturzeitschrift Hochparterre. „Es kommt immer auf den einzelnen Bau und den Kontext an. Das Haus auf dem Lande ist nicht dasselbe wie im Dorf und schon gar nicht wie dasjenige im suburbanen Quartier. In der Westschweiz gibt es grosse Gebiete, die fast nur aus EFH bestehen, selbst die alten Dorfkerne. Hier stellen sich selbstverständlich die Fragen der Verdichtung, sie ist aber nicht um jeden Preis anzustreben.“

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