Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Ich mach mir die Welt, bis sie zerfällt»

In Speicher wurde am Samstag das nachgeholt, was bereits Ende April hätte stattfinden sollen: der Umwelt-Aktionstag auf dem Areal des Buchen-Schulhauses. Ein Spaziergang zwischen Klimajugend, Klimaseniorinnen und Poetry Slam.
Von  Sandro Zulian
Am Umwelt-Aktionstag am Samstag in Speicher AR. (Bilder: zul)

Bereits im April hätte die kleine Ausserrhoder Gemeinde Speicher ganz im Zeichen des Klimaschutzes stehen sollen. Doch die alles plattwalzende Pandemie machte diesem Vorhaben den Garaus. Der Lockdown und die Vier-Personen-Regel verunmöglichten damals die geplante Versammlung der Klimaaktivisten.

Jetzt, gut vier Monate später, konnte das Areal des Schaulhauses Buchen endlich wie gewünscht bespielt werden. Auf dem Pausenplatz reihten sich verschiedene Stände aneinander. Es gab veganes Essen, einen «Unverpackt»-Laden, verschiedene Vertreter der erneuerbaren Energien trieben sich herum, die Permakultur und Gartenführung wurde vorgestellt und auch faire Kleidung angeboten.

Auch konkrete politische Forderungen wurden mittels Ständen angesprochen. So wurden unter anderem die Gletscher-Initiative und die Konzern-Verantwortungsinitiative aktiv beworden. Am Stand der «Wunschsammelstelle» konnte man Anliegen und Wünsche niederschreiben und abgeben oder selbst aktiv werden.

Der Stand der «Wunschsammelstelle».

Auch die Klimaseniorinnen waren mit am Start. Sie bereiten sich derzeit auf einen Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg vor. 2016 hatten sie ein Begehren zur weiteren Reduktion der Treibhausgase an den Bundesrat gestellt, blitzten aber beim Bundesverwaltungsgericht ab, ebenso beim Bundesgericht. Jetzt soll sich Europa mit den Klimaseniorinnen auseinandersetzen.

Kinder und Jugendliche spielten mit Farben und Kreide, am Verpflegungstand wurden Süessmost, Bier, Kuchen und Guetzli gereicht und auf dem grünen Spielplatz konnten sich auch die Kleinsten vergnügen. Und eine Unterschriftenliste wurde herumgegeben: In Speicher will die Gemeinde einen Garten abreissen lassen, um darauf Parkplätze zu bauen.

«Revolution für das Klima!»

Sichtlich zufrieden sind die Initiantinnen des Umwelt-Aktionstages. Die SPlerinnen Ruth Saxer und Elisabeth Eugster haben zusammen mit einer Mitstreiterin als Organisationskommitee das Projekt auf die Beine gestellt. Für die beiden ist klar: Jederfrau und jedermann kann so etwas aus dem Boden stampfen, wenn nur die Bereitschaft da ist.

Mitinitiantin Ruth Saxer (links) auf dem Pausenplatz der Primarschule Buchen in Speicher.

Entstanden sei die Idee, als die Jungen von Fridays for Future allmählich jeden Freitag auf die Strasse gegangen sind. «Sie haben vollkommen recht damit», sagt Eugster. Und weiter: «Uns ist auch sehr wichtig, dass okölogisches Leben nicht Verzicht heissen muss.»

Für Saxer ist die Sensibilisierung der Bevölkerung zentral, vor allem in dieser ländlichen Region. «Wir wollen aufzeigen, was an nachhaltigen Angeboten überhaupt alles da ist. Zudem ist uns wichtig, dass wir die Dringlichkeit der nötigen Massnahmen in den Vordergrund stellen.» Die beiden Initiantinnen hoffen mit ihrem Projekt in der Politik auf offene Ohren zu stossen, damit etwas in Bewegung komme. Nicht nur in Ausserrhoden, sondern auf dem ganzen Globus.

Der nächste Umwelt-Aktionstag ist zwar noch nicht aktiv in Planung, die beiden Frauen sind aber guter Dinge, dass so etwas wieder stattfinden wird. «Revolution für das Klima!» ist die Devise bei Ruth Saxer.

«Fanatische Klimapriester»

Die 17-jährige Mathilda Osterwalder ist Mitglied der Klimagruppe Appenzell Ausserrhoden und hat ebenfalls tatkräftig mitgeholfen, dass der Aktionstag an diesem Samstag stattfinden konnte. «Wir hatten nie einen richtigen Klima-Event in Speicher. Auch Demonstrationen oder Vorträge, wie es sie beispielsweise in Teufen gegeben hat, fehlten hier bis jetzt.» Deshalb habe man sich entschieden, in Speicher ein Zeichen zu setzen und die Bevölkerung in Sachen Klima und Umwelt zum Nachdenken animieren. Am Stand der Klimajugend wurde für Klimademonstrationen mobilisiert und Petitionen verteilt.

Jung und alt besuchten den Umwelt-Aktionstag in Speicher.

Im Allgemeinen sei die Akzeptanz und die Unterstützung für die Klimagruppe in der Bevölkerung Ausserrhodens sehr hoch, sagt Osterwalder. Gleichzeitig gebe es allerdings auch Kritiker, allen voran der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni.

«Er hat uns einmal als fanatische Klimapriester bezeichnet.» Diese Aussage nahm der Politiker später allerdings wieder zurück und lud die Gruppe zu einem Gespräch ein. Dieses sei jedoch ernüchternd gewesen, sagt die 17-Jährige: «Ich habe das als nicht sehr konstruktiv empfunden und mich auch nicht wertgeschätzt gefühlt.»

Poetry Slam und Bella Ciao

Gegen Abschluss des Events wurde eine grosse mobile Box angeworfen und Jugendliche und junge Erwachsene trugen Texte vor. «Ich mach mir die Welt, wiedewiedewie sie mir gefällt. Bis sie zerfällt», ruft die Herisauer Slam Poetin und Jungschauspielerin Paula Schindler mit ernstem Blick ins Mikrofon. «Die Welt ist so gross und wir sind so klein, den Unterschied mach ich doch nicht allein.» Und: «Ich flieg so schrecklich gern nach Griechenland, denn was hab ich schon in der Hand?»

Es folgten noch weitere Vorträge, allesamt aus der Feder von unter 20-jährigen Frauen. Die Altersdurchmischung ist ohnehin bemerkenswert: Von drei bis 80 Jahren war alles vertreten. Die einen aus Neugier, die anderen aus voller Überzeugung.

Den Abschluss des Tages machten ausnahmslos junge Frauen.

Und zum Schluss durfte natürlich auch das Partisanen-Lied Bella Ciao mit abgeändertem Text zum Klimawandel und Umweltschutz nicht fehlen. Wenn Revolution, dann richtig.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze